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BIBLIOTHEK
DES
LITTERARISCHEN VEREINS
IN STUTTGART.
CXXXIX.
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TÜBINGEN
OBDBUCKT Knv KOSTEN DKS LITTBBASISCHBN YBBKIN3
1878.
PROTECTOK
DES LITTKRARISCHEN VEREINS IN STUTTGART:
SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG.
VERWALTUNG:
Präsident:
Dr A. V. Keller, ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen.
Kassier: I Kanzleirath Roller, universitäts-secretar in Tübingen.
Agent: Fues, bucLhändler in Tübingen.
GESELLSCH AFTSAUSSCHUSS :
Professor dr Barack, oberbibliothekar der kais. universitäts- und
landesbibliothek in Straßburg. Geheimer hofrath dr Bartsch, ordentlicher professor an der g.
Universität in Heidelberg. K. Cotta freiherr v. Cottendorf in Stuttgart. Uofrath dr Ilemsen, Vorsteher der k. handbibliothek in Stuttgart. Dr Holland, professor an der k. Universität in Tübingen. Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. Director dr 0. v. Klumpp in Stuttgart. Dr K. V. M a u r e r , ordentlicher professor an der k. Universität in
München. Dr Vollmer in Stuttgart. Geheimer regierungsrath dr Waitz, ordentlicher professor an der k.
Universität in Berlin. Dr Wattenbach, ordentlicher professor an der k. Universität in
Berlin. Dr Zarnckc, ordentlicher professor an der k. Universität in Leipzig.
QUELLEN
ZUR
GESCHICHTE DES BAUERNKRIEGS
AUS
ROTENBURG AN DER TAUBER,
HERAUSG£G£B£N
VOM
Db FRANZ LUDWIG BAUMANN.
FÜa DKN LITTERAEISCHEN VEREIN IN STUTTGART
NACH B£801ILU8B I>£8 AUSSCHUSSES VOM HÜVEMBEK 1877 GKUBUCKT VOH L. FR. FUEB IH TÜBIMQEH
1878.
1
I
ROTENBURG AN DER TAUBER IM BAUERNKRIEG.
VON
THOMAS ZWEIFEL,
STADTSCfIRKIBER ZU ROTENBURG AN DER TAUBER. •
Banemkrlef
Von der lutherischen, carolstattischen und andern newen lern und predigen, das evangelion und christ- lichen glauben belangend, wenn und \sie die in 'tewtsch landen und daraus die bewrisch uffrur in denselben lan- den angefangen hat.
Zu wissen, das in den jarn, als man zalt nach Cdsti, unsers lieben herren, geburt funfzehenhundert und achzehen jar und darbey, von Rom nosgieng ain volkomenlicher römischer aplas oder indufgenz, den babst Leo, des namens der zehend, herren Albrechten, der römischen kirchen cardinal, zu Meinz und Magdenborg erzbischof, primas in Germanien, des haiiigen römischen reichs erzcanzler und clmrfurst, administrator des Stifts Ualberstat, marggrafe zu Branden- burg, zu Stettin, Pommern, der Cassuben und Wenden herzogen, burggraven zu Nurmberg und fursten zu Ruegen etc., in den proTinzen, furstentumben , herrschaften , landen und stetten in ge- melten stiften, tewtscher nation gelegen und gehörig, zu verkünden und die christglaubigen menschen zu ermanen, darein zu beychten, gelt in die capsen, in den kirchen vor dem creuz stende, darzu verordnet, für den aplas die ^ sein im fegfewr als ain almusen und umb etlich beycht und portatenbriefe einzulegen, verlihen und ge- geben bette. Dieselbig indalgenz ward nun allenthalben in gemeltea Provinzen mit der scherpf und ufF das höchst durch etlich prediger und sunderlich durch ainen, der Tetzel genannt, im land zu Sachsen so hoch und ubermessig uff der canzel gepredigt, ausgelegt und heraus gestrichen, das daraus ain grosse irrung, Verachtung und vernichtigung dero und aller römischen und bischoflichen indulgenzien und aplas entstunden.
Dann ein gelerter doctor der haiiigen schrift Augustiner ordens
1 Lies den«
zu Wittenberg, Martinas Luther genannt, stunde derbalben uff und predigt wider denselben aplas und darbey etwanvil anderer artickel etlicher mlGbreuch, so in dem christlichen glauben und der christlichen kirchen durch die gaistlichen und weltlichen in dem und vil andern stucken und puncten gehalten und dardurch im glauben geirrt wurde etc. Wider den understunde sich ain thomistischer doctor der hailigen schrift, genannt doctor PZck, prediger zu Ingolstatt, zu disputiern [2] und derhalben heftig wider ine einzulegen, auch bey dem stul zu Rom groß gnad und begabung dardurch zu erlangen. Kamen also muntlich und schriftlich in schwer disputationes gegen Einander, die sie und darbey etwanvil bucher irer opiniou und maynungen lateinisch und tewtsch truckea und allenthalben in tewtschen und welischen landen wider ainander ausgeen Hessen, also das doctor «Martinas Luther in söUichem schrib, predigt und im truck öffentlich ausgeen ließ etliche bucher von der christlichen freyfaait, item von den guten werken, item die babilonisch gefängknub und die roten hurn zu Babilonien wider die bähst, cardinel, bischof, abbt und andere prelaten, auch wider alle ordcn, priester und glupt- naß der closterlewt und gaistlichen, den gebrauch des gaistlichen panns, der sacrament, der mess, des opfers und sunst aller anderer corimonien, in derselben römischen und irer anhengigen kirchen bißher gehalten, mit entdeckung aller boßhait und miGbreuch ge- melter gaistlicher stende, darunder er den babst für die rote hurn za Babilonien, uff dem roten trachen sitzend, und für den warn und rechten ontchrist ercleret und abmalet und die ander gaistlichait sein geschwurm nannte, wie dann desselben doctor Luthers und anderer seiner anheuger bucher, von den und vil andern unzelichen Sachen und materien gemacht und durch den truck allenUialben offentlicli aus- gangeu, sölichs alles mit leugern maynungen und begriffen clerlicher innen halten. Daruff dan vil gelerter doctores der hailigen Schriften und ander gelerte prediger, als Philipus Melancton, Ecolampadius, doctor Ulrich Zwinglin zu Zarch,' Erasmus Roterodamus zu Basel, doctor Urbanus Regius, prediger zu Augspurg, her Ulrich von Hütten, ain scharpfer po6t, Oslander, ain prediger zu sant Laurenzen zu Nurm- berg, Johannes Frenz, prediger zu Schwebischen Hall, und sunst vil ander prediger zu Kördlingen, Ulm, Straßburg, Frankefurt und vil andern stetten on zal, die neben und mit doctor Martine Luthern von solichen materien predigten und schriben, hyelten die als für die
recht ewangeijsch warhait und das warhaftig wort gottes, weliche lang durch die alten lerer nnd prediger nnd ir philosopbej and sopbisterey verdunkelt, undertruckt und missbraucht worden wem, und deshalben alles anders, so die alten Thomisten nnd derglychen lerer vorher gescbriben, gehalten, geleret und gepredigt betten, sambt den cerimonien für gottlos, irrig, ketzerisch und dem ewangelion und gots wort widcrwertig von inen, auch hohen und nidern, edlen und unedlen, gaistlichen und weltlichen, reichen und armen, mannen und weybem, alten und jungen und insunderhait von dem gemainen mann nahend durchaus gehalten ward, demnach der cerimonien, des Weichwassers, salzweyhen, Hecht-, palm-, wurzweyhen und vil anders an yilen orten abgieng, ausgenomen in der bischof und etlicher weltlichen fursten und herren landen und gebieten ward darob ge- halten. Aus dem allem volgte, das menigklich der mererntails hoher und niderer stende und sonderlich das gemain volk aller pfaffhait und gaistlichait in clostern veind, hessig und widerwertig [3] warn als denen, die das volk vom rechten weg des christenlichen glau- bens und wort gottes verfurt und daneben mit vil uiftreglichen bfir- dcD beschwert betten, weiten nicht mehr den priestern ire sund muntlich, wie vor, sonder, wie doctor Martinus Luther und sein an- henger schriben und Icrten, gott allein in irem herzen und gemut beychten, auch kain begengknus mer für die abgestorben oder ab- geschaiden seien, sonder dasselbig alles sambt den seimessen, vigilien und andern für unnutz, nichtig und allain uff ain geltmarkt der pfaffhait und gaistlichait erdacht sey, achten und halten. Vil wolten kain mess mer hörn, vil von hohen und nidern stenden assen an freytagen nnd andern gebotten vasttagen flaisch, wolten dero und anderer stuck halb die gesetz der gaistlichen recht und Ordnung nicht mer halten als menschenfund, die wider die evangelysch 1er sein sollt etc.
Nun warn aber dannocht vil von hohen stenden als kayserlich mayestat, auch gaistlich und etllch weltlich churfiirsten und fursten nnd ander stende auch vil graven, prelaten, adels und gemains volks, denen sölich des Luthers und seiner anhengern maynung, schreyben nnd .1er missfellig, entgegen und wider was und sonder- lich den gaistlichen, denen das alles an opfern, beychtgelt, begengk- nassen und anderm merklichen schaden und abgang pracht, wolten sOlichen lutterischen lern als new wi()er alten geprauch und gewon-
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liait der römischen kircheu nit gehcllen, auch die zu predig<ni nit gestatten. Denen ward der gcniain man sonderlich veind und gehe^sig, hielten sie für ketzer, verfurer und verhyndcrcr des wort gottcs.
Der babst und römisch kayser liessen derhalben etliche schwere mandat und gebott allenthalben im hailigen reich dar wider ausgeen und verpieten, söliche lutterisch und seiner anhenger bucher, 1er, predigen und materien weder zu schrcyben, zu trucken, fail zu liaben, zu verkawfcn, zu kaufen, zu lesen oder zu halten, noch das sölichs durch die oberkaiten zugesehen oder gestattet werden sollt. Ward aucii doctor Martinus Luther als ain ketzer mit sein buchern und materien zu Rom, zu Mainz und an vil orten mit grosser solennitct und zierlichait, und sonderlich zu Rom durch den babst und stul zu Rom der Luther mitsampt allen seinen anhengern ver- dampt, vermaledeyt und mit iren buchern und materien verprennt. Aber er, Martinus Luther, wiewol er also zu Rom, zu Meinz und an vil orten verprennt ward, blib doch nichtz dest minder zu Wittenberg, schied im das alles nichtz am leben, sonder schrib und schickt seine materien nichtz dest minder für und für aus, und umb das der babst und ander ine und seine materien verprennt betten, verprant er inen dargegen die babstlichen und gaistlichen rechte.
Und als Karolus, des namens der fünft, römischer kayser und konig in Hispanien etc., des funfzehenhundert ain [4] und zwaiu- zigsten jars nach empfangner seiner königlichen krönung, des newn- zehenden jars darvor zu Ach ^ geschehen, seinen ersten reichstag mit allen des hailigen reichs churfursten und fursten, auch andern gaistlichen und weltlichen stenden zu Worms hielte, regalien und leben alda verlihe, ward doctor Martinus Luther auch dahin er- fordert und verglait und alda durch kayserlich mayostat in bey- wesen churfursten, fursten und aller anderer stend furgefordert, seiner 1er halben gefragt und verhört, der darnff seiner bucher, 1er und Schriften bekenntlich und gestendig, die auch in disputationibus mit warer hailiger schrift zu erhalten urputig was. Und wiewol ime kayserlich mayestat, auch churfursten, fursten und andere stende durch den fiscal von Trier furhalten und an ine begern liessen, das er die widerrufen sollt etc., so wollt doch doctor Martinus Luther
1 Acfaen.
dasselbig mit niclitcn tlnin, sonder beharret ufT seiner maynung, schied damit wider zw Worms mit glait ab und weg, nnd als er weg kam, ward Luther ain zeyt lang uffgehebt, haimlich enthalten und verwaret, das lang nyemand wist, wa er hinkomen was.
Nachmalen am mitwoch nach Trinitatis [29 Mai 1521], als churfursten, fursten und ander stend vast all vom reichstag zu Worms, der sich dann damals endete, abgeschieden und woggeritten nnd gefarn warn, ließ die römisch kayserlich mayestat ufT emsig und ernstlich anlialten des babsts bottschaft und anderer gaistlicher fursten doctor Martinum Luther zu Wormbs uff aim hohen gerust, so Tor der tumbkirchen und des bischofs zu Worms hofe uifgericht was, an ainem briefe, daran der Luther gemalct was, mit etwanvil buchern, die man undcr der münz uffgchaben hett und doch nit latterisch oder der Sachen schuldig, sonder andere matcrien und der Sachen merer tails ganz unschuldig waren, als lutterisch öffent- lich verprennen. Und wiewol kayserlich mayestat öffentlich aus- schreyeu und gepieten lassefn hett boy schwerer straf, welicher oder weliche solicher lutterischer oder verfurischer materien betten, das sie die daher pringen und zu verprennen uberantwurten sollten, so beschah doch solichs nicht oder gar von wenigen.
Am freytag darnach [31 Mai 1521] schied die römisch kay- serlich mayestat zu Worms auch hinweg und für zu schiff den Rein abhin bis gein Meinz. Daselbst nam die kayserlich mayestat den hawfen knecht an, so aus der tewtschen herren krieg zu Prewssen * komen war und alda lagen, und bestallt Franzen von Sickingen da- selbst zu ainem hauptmann, schickt ine mit ainem grossen raisigen zewg, auch gemelten und andern fußknechten in dapferer, grosser anzal in das land zu Lutzelburg wider den konig von Frankreych nnd den graven von Arberg, die sein mayestat in dem land zu Lutzel- burg überzogen, bekriegt und bcschedigt betten, und sonderlich der konig von Frankreych vor dem, als kayserlich mayestat nocli den reichstag zu Wormbs hielte, mit ainem grossen zewg kriegsvolk in das konigreych Navara gezogen, dasselbig einzunemen, den aber die Spanier wider daraus geschlagen und dem [5] konig von Frank- reich ob zehentawsend Franzosen erschlagen, und also kayserlich mayestat durch die iren dasselbig konigreych erredt und behalten
* 1 Gegen rolcn 1518 bis ^K
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hette, weliche mer danu kayscrlicher mayestat gein Wornibs am tag Corporis Christi [30 Mai 1521] zukamen etc.
Der zeit war ainer comentur und pfarrer hye zu Roteniburg tewtschs Ordens, genannt Johannes Newkaim, nit ain clainer ca- nonist und derselben wolgelert, der predigt ser wider die genieltcn lutterischen matcrien und derhalben wider doctor Johann Dewschlin, bestellten prediger zu Rotenburg, der sich solicher lutterischen materien auch newlich underfangen hett, und den plinden munch, her Hanns Schniid genannt, conventbruder des Barfußerclosters hie zu Rotenburg, der auch der lutterischen materien gelert und zu aim prediger worden was, und andere raer, die dann lutterisch warn und die lutterischen und ander materien frey, öffentlich pre- digten und lerten. Herwiderumb so predigten dieselben lutterischen prediger wider gemelten comentur und pfarrer und alle tewtsch herren, auch andere priesterschaft und gaistlichkait allhie. J)och so warn etlich conventbruder hie im tewtschen haws, die auch gut lutterisch warn, als nemlich ainer, her Mekher genannt, der nam gemelts plinden munchs Schwester zu aim eeweyb, hett ain grosse hochzeit alhie.
Aus dem allen vil zwitrechtigkeit zwischen den gaistlichcn entstund. Zuletzst ward genannter Johann Newkaim durch seine obern umb ungeschickter hawshaltung willen hinweg genomen, und ain anderer, nemlich her Caspar Cristan, der darvor gemelts Ordens pfarrer zu Munrstat ^ und den lutherischen oder seiner an- henger materien ganz wol gelert, geschickt und berömpt was, an sein statt durch den tewtschen maister, hern Dieterich von Cleen, und andere desselben ordens gepietiger zu comentur und pfarrer hieher gein Rotenburg verordnet und gesetzt, auch gein Wurzburg presentirt, den aber der gaistlich fiscal, herr Caspcr Pfister, nit hett wollen investirn, er wollte sich dann der lutherischen oder newen materien zu predigen und zu lern verzeyhen und dasselbig furtermer zu meyden schwern, über das ime doch die darvor zu Munrstat als in aim wurzburgischen flecken zu predigen und zu lern gestatt worden warn. Aber derselb new comentur und pfar- rer hat solichs nit tun wollen, sondern sich in antwurt gegen dem fiscal vernemen lassen, das er von solichen materien als dorn
1 Münnerstadt.
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warn, lawtern wort gottes und ewangelion zu lern und lu predigien gar nicht nffliörn, noch desselben sich begeben wollte, daroflf be- melter fiscal ime nrnb sOlichs die Investitur zu geben versagte, wollt ine nit investirn, und war also genannter oomentur and pfarrer on dieselbig Investitur vom fiscal abgeschieden, sagende zam fiscal, er bedorfe der iuvestitnr nicht, er wer doch coroentur und pfarrer zu Rotenburg, ob er schon der Investitur nit bette, nnd damit in sein herberig gangen. Dieweil aber dem fiscal solichs Torher, wann er ainen pfarrer uff des ordens presentation gein Rotenburg investirte, allwegen [6] zwainzig guldin ertragen bette, damit dann seinem herren, dem biscbof zil Wurzburg, und ime dieselben zwainzig guldin nit entgiengen, so schickt er dem gemelten Caspar Cristan die investitur in die herberig nach, nam das gelt Dnd ließ den lutlierischen pfarrer und prediger zu, gott geh, wie es gieng, er predigt durkisch oder lutherisch. Damit kam also der new conitur und pfarrer anhaims gein Rotenburg als ain pCarrer ordeulich investirt. Der predigt fnrter uff die newen lutherischen materien, als etliche darfnr betten, das hell, lawter, war evangelium und . wort gotes , wie es in anfang der cristenlichen kirchen ge* praucht worden were, verwarf und trib damit ab die cerimonien, das orenbeichten , fladenweyhen und ander gepreuch. Dammb ward er letzst von dem gaistlichen fiscal obgemclt gein Wurzburg citicrt und erfordert, derhalben antwurt und beschaid zu geben. Desgleichen ward auch der plind munch citiert. Aber sie funden Tilleicht bey inen selbs oder andern im rat nicht, des sie erscheinen sollten, dann es etlichen dergleichen hievor, die erschinen warn, nit wol ergangen was.
Aber doctor Johann Dewschlin, als der in der Chorwochen des viernndzwainzigsten jars der mindern zal [20 — 26 M&rz] auch von seiner predig und 1er wegen, darumb red und antwurt zu .geben, [citirt ward], erschin derselbig, doch mit ains rats zu Roien- barg furschrift, zu Wurzburg in maynung zu antwuiien etc. Aber als derselb doctor 'Johann Dewschlin mit kuecht und pferden, die in^ ain rat zu Rotenburg zugeben bette, gein Won^burg komen Has, sich bey dem weyhbischof, herrn Johann Plettenbarfern, und dem prediger im tumb zu Wurzburg, die bed auch uff die newen latherisclien materien predigten, angezaigt und irs rats begert, betten sie ime mit antwurt begegnet, es were ime des erscheinen
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Hit von uöten, auöh nft sölicbs, noch uff ainicben pan, bey dem ime gebottCTi wnrd, icbtzig zu geben odrr geborsam zu laisten nil scholdig, Fonder er solte das wort gottcs predigen und weder den pan oder andere Verfolgung scbewen etc. Demnach war doctor I>ew8cblin vor dem fiscal nit erschinen, sonder wider anbaims gein Rotenborg zogen, zaiget solicbs, als er anbaims käme, ainem rat an und predigt furpas, wie bißher, und füret dabey etwanvil bes- siger roaynungen ein, als ob nyemand zu opfern, cloengelt ^ zefaenden und anders (wie man sagt) zu geben schuldig wcre.
Warde derbalben ain grosse murbelong in der gemaind wider Hin rat albie als der oberkait, wie dann vor vier oder fünf jaren darvor uff desselben doctor Dewschlins predigen ancb geschah, da er wider die Juden und ir sinagog auch ganz hessig predigt, dar- innen er ain erbern rat schwerlich antastet. Beweget dardurch das gemain volk dermassen wider die Juden, das sie die Juden zu Rotenburg an vil enden und in ircn aignen bewsern mit werfen, nemen, schlagen und anderen vergeweltigten und betrangten, das aie letzst an ain rat urlaub begerten and hinweg zugcn. So warn dann etlicb, nemblich ob vierhunderten aus der gemaind zn Roten- burg des gemainen geböfels nach [7] demselben mit gewalt an die sinagog gefallen, rissen und brachen die gewaltigklich uff, satzten Ton stand an ain Marienbild darein, nnnten es zu der reinen Marien, welichen namen ir auch doctor Dewschlin geben, auch denselben namen oder titel oben in die kirchen oder sinagog schreyben lassen and damit also ein walfart oder gelewft zugericht hett. Furter der- selbig doctor Dewschlin weyter mit vil bessiger einfurung und woi-ten wider ain rat dermassen gepredigt, das ain rat, wollt er änderst ruw haben und kains verrern ufflawfs gewarten, die gemeltc der Juden sinagog zu ainer cappellen in der er der rainen Marien (wie sie dann noch haist) und ain tau des Jndenkircbofs zu aim gots- acker verordnen und weyhen lassen must, die auch der obgcmelt weyhbiscbof, herr Johanns von Plettenberg, weyhet, und also haist die cappell noch zu der rainen Marien. Und als ser sie doctor Dewschel derselben zeyt gelobt und gepreyset und geewfeii, etTiche wunderzeychen, so noch darinnen an ainer tafel geschriben steen,
1 Klaaengeld, eine 1522 im Rothenburgisclien eingefabrte hohe vieh- steaer, s. Bemen, geschiohte des banemkriegs im Ostfranken 99,
zu erdichten and alda herfur zu pringen, todte kyndcr mit seiDem atem zu erwecken und lebendig zu maclien, weliclis doch utt ge- schehen wollt, anderstanden hett, also ser predigt er yetz (da die newen Interischen materien uffstunden, und er die bogriffen bette) darwider and hieß Mariam, die muter gottes, yetz ain gras- maidlin etc. Und nachdem er sich dan in sein predigen wider die Juden und zu uffriclitung der .cappelien zur rain Marien und yetz in der newen lutterischen materien sonderlich von newem ganz hes«igcr and affruriger wejs wider ain rat hören und vernemen ließ, also das er ain grossen zulauff von dem gemainen geböfel nit allein an sein predigen, sonder auch in seinem haws ab and zugeen hette, deßhalben sicli ain erber rat besorget, es ward letzt zo aim auflawf komen, uiul entschlussen sicli demnach, sölichs an den ewssern rat gelangen zu lassen und mit desselben wissen und bewilligung ine zu beurlauben.
Also ward gemelts vierundzwainzigsten jars am tag Burkhardl [U Oktober], als Hanns Jagstiiaimer, der eher, damals burger- maister was, durch bed inner und ewsser rate, so desselben tags on das der jerlichen stewr lialben altem herkomen nach bey ainander warn, beschlossen, durch den ewssern rat dem innern rat liainigestcllt, gewalt geben und befoUien, doctor Dowschlin seines predigambts zu Urlauben. Aber solichs ward durch den innern rat viUeicht aus forchteu und clainmutigkait mit unfleyß verriebt und nit volstreckt, und also blib doctor Dewschlin lenger prediger und predigt uff seiner maynung für und für.
Der enthielt darzu ainen ufTgestanden bawrn, aus dem Rieß (als man saget) purtig, der auch an vil orten predigt und ain grossen Zulauf von dum geroainen volk hett, und andere mer personen. So tet ainer, Valentin Yckelshaimer, ein gelerter Latinus, etlieh predig zu den Barfüßer in dem rebental ^ da dann auch vil volks zuluff. Item der obgemelt pawr [8] understnnd sich, hie zu Rotenburg in der statt in ainer kirchen zu predigen, aber ain rat wolt dannoch solichs nit willigen oder gestatten. Demnach tete der pawr ain predig hie za Rotenburg vor dem Rödertor ufT der schießhutten Veraas, ald^^ ain groß volk ufT ainer wisen aus der statt und sonst Tom land zasamen kam, vor dem schießhaws ufT der wisen stunde
* l Kefectoriam.
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und zuhöret. Desgleychen hett er nachmalen ain predigt zu Kobel- zcll auch getan. Item so stunden ain clains mendlin, ain knapp, der (als man sagt) darvor ain priester gewest sein sollt, item Barthel Alhrecht, Peter Sayler und vil ander, so die newen roaterien gelesen hetten, allenthalben in der statt Rotenburg deraffter wider und für am markt, in gasseu, uff den kirchhofeu und andern enden, predigten und sagten, ainander, auch denen, so inen zu- höreten, sölich new materien, was sie dero in buchern hetten, lasen und wisten, und sonderlich was wider die oberkait diente, und was omb die stund ain grosser hawf von mannen und gesellen, die zuhöreten, und etlicher auch das sein darzu redte, clagt oder sagt ainer von dieser, der iander von yener beschwcrd mit vil betrohen- lichen, uffrurigen Worten und schwuren, der sie sich daneben wider die Oberhand vernemen liessen. Das war nun alles ganz offenbare, lag am tag und vor äugen, aber [ward] über viler personen warnen und anmanen, auch selbs sehen und prüfen zugesehen, gedult und gestatt.
Darbey ward der gemelt new comentur und pfarrer seiner predig und 1er halben, auch umb das er das weyliwasser, würz, palm, salz, liechterweyhen und ander cerimonien abgestellt hatt, gein Wurzburg citirt und gevordert, vor dem bischof oder seinen verordneten red und antwnrt darumb zu geben. Als er aber solich ans vorcht veracht und zu Wnrzburg nit erschine, ward er daselbst excommunicirt und in pan getan, und ime derselbig pan in schrift- licher vorkündung oder execution zugeschickt. Die verkündet er selbs an ainem sonntag an offner canzel allem volk. beclagt sich darbey sölicher grosser, tyrannischer beschwernuss und Verfolgung, dardurch man das gotswort und ewangelium zu predigen understund zu verliyndern, derroassen hochlich und beherzlich, das desselben sonntags, als das geschray was, ob oder bey drewhundert mannen von burgern und andern zu dem pfarrer in das tewtsch haws ge- loffen warn, hetten den pfarrer getrost und ine gebeten, uff dem ewangelium und gottes wort zu bleyben, sich weder den pan oder nichtzit irren zu lassen, mit dem zusagen, ine nicht für paurisch zu achten und zu halten, auch sunst nit zu verlassen, sonder leyb und gut zu ime zu setzen.
Dazumal were zeyt und not gewest, das ain rat als die ober- kait die ding zu geraut gefast, denen zu begonnen, uffrur und un-
ni za furkomeu beratschlagt, ain hers mit vertrawtem [9] kricgs- Tolk, wie ander stett getan haben, und inen auch geraten ward, zn machen sampt andern erbern lewten, die damals nit allein in der statt, sondern anch uff dem land gern bey aim rat bliben wem, damit sie des andern nugeschickteu, uffirnrigen gemainen gepöfels sambt den nffrorigen predigern mechtig nnd gewaltig gewest wem, dieselben on far nnd sorg aus ihr statt und gepiet zu verweisen, arlanben nnd verjagen oder in ander ernstlich weg gegen iuen han- defai nnd sie nidertrncken betten mögen, wer die uffrur und grosser muurt damit in der statt nnd uff dem land verhutt bliben. Aber solichs ward alles veracht, also das sölichem nachmalen als dem überhand nemenden wasser nit mer zu wem was. Doch hat vil- leicht ain rat- damals den Ernfrid Kumpfen, alten burgermaister, mid andere mer des rats, so der gemaind anhengig, gcschewcht ge- bapt and vor denselben nichtz bestendigs furuemen dörfcn etc.
Und also kam das hailig ewangelium nnd gottes wort in ain grossen, ergerlichen nnd schedlichen missverstand, das vil der welt- lieben haupter, gemainen adels nnd gemainen volks sölichs alles uff iren aigen vortail und nutz, auch gewaltig, tetlich frevenlicli, rauplich und mörtlich handlnng und furnemen zu ziehen und zu geprauchen understnnden. Also wann man predigt von christenlicher und bruder* lieber Uebe des nechsten, und wie ain yeder Christenmensch seinem nechsten sollte hilf, mitleyden und guts beweysen, srch ain yeder gegen dem andern in bmderlicher und freuntlicher lieb erzaigen, 80 schöpften die weltlichen haupter, die dem ding anhiengen, anch gemainllch alle nndertanen daraus, das der gaistlich stand nichtz were, und sie die clöster nnd brobsteyeu innemen möchten, wie dann von etlichen understanden nnd getan ward. So wollte das gemain volk, es sollten alle ding gemain, auch kain oberkait, herr- schaft oder jungkcrschaft, sonder ain gemaine brnderschaft sein, ainer als vil, als der ander und nit mer haben, solt ainer dem andern sefanldig sein zn leyben, aber kainer sölichs ime widerzugeben und n bezalen fordern oder begern, sonder so ime kain bezaluug seiner aosstenden schulden und gelihen geltz beschehe, sölichs gedulden. Worden deshalben die nndertanen wider ir herschaften und ober- kaiten allenthalben bewegt, weiten iren herren weder gult, rent, stewr, zoll, zehenden, handlon, hauptrecht, noch anders geben, biner mer leybaigen, sonder des alles frey sein, ja auch die ober-
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kaiten gar zu erschlagen und auszodilgen sich nndersteen and be- schuldigten die oberkaiten, sie wollten das gotswort nit lassen pre- digen. Derhalben sich im fuufzehenlmndersteu, vierundzwainzigsten und funfundzwainzigsten jaren im land zu Schwaben, im Hegau, Allgew, Frankenland, in Sachsen und Bayern, am Rein, im Elsaß, unib Salzburg und sunst [lO] allenthalben in ganzer tewtscher nation durch den gemainen man und die bawrschaft in stctten, dörfern, weylcrn, höfen und sunst ain merkliche, grosse uifrur, empörung Und zusamenrottierung wider alle hohe und nidere, gaistliche und weltliche oberkait und sonderlich den gemainen adel uud die crbcrn burger in stetten erhub, also das sie sich an vil orten zusamen tcten und rottierten und mit grossen, gewaltigen hawfen hin und wider ruiseten und zugen, vil closter, Schlosser und befestigung er- oberten, innamen, plünderten, auspranten, zerprachen und verwueston, namen das hauptgeschutz, so sie in stetten und befestungen Funden, mit inen in ire feldleger, also das etlich fursten, grafen, heri-en, vom adel und reichsstetten von inen betrangt, benötigt und dahin gezwungen wurden, das sie sich mit inen vertragen und verprudern, inen ire geschutz, lewt uud gut zuschicken und darlegen niusten, sampt andern unchristlichen, unbarmherzigen und schmehlichen haud- lungen, so das gemain volk gegen hohen und nidern, edlen und unedlen stenden und pcrsonen, die nit irs willens gehellen wollten, und iren hab* und gutern übten.
In solichem ward sich das gemain volk und gebOfel alhie zu Rotemburg in der statt und auswendig ufT dem land, gemainer statt Rotenburg und den iren zugehörig, uff anregen der prediger und anderer auch zusamenrottirn und tun, machten ain verstand und beschluß mit ainander, sich wider ain rat alhie zu empörn uud zu erheben, hetten sölichs gut zu tun, dann es ward über vilfeltige, stattliche warnung veracht und nichtzit fruchtpars dargegcn furge- uomen oder gehandelt, biß es gar überhand nam.
Und wiewol Peter von Premen und Hainrich Trüb, obervogt zu Kirchberg, auch ander mer redlicher persouen des ewsscrn rats, als newlich Gabriel Langenberger, der solicli als ein wirt in seinem haws von den baurn und andern vermerkt und verstanden, auch Oswalten Hebenstreyt uud vil andern, die des warhaftigs wissen trugen, solich den burgermaistern und alten burgermaistern als den vordersten regiereru diser statt merern mals anzaigten und sie
warnten mit bitt, sich zia versehen und vor sötiohem nnrat za sein, nnd sonderlich Feter von Frenien and Uainrich Trab etlichen, nemlich Erasmas von Maßloe als damals burgermaister iü Roten-- barg geraten, sich bey dem marggrafen, mit dem sie in aynung und verstendnuß wem, oder wa ineu sölichs nit gelegen were, bey den von Narmberg umb kriegsvolk zu ross und fuß zu bewerben, die worden sie on zweyfel darmit nit verlassen, mit sölichcm kriegs- volk und andern gehorsamen undertanen sie inen ain herz macheu, sich selbs nnd ire undertanen vor auflauf, unrat, schand und schaden bewaru möchten, als auch, wa solichs bedacht und zu gciuut gefurt worden, leychtlich beschehen were, so ward doch das alles auch ver- lacht, veracht und in luft geplasen, ja auch darzu etlich [llj aus dem ewssern rat und der gemaind, so den burgermaistern und alten borgermaistern solich oder dergleychen uffrurig und empörig con- spirationes und handlang (die doch on das am tag lagen und vor aogen warn, also das etlicher nit frölich in die kirchen oder über, die gasseu dorften geen) anprachten und sie warnten, von denselben darum b mit harten, ungeschickten Worten angestrengt und auge- halten zu sagen, von wem oder wie sie das betten, gleych als ob sie lagen sagten und gedenken oder warten sollten, was sie redten, Hessen sich etlich der gewaltigen merken mit ernst, als ob man sie daramb strafen sollt. Das macht menigen biderman entsetzt, das nyemands den gewaltigen solicher ding uichtz anpringen oder sagen dorft. £s hett auch Erasmas von'Mnßloe, burgermaister, das an- zaigen Peters von Premen etlicher mass erstlich nit anncmen wollen, war doch nachmals zu Petern von Premen komen, hett ime ange- zaigt, wie er solidis den herren im rat fnrgehalten hett und son- derlich denen von band werken, die betten dargegeu angc^algt^ sie horten oder wisten nichtzit von der gemaind solicher uffrnr halben« ward aber daneben von etlichen des rats gcrcdt, das sölich oder dergleichen Warnung in rat nit komen oder gepracht worden were, aber der alt bm*germaister Hanns Jagsthaimcr solle sölichs dem bargermaister Erasmusen von MaGloe nit haben wollen raten, da- mit were es underbliben, biß doch der bock zuletzst zu weyt in garten kam, und die affrur uberwelzig ward, da must maniger bider- man ain ding tun, darvor im snnst gegrawset und des darvor nit hett dorfen gedenken.
Wider die obgemelten nffrurcn tet sich der schwebisch bund
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merklich za ross and faß in rustnng schicken, zugen damit wider die versamelten und rottierten hawi*schaften und derselben hawfen, die an vil orten lagen, gewannen inen etwanvil schlacliten an, in denen ain merkliche summa pawrn erschlagen, ir vil mit dem schwert gericht und vil sunst gestraft, etwanvil dörfer und weyler geplün- dert und ausgeprennt und anderer grausamer straf gegen inen ge- handelt worden, wie dann hernach weyter beschriben wurd.
Under oder zwuschen den obgemelten lutterischen predigen, lern und uffrurn stund noch ainer zu Wittenburg uff, doctor Andieas Bodenstain, von Carelstat genannt. Der prediget wider das hailig sacrament des leybs und bluts Christi und wider die bilder der hailigen auch ganz uffrurischer weys, also das das gemain volk da- von empörig und bewegig ward. Derselbig doctor Kareistat trib ainen pfarer zu Orlmund durch beystand des gemainen manns mit gewalt aus, erobert die pfarr, hett weyb und kynd, als dann der zeyt vil priester weyber namen. Alda praucht sich Carolstadius des pfarrlichen ambts als ain bischof und tet durch sein predig und 1er, die er wider das sacrament und die bilder tet, zu Orlamund, zu Allstatt ^ und an andern enden derselben landsart das gemain volk zu ainer solichen empörung bewegen, das sie die bilder aus den kirchen sturmbten, zerprachen, verprennten und verwüsten. [12] Umb soliches kamen doctor Martinus Lutter und der Carelstatt des sacraments des leybs und bluts Christi in bedertail gestalten zu nenien und der bilder halb in so heftig Schriften und widerschriften gegen ainander, das sie etliche bucher derselben irer opinion und may- nung wider ainander in truck öffentlich ausgeen Hessen. Aber her- zog Fridrich von Sachsen, der churfurst, löblicher gedcchtnuss, der dis jar [1525] mit tot abgangen ist, under dem sich damals doctor Karelstatt, Luther und vil ander enthielten, fiel mit Ungnaden uff doctor Karelstatten, stellet nach ime, ine zu erobern, dardurch Karelstatt fluchtig und also des lands verjagt ward, und kam also doctor Karelstatt als ain fluchtiger, eintrunniger umb sein bistumb und pfarr zu Orlamund, dorft sich nyergend mer in kainem land öffentlich enthalten, zog im eilend und haimlich im land wider und für, tet sich indes heraus in das Frankenland gein Schweinfurt, Kitzingen und sonderlich hieher gein Rotenburg.
1 Zweifel verwechselt «Uo Karlstadt mit Thomas Mänser.
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Alda zu Rotenburg ward er durch doctor Johann Dewschlin, Prediger zu Rotenburg obgenannt, auch Ernfrid Kumpfen, alten burgerniaister , den pfarrer und comentnr im deutschen haws, den plinden muncb, her Hanns Schmiden, Fuchs genannt, Stephan von Menziugen und ander mer burger aihie zu Rotenburg haimiich und sonderlich etwas lang zeit in Philips Tucbscherers haws gehalten, gehawset, geherbergt, geetzt, getrenkt und undergeschlaift. In die- selben und andere, so haimiich zu ime giengen und also zum dickern mal zusamen kamen, goß und bildet er, Karelstain, sein gift, opinion und maynung und ließ auch etwanvil buchlin derselben seiner materien wider hochgemelts sacrament hie zu Rotenburg haimiich tracken und ausgeen.
So füret Ernfrid Kumpf genannten Kareistat mit ime geih Crelshaim zu dem pfarrer daselbsten, villeicht denselben seiner opinion auch zu berichten. Als aber der durchleuchtig, hochge- boren fürst, mein gnediger herr, marggraf Casimir von Branden- borg etc. erfnr, das sich Karelstatt in seiner fürstlich gnaden land underhalb dem gebierg ^ liaimlich enthalten und darinnen umb- zielien sollt, schrib sein fürstlich gnad vom gebierg herab seiner gnaden raten zu Onoltzpach ' und ändern iren amptlewten mit ernst- lichem befelhe, ine weder zu hawsen, zu herben, noch im fursten- tumb za gedulden, auch den seinen zu geschehen nicht zu gestatten, sonder ine, wa er begriffen wurd, gefängklich anzunemen und zu verwarn. Sölicher befelhschriften aine Heß seiner fürstlich gnaden castner zu Onoltzpach Claus Herbort Tiioman Zweyfein, stattschreyber von Rotenburg, als er damals in gemaiuer statt gesoheften zu Onoltz- pach was, lesen. Sobald nun der stattschreyber hieher anhaims kam, zaigt er solichs ainem rat an und darbey, wie ander fursten in Iren landen und gebieten dergleychen verbot t und befelh auch aasgeen lassen betten, und riet getrewlich, ain rat sollte solichs auch durch ain [13] offen edict verbieten und sunst auch nach ime trachten, damit er hie nie gedult wurd, schwer ungnad, straf und anderer unrat, so daraus zu erwachsen vor augeu were, zu ver- meyden, aber es ward auch veracht. Am nechsten ratstag hernach reget Ernfrid Kumpf, der alt burgermaister, im rat an, wie aim rat anzaigt worden, das die nechst umbligenden fursten in iren
1 Ficbtelgebirge. 2 Ansbach.
ß.vternkrieg i
IS
ambten und gebieten verboten haben sollten, den Karelstatt weder zu bawsen noch zu herbergen, sonder wa er bctrettcn ward, ine gefängklich anzunemen, das were nichtz und nit war etc., dar- wider der stattschreyber redet, er wiste, das es war were, dann er hett derselben befelhbriefe ainen zu Onoltzpach gesehen, in lienden gehapt und selbs gelesen, das wurd sich also erfynden. In summa der Karelstatt ward nichtz dest minder genielter massen haimlich hie enthalten, wurden sein materien hie gestellt, geschriben, getruckt und ausgetragen, deshalben aiu rat und gemaine statt bey den aus- wendigen herrschaften in ain groß geschray kamen, und entstund davon aim erbern rat und diser gemain statt Rotenburg gegen und bey dem kayserlichen regiment, auch churfursten, fursten und an- dern, die allenthalben nach ime stellten, auch in iren gepieten seine buchlin, opinion und allstettischen gaist (als man es nennet) zu predigen verpotten betten, ein merklich ungnad, nachred und ver- weysung entstund. Solhes und auch die merklich straf und be- schedigung, so daraus zu ervolgen künftig was, ward durch ain erbern rat mit ernstlichem missfall und gemut gleichwol betrachtet, ließ doctor Dewschlin, dem pfarer, dem plinden munch, Ernfrid Kumpfen, Stephan von Meuzingen und andern und sonderlich be- meltem pfarrer in beywesen herren Wolfgangs von Bibra, comenturs zu Mergethaim dewtschs ordens, seins gepietigers, der damals hie im tewtschen haws was, durch den stattschreyber ernstUch sagen, gebieten und verbieten, das sie denselben doctor Carolstatten weder haimlich oder öffentlich enthalten, essen oder trinken geben, sonder sich seiner entschlagen und ine, so er bey inen were, wegweysen sollten, inmassen sich ain rat zu inen allen versehe etc. Aber unlang darnach langet ain erbern rat an, wie doctor Karelstatt noch haimlich hie lege in der statt und enthalten wurd.
Neben dem schrib doctor Stainmez dem stattschreyber under andern des Karolstatts halben, weliche schrift der stattschreyber dem burger- maister und etlichen des rats zu verlesen behendigt, auch in abwesen Ernfrid Kumpfen durch die andern im rat verlesen ward, also lawtende:
An Thoman Zweyfel, stattschreyber zu Rotenburg.
Mein willig, freuntlich dienst zuvor. Lieber herr und freund! Diesen ewern hotten hab ich bis uff hewt dinstags fruw uffgehalten,
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dann die vergangen wochen donnerstag, fre3rtag, samstag [19 — 21 Januar 1525] hofgericht meins gnedigen herren ^ ist gehalten wor- den, [14] da hab ich mich anch mit bekommeren müssen, verhoffe jnbiieus und frey zu werden, aber allererst, wann sich mein gaist vom Icyb wurd schaiden. Mein gnediger herr von Wurzburg hat drey furtreffeuliche, gelerte theologos und prcdiger angenomen, die er hoch und erlich besoldet, den Lutherischen zu begegen und auf- merken zu haben, wie das ewangelium gepredigt werd etc. Ich wollt gern das ende diser zwayung erleben. Doctor Karolstat speyt erst gift aus, ist fnrwar erschrockenlich zu lesen und zu hörn, den halt ich für ein erzbuben und erzketzer, sein ding hat mir nye gefallen, hab auch solichs nit lesen mögen, imo wer nutzer, das er nye geborn were worden. So hab ich gehört, er sey wider zu Rotenburg und halt ine her Ernfrid Kumpf. Das hab ich Kumpfs halben von ainer dapfeni person mit beschwerden vernomen und besoi^ aus vilen Ursachen, wann es also were und [er] zu Roten- burg enthalten wurde, es möcht aim erbern rat nicht clainer nach- tail daraus entsteen, were mein gedunkcn und maynung, ine fugk- lichen hinweg zu weysen und sein zu entewsseini. Das hab ich euch vertrawlicher maynung nit wollen verhalten , wiewol ich dannocbt sölichem nit glauben geben habe, das er sich der enden ent- halt etc. Vil seliger zeyt hiemit euch, ewer hawsfraw und kyndeu ! Datum uff dinstag nach Sebastiani [24 Januar] anno etc. 25.
« Kucharius Stainmetz, doctor.
Des alles trug ein erber rat abermals grossen schrecken, miss- fallen und beschwernuss, entschlussen sich demnach uff sölichs, auch anmanen des stattschreybers und ander mermals anlangens ains ernstlichen cdicts und verbotts, das sie in Schriften am rathaws öffentlich anschlagen Hessen, welichs von werten zu werten lawtet, wie hernach folgt:
Edictum contra Carlstadium.
Zu wissen, das ain erbern rat diser statt hie zu Rotenburg warhaftig anlanget, wie doctor Andreas Bodenstain von Karlstat etlicb irrig, ketzerisch und verfurisch ler, Schriften und bucher, den
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1 Des bischofs von Wiirzburg.
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leyb und das bltit Cliristi Jhcsu, uuscrs scligmacbers, und ander mer artickel, unsern hailigen, christlichen glauben belangend, aus- geen laß. Nun wiewol die nechsten umb uns gelegen und ander mer des hailigen römischen reichs churfursten, fursten, herrschaften und reychsstette in ireu landen, stetten und gebieten allenthalben den iren ernstlich verbotteu haben, söliche irrige, ketzerische und vcrfurischen Schriften, buchern und lern nicht fail zu haben, zu kaiivfen oder zu predigen, darzu auch denselben doctor Karlstatt ^eder zu hawsen, zu hofen, zu etzcn, trenken, underzuschlaifen [15], zu halten oder zu gedulden, und derhalben ain erber rat etlichen den iren, gaistlich und weltlichen, hievor auch gcpieten und sagen lassen, doctor Karlstatten weder zu hawsen, zu herbergen, etzen, trenken, underzuschlaifen oder zu halten, so langt doch ain erbern rat glauplich an, das etlich Ire burger und inwoner denselben doctor Karlstatt nochmals haimlicli uuderschlaifen, hawsen, herbergen, etzen, trenken und furschieben, ime auch zu seiner irrigen, ketzerischen 1er hulf, rat und beystand tun, alles nit allain aim erbern rat alhie als iren nechsten ordentlichen oberherren wider ir pflicht und ver- wandtnuß, sonder auch kayserliclier maycstitt, unserm allergncdig- sten herren, auch churfursten, fursten, herrschaften und stetten des reichs zu ungehorsamer Verachtung und schmach, darvon dan aim erbern rat und gemainer statt Rotenburg, auch andern den iren nit claine nachred und versagung entsteet, daraus merklicher unrat, straf und nachtails zu besorgen und zu erwarten ist, darunib ain erber rat allen ireu burgern, undertanen und verwandten, gaist- lichen und weltlichen, hiemit nochmals öffentlich bey iren aiden, pflichten und verwandtnussen ernstlich tuet gebieten und verpieten, den genannten doctor Karlstatten weder zu hawsen, zu herbergen, underzuschlaifen, zu etzen, trenken oder furzuschieben , auch seine bucher, Schriften und lern weder fail zu haben, zu verkawfen oder zu kawfen , noch sunst auszutailen , dero auch an offen canzeln weder zu predigen oder zu verkünden, hainilich oder offontlicli , in kain weys noch weg, als lieb aincm yedcn sey kayserlicher niaye- stät und des reichs, auch ains erbern rats schwere ungnad und straf, die gegen aim yeden uberfarer gestatt werden und geschehen soll. Damit wiß sich menigklich zu richten und vor schaden zu bewaren ! Actum in consilio freytags nach Gonversionis Pauli [27 Januar] anno etc. 25.
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Soljch vorgemelt cdict bieiig nit ser lang an aincr tafel am rathaws, da ward sie gcstolen und weggetragen.
Langet auch nin erbern rat weyter an, wie unangcselicn so- lichs cdicts und Verbots doctor Karlstat durch etlidi burger und besonder durch den alten burgermaister Ernfrid Kumpfen nichtz dest minder noch haimlich undergeschlaift und alhie enthalten wurde, darumb ain erber rat genannten P>nfrid Kumpfen in versamelteu rat ernstlich zu red hielten. Aber gemelter Ernfrid Kumpf ver- antwurt sich und beaydigt sich selbs, das er seydher des edicts and ains rats verbott den Karlstatt weder gesehen, noch gehalten, noch inie ainiche underschlaif gegeben hett, were auch nit hie und ime nit wissend, wa er were, hett darfur, das er zu Straßburg were, alda er auch zu schaffen hette etc. Dabcy ließ es ain erber rat bcleyben und besteen zu disem mal.
[16] Neben dem understund Ernfrid Kumpf den pfarrcr an- zuligen und mit ime zu practiciren, darzu auch der pfarrer selbs genaigt war, das man die engelmeß und andere ambt zu halten abgeen lassen sollt, als dann zum tail beschach. Als aber gemelter Ernfi'id Kumpf darvor mit dem alten burgermaister Cunrad Eber- harten als seinem mitpfleger zu sant Jacob (als derselb Cunrat Vlberbart hernach anzaiget) red davon gehabt hett, sollt ime Cunrat Eberhart mit antwurt begegnet sein, wie solichs wider ain rat und die gemaind were und nicht zu erleyden stund, aber ime Ernfrid Kumpf daruff wider antwnil geben haben, wa er. Eberhart, ain ia der gemaind, da hett er, Kumpf, allwegen zweu in der gemaind.
Wie doctor Johann Dewschlin an ain rat allhie sup- plicirt wider den fiscal zu Wurzburg.
Gnad und find von gott, unserm vater, durch Christum Jbe- suni. Erber, vest und weys, lieb herren und bruder in Christo! Aim erber rat ist kund aus dem gehaiß gottes zuvor, darnach aus ains erbern rats befelhe, das ich schuldig bin, das dar, lawter wort gottes zu verkundigen, welichs ich dann aus verlihner gnad gottes bißher getan hab, vil anstöß etwan nach evangelyscher art, weliche mit dem krewz umbgeet, wie dann kundpar ist, erlitten vom alten pfarrer und etlichen der monchen. Nun aber, so aus gnaden got- tes wir mit andern reclitverstendigen , erleuchten yorgeern, auch
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liebliabcr des wort gottes begnadet sein worden, hat sich der tewfel erregt und bemuhet, uns in alter geföngknuß zu behalten mensch- licher tradition, also das unser pfarrer vom fiscal ersucht ist wor- den, wiederumb uffzurichteu erdichte, menschliche Ordnung ausser- halb und wider dem wort gottes. Aber der pfarrer als ain reclit- geschaffner diener Christi hat mer gott, dann dem lugcnhaftigen menschen wollen gehorchen und also abgetane menschliche fund nit widerumb wollen uifrichten, biß auch entlich dahin erwachsen ist, das er on alle geschrift und christliche Ordnung vom fiscal oder aber andern in pann getan ist worden, welicher aus christenlichcr freyhait desselbigen wenig geacht hat, hat aber doch seine oberkait angesucht, wcliche auch ine des orts haben erredt. Aus welichem dann villeicht der fiscal dester eor verursacht worden ist, mich auch sölicher massen anzusuchen, und also in ainer citation anzaigt, wie das ich im furtragen sey worden mit etlichen gepredigten artickelu, sam unchristlich , doch nach seiner maynung, welichs ansuchen ich daim nit verachten wollte, sonder daruff geschriben, in maß und ge- stalt, wie ir [17] in dieser eingelegten copey ei-finden werden. Uff solich mein erpieten hat er wider christliche Ordnung ain excom- munication an lassen schlagen über mich, welicher ich mich dann vor gott frey waiß. Damit ich aber dannocht nit erfunden wurd als ain venlchter und dann ewsserliche, angefangne tyranney sich wcyter einreysscn möcht, bin ich verursacht worden, ain erbern rat als meine herren umb rat, hilf und beystand anzusuchen, wes mir zu tun sey. Tut nach dem befelh Pauli, welicher die Corinther ermanet, als wir haben 1 Cor. 16, sprechent: „So Timotheus koinpt zu euch, 80 sehent zu, das er on forcht bey euch sey, wann er treybt auch das werk des herren, wie ich etc." „Wa ir auch blcybcn werdt", spricht Christus (Joannis 8), „an meiner red, so seint ir meine rechte jungem und werden die warheit erkennen, und die warhait wurd euch frey machen". Seytemal und nun, als ich dann verhoff, ainer christlichen comun hie das lawter wort gottes on menschlichen hefel zuvor aus seinem selbs befelhe, nachfolgends auch aim erbern rat durch mich verkündigt worden ist, versihe ich mich genzlichen, das auch ein erber rat ains solichen christlichen gemuts werde sein, mich nach der ler Pauli von ewsserlicher tyranney er- retten, nit furnemlich umb meinetwillen, sonder damit das gottes wort auch ander« stetten und flecken nicht benomen mOcht werden,
wa der arglistig den sig bcy nus erobern wurde. Cristus hat mich berait und zuvor im gewissen frey gemacht ton sölichem toben und blitzen, also das ich wenig achte des entchrists boldern, und bin ewsserlich auch berait, fuß zu halten hie vor aim erbern rat und ganzer christlicher commun, die mich dann gehört haben , uinb aller gepredigten artickel willen, wie ich mich dann auch vormals gnug- sam gegen dem fiscal erpotten hab. Will hiemit gebetten iiaben, ain erber rat woU soliche kurz begriffene supplication pesser ver- steen, wann ich sie gescheft halb auf dis mal gestellt hab, mir darauff geben ain tröstlichen, christlichen beschaid. Wamit ich wi- derumb aim erbern rat was liebs tun mag, will ichs geflissen sein.
Geben am montag nach Reminiscere [13 März] im 25 jar.
Jobann Dewschlin, prediger zu Kotenburg, ewer weysheit diencr.
Copey der schrift an den fiscal.
Gnad und frid von gott dem vatter und erkautnuG unsers her- ren Jhesn Christi wünsch ich dir, lieber bruder Casi>er, mitsampt deinen mithelfern. In vergangnen tagen ist zu mir komen ain gut bruder, angezaigt ain zettel, daruff grob gestanden ist: „Universis rectorlbos etc.'' Hab alspald daruff geantwnrt, ich nem in nit an: „Sihe du, er gehört mir nit zu!^' Hab daruff auch kain ansagung empfangen, doch soll er ine, als ich von etlichen vernomen hab, mitsampt [18j ainem andern briefe an die kirchtur geschlagen [haben. Hab] nit wcytern beschied könden cmpfahen, dann mein nam soll in dem clainen zettel gestanden sein und am end des briefs „Casper fiscal''. Hab ich dir im pestcn mein antwurt nit wollen verhalten, wiewol meiner gescheft und predig sovil sein, das ichs schwerlich liab mögen tun.
Und zum ersten sag [ich], gott sey lob, das das wort Christi so lawtpar worden ist, und die orn der von Wurzburg so dünn worden sein, das sie auch söliche stymm gehört haben, ob sie in schon und andern wider ist. Bin ich ir prediger nit, noch von inen besoldet, die weit mag die warheit nit leyden, wann sie ist voller logen, irem vatter nach geartet etc. Hab mich darab ver- wundert, das ir von Wurzburg, die ir nochmals mer achtet das wort der menschen, dann das wort gottes, das da ewig bleybt, so dasjenig zo boden muß ^een, auch uQchmal9 mit solicber gottloser
art umbgcet. llett vcniiaint, ir wcret nun so wol erfani im cvau- gelio (auch aniptz halb), das ir kaincn bruder sölichcr gcstalt nier ansuchet, sondern mit anderer christlicher weys (soverr irtunib ge- wißlich erfunden wurde) nach dem wort Christi Jhesu. Auch, wa ich schon ordenlich nach ewerm menschlichen brauch (das dann nit geschehen ist, noch [ich] darfur acht) citirt wer worden, stet es nit in meiner gewalt uff zu sein, so und wann es euch gelüstet, wann ich handel aus gnaden, das mir Christus befolhen hat, nun furan nit andere, dann sein selbst wort mit lesen und predigen, hab auch dise vergangne woch überaus und alle tag müssen pre- digen, in diser wochcn 4 tag, sunst in der wochen zwen tag. So ist dir aus der geschrift kund, das man dem befelli gottes mer gc- harsam muß sein, dann des selbs sundigen bruders, welidier mich seine scheflin und erbkynder haist waiden und nit verlassen. So bin ich auch mein selbs nit mechtig des leybs und christlicher ge- main halben, weliche durst und hunger hat nach dem wort gottes, mit nichten gestatten wurd mein abwesen, weliche du berait finden wurst, zeugnuß meiner predig zu geben. Der gottlos hawf, der sich dann an vilen orten hewflet. von welichem auch söliche falsche beschuldigung kompt , mücht mein abwesen villeicht gern gedulden etc. des leybs halb. Dann der herr nach seinem wolgefallen hat mir über sein wort auch befolhen, zu arbaiten im stainbruch mit steter, unge\\isser zeyt, seyt er angehaben zu prechen , [und zu] warten, das ich schier weder ligen, steen oder aber, wie maus nen- nen soll, kan oder vermag, aber dem herren gefeilt es, sein nam sei gebenedeyt!
Damit aber die warhait an tag komme, und die vermainten Christen mit irer verraterey, munch und pfaff mit etlichen gottlosen entdeckt wurden, ist mein diemutige und bruderliche bitt, wollest mir schriftlichen anzaigen, ob dir was unchristlichs von mir furge- tragen wero. Als dann will ich sölichs schriftlich vcrantwurten, daraus man dann erlernen mag, ob ich aus christlichem gemuet oder aber flaischlich beschuldigt sey, recht oder unchristUch gepredigt hab. Wa aber dises dir nit gefeilt, und dir sovil an der sei der schafiin allain gelegen ist, und [du] allain die glori und er gottes suchen willt, so ziehe mitsampt deinen gelartem rawfcr zu sölicher befolhner gemain und frag die, die mich gehört haben. Als[19]- 4ann will ich mit fraidigkait aas gnaden gottes rechnung auch
roondlich geben meiner 1er. Man kan auch christliclier gemain nit wol baß helfen und zu erkantnuß der warhait pringen, dann durch Sülich öffentlich verhörung, welichs ich mich gegen ir er- litten hab. Für der gottlosen afterret kan ich nit, laß mich be- noegen , das ich das wort gottes hab und unbeschuldigt [bin] von meiner christlichen conimun , darbey ich predig und lis , welichcr ich mich allzeyt underwurf mit pesserer, ' schriftlicher, evangelyscher straf (wa sie mag) erweysung. Sollt ich allen reden so leychtlich glauben geben, auch alle winkel ausfegen, da§ wort gottes hat mich lange zoyt erregt» wider euch zu handien, dann aus christenlicher gemain und gewalt hab ich gleych den befelh von gott über dich, als du über mich, aus welichcr christlicher gemain du dich mit- sampt den deinen, als ich mich versihe, nit entschieden wurdst. Will dich derhalb gebetten haben, das du nit bald sölichen bc- schornen, falschen knaben, die nicht achten, wa sie ain wirs erregen mögen, was sie auch für schein von oberkaiten furgeben , glauben wollest. Ich acht es genzlich darfnr aus pruefung des gaistes, den ich bey ainer christlichen comniun erfunden hab, wa etwas unchrist- lichs alhie furgenomen wurd, es were vom pfarrer, unterm recht- geschaffnen, christlichen bruder, prediger oder bruder munch (nun im gaist gesehend), sie wurdens on sonderliche furpringung ainer gauzen commun nit underwegen gelassen. Ich wollt, das ir mit geschrift brufen sollt den gaist und gab desselbigen aus etlichen der christlichen gemain (das sein all rechtgläubigen). Bistu aber ja so durstig nach der gerechtigkait , lieber bruder, und so gierig nach christlichem handel, so handel am tag und am liecht, schreyb herauf an ain erbern rat und ganze chnstliche commun zu Roten- burg, davon ich auch mein besoldung hab, wie das ich in etlichen artidceln beschuldigt sey, und schreyb sie an, glaub genzlich, sie werden recht, nit aus gunst kainer pnrteyen Wtailen oder sagen. Sölichs will ich mich auch zu ainem Überfluß gegen dir und den deinen erpotten hab aus christlichem gemut, versihe mich auch, du werdest mein schreyben im pesten annemen. Wa du aber ausser- halb dis erpietens, als ich mich dan genzlich nit zu dir versihe, was gegen mir handien warst , wurstu mir ursach geben , dich als ein unweyslichen bruder gegen der gemaind anzuzaigen. Es wurd der not nit dörfen etc.
Johann Tewschlin, prediger rotenburgensis. .
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Notal
Oben in doctor Dcwscblins supplication , an ain rat gestellt, tut der doctor nieldung, wie der pfarrer von dem tiscal in pan ge- tan worden, des er nit geacht, hab aber doch seine oberkait ange- sucht, weliclie auch in des orts haben erredt etc. Das ist also ge- schehen und zugangen, das uif ansuchen und bericht des pfarrers an seine obern [20], des berurten pans halben beschehen, der tewschs maister, her JDietcrich von Oleen, hat her Wolfgangcn von Bibra, comentur zu Mergethaim, und Gregori Spiessen, secretarien, zu bischof Cunraten gein Wurzburg geschickt und bey sein fürstlich gnad sovil anpringen und handeln lassen, das gemelter bischof den pfarrer zu Rotenburg wider aus dem pann tun und absolvircn, auch furtaushin sein lutterisch und carlstattisch materien unverhin- dert zu Rotenburg predigen lassen hat mer, dann vor etc.
Wes etlich mönch zu den Barfussen alhie an ain rat
suppli cirt haben.
Erber/i, vesten, crsamen, fursichtigen, weysen, gunstigen, lieben hcrren in Christo , unserm lieben herren ! Wir arm bruder, hic- unden benannt, pringen ewer erberkait und gunsten unser hoch merklich beschwerden, anligen, die der seien hail und gewissen an- treffen etc. ganz underteniger maynung nachfolgender maß zu er- kennen, bitten demnach ewer erber weyshait, die wollen dise sach gutwillig hörn, lesen, vernemen und zu herzen fassen.
Und erstlich, dieweyl in den orden nichtz änderst gesucht wurd, dann ein sonderliche, aigne weys zu lern und zu leben und gott, wie man vermaint, zu dienen, muß aintweder solicher gottsdienst und sonderlicher foi*m zu lern und zu leben uff das wort gottes gegi-undt wem, würd ain yegklicher crist, mann oder weih, jung oder alt , weltlich oder gaistlich , bey seiner sei seligkait schuldig, in ain muncbischen orden zu geen, dann ain yegklicher crist schul- dig ist, dem wort gottes nachznkomen und kainem andern wort (Johannis 10, Mathei 17). Christus hat ain ainichen orden uffge- ricbt, allen Christen geniaiu , in soll man hörn, und seine scheflin hörn seine stimm allain. Darumb was awsserhalb desselben worts aufgericht wurd für ain orden, das ist ain zusatz zu dem wort gottes, vou gott verboten (Deuteronomion 12), wie Christus selbs
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lert (Matliei 24): „Wenn sie \Yerden sagen: „Hie ist Christus oder dort", glanpt es nit»'; (1 Corinth. 8) „Seytemal eyfer und zank und zwitraclit nnder euch seint, seyt ir dann nit flaischlich und wandelt nach menschlicher weys'', dann so aincr sagt: „Ich bin pau- lisch", der ander aber: „Ich bin apollisch", seint ir denn nit flaischlich ?" Paulus haist es eyfer und zank, wa ainep sich paulisch oder apollisch nennet, vil mer wann man sich francistis, dominiti- stis, dewtschherrisch oder johannitiscb nennt? Solich manir ausser- halb des göttlichen worts, sagt Christus, wnrd nit bestehen; Ma- thci 15: „Ain yegkliche pflanzung, die nit von gott, meinem him- liscben vatter, gepflanzt ist, wurd ausgerewt". Derhalb kain ander regel, dann das evangehum on Verpflichtung und ayde soll ange- nomen iverden , dann ain vei'pundnuß mit gott geschieht in dem tawf, nach seinem wort zu leben und nach [21] kainer menschlichen uffsatzung. Dieweil aber menschen regel, Ordnung und Satzung dem wort gottes zuwider ist, wie kan man sich darzu verpflichten, oder wann man sich darzu verpflicht hat, wie mag man es halten?
Es werden drey wisenlichc stuck von Ordenspersonen gelobt: geharsam, annut und kewschait. Wann dise drcw stuck nit ain yegklicher Christ zu halten schuldig were, so möcht man wol mai- nen, die orden wern göttlich, so aber ain yegklicher gläubiger de- nen dreyen stucken nadizukomen schuldig ist, warzu soll dann son- derliche mOncherey? Christus hat uns oft und vil vor in ge- warnt etc.
Nun der geharsam halben hat es die gestalt. Geharsanikait ist nichtz anders,- dann dem göttlichen wort glauben und nach- komen, nichtz darvon oder darzu tun, sonder dem stracks glauben und nachkomen; Exodi 15. „Wann du wurst hörn gotcs stymm, deines herren, und seinen gebotten geharsam sein etc." Von der geharsam sagt auch Samuel 1 Regum 15: „Es ist pesser geharsam dem wort und befelh gottes, dann opfer, aigne werk" gott zu lob awsserbalben seins Wortes, wie in den orden uffgericht ist, wie biß- ber. Aus sölicher geharsam fleußt dann, das ain kynd seinem vater, ain knecht seinem herren, ain undertan seiner weltlichen oberkait, wa sie nit wider das woi*t gottes gebieten, geharsam zu laisten schuldig ist, wie auch Mathei 21, ad Romanos 13, 1 Petri 2. Ausserbalb der geharsame waiG die schrift kain andere, dann wie obsteet
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Verrer was aimut sey in dem cvaugelio. Warbaftig arinut Bteet nit in nichtz haben oder besitzen, sonder an kain zeytlicli gnt oder andere creatur mit dem herzen angeheft sein, und das ist die christlich armut, nit die weltlich, weliche wol in nichtz haben ewsserlich besteet, von der redt Christus Mathei 5 : „Selig sein die armen des gtists, die mit dem herzen an kainer creatur hangen oder daran trost und hilf suchen, dann solicher ist das reich der himmcl^'; Mathei 19: „Wiltu volkomen sein, gang hin, verkawf, was du hast, und gibs den armen^S an welichcm ort Christus lert, wie man die gebott gottes halten mag nit änderst, dann wann man arm am gaist ist, als wollt er zu dem jungling, der sich ausgab, als het er die gebott gottes gehalten, sprechent, man kan die ge- bott gottes nit recht nach irer erfordrung halten, man sey dann ledig von allem zeitlichen gut oder andern creaturen, ist nicht die maynung, das zeytlich gut gar von sich zu werfen leyblich, sonder wa gott beschert das gut, das mans auch nach dem willen gotes geprauch, nemlich in ainem verkauf steen gegen den armen und sich an das gut nit heften, wie geschribeu ist im ()1 psalm: „Wenn die reiehtumb überflüssig sein, so stell dein herz nit darauf^ Also ist Abraham arm gewesen und die andern Väter, wiewol sie ser Teich warn, prauchten aber solichen reiehtumb in grosser armut. Redet auch Paulus 1 Cor. 7: „Die zeyt ist kurz, die da weyber haben, das sie sein, als betten sie kaine, und die da wainen, als wainten sie nit, und sich frayen, als frewten sie sich nit, und die da kawfen, als behielten sie es nit, und diser weit prauchen, als prauchten sie ir nit". Das ist die warbaftig, evangelysch armut, zu welcher alle Christen und nit sonderliche personen bey ir sei .seligkait zu halten schuldig sind.
[22] Was aber die recht kewschait sey, vermerkt hie. Die christlich kewschait ist nit sich ganz von mann oder weyb zu ent- halten, sonder ains rainen herzen sein, und wurd castitas oder kewschait ainem yegklichcn glaubigen gebotten, auch in dem elichen stand; 1 Thessal. 4: „Ir wisst, weliche gebot mir euch gegeben haben durch den herren Jhesum, wann das ist der will gottes ewer hailignng, das ain yegklicher wiß, sein vaß zu behalten in haili- gung und ern, nicht ewern lust sucht, wie die haiden*^; 1 Timoth. 2: „Das weyb wurd selig durch kynder gebern, so sie bleybt im glau- ben und in der liebe und in der hailigung sampt der zucht oder
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kewschait"; ad Hebreos 13 „Die camer soll unbefleckt sein*'. Ausser diser kevrschait ist ain aigae, erdachte kewschait, uenilich sich nit verheyraten, got geb, das herz sey kewsch oder unkeusch. In sö- licher kewschait mag sich nyemand verloben, sonder man muß von got gewertig sein, ob er ain mann ain mann wollt lassen bleyben nud ain weyb lassen ain weyb bleyben, denn von geschöpf der Ordnung gotes ist mann zu weyb und weyb zu mann erschaffen, aasgenomen drey personen, so erzelt werden Matliei 19: „Es sind etlich verschnitten, die sein aus muterleyb also geborn, und sein etlich verschnitten, die von menschen verschnitten sind, und sind etlich verschnitten, die sich selbs verschnitten haben umb des himel- reichs willen'^ Hie die dritt kewschait muß willige kewschait und von got gegeben sein, nit mit gluptnuß erzwungen, aus aignem fnrnemen erdacht und gelobt. Derhalben kan kain mensch von sich selbs die ewsserlich und innerlich kewschhait globen, dann sie kompt von oben herab, und wiewol sie von oben herab kompt, ist es doch unmuglich, auch unvernunftig, sich ewig darein zu globen, dann soliche kewschhait ist ain gab gottes, wie andere gaben, als weysbait, kunst, gewalt, reichtumb. Wie nun kainer mag globen, er wöU sein leben* lang weys , kunstreych und gewaltig sein , die- weyl er nit waiß, wie lang im gott soliche gab zulassen wöU, also kan kaiuer geloben, er wöU sein leben lang kewsch sein, wie mir yetzt von der kewschait reden, dann die vorige kewschait ist ainem yegklichen cristcn von nöten, er gelob sie oder nit. Hierumb ist es nit nnpiliich, das Ordenspersonen iren orden verlassen, dann ir gluptnuG aintweders ist nicht • anders , dann das gemain christlich leben, so mögen sie es eben als wol awsserhalb der closter und der claidung in dem elichen stand halten, oder aber es muß ain Zusatz sein dem gemainen christlichen leben wider das wort gottes, welichs gebewt, eelich zu sein (Genesis 2, Matthei 19, 1 Cor. 7). Soliche yetz vermelte göttliche geschrift weyst den willen gottes stra<;Ks zu tan und zu volgen und alle orden, closter, menschliche fand und nffsetz zu verlassen.
Zum andern der priesterschaft halben spricht der prophet Da- vid (109 psalm) von Christo: „Der herr hat geschworn, und es hat in nit gerewet, du bist ain priester in ewigkait nach der Ord- nung MelchisedecIl*^ Diser Melchisedech, als wir lesen Genesis 14, hat wein und brod geschenkt den kriegslewten , und als ain hoher
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priester hat er geopfert für die sund seines volks. Also haben Aaron und alle priester im alten testament, wie wir lesen im an- dern [23], dritten und vierden buch Mosys, geopfert für ire und andere menschen sund, und sölichs opfern ist nymeu on blut ge- schehen, wie mir lesen ad Hebreos 8 „Diser priester aller ist Christus der höclist priester, weyt übertreffend die Ordnung Mel- chisedechs; (ad Hebreos 7) der hat seinen kriegslewteU; die er am end seines tods geliebt hat (Johannis am 13) brot und wein geben (Mathei 26, Luca 22, Marci 14) als denen, die da alle zeyt kempfen und streyten im flaisch wider die sund, den tewfel und die weit. Das aber sölicher streyt, der alle zeyt unsers lebens beleypt, un- schedlich sey, hat er bey dem brot und wein, so er den seinen geschenkt und gegeben hat, ain gedechtnuß darbey wollen verlassen, das er der sey, der für uns gegeben wurd in die verzeyhung der sund. Und also hat Melchisedech wein und brot geschenkt und darnach gott frembde opfer für die sund des volks getan. Christus, der allerhöchst priester nach der Ordnung Melchisedechs, hat nicht geopfert frembde, sonder sein aigen, unschuldigen leyb, und den ain mal, und das wörtlciu „ainmar^ wurd oft ad Hebreos gemelt, und sant Peter in seiner epistel am dritten capitel, desgleichen auch Paulus zu den Römern am 5 aus kainer andern ursach on zweyfel, dann das Cristus nit mer geopfert wurt, wie ad Hebreos 10: „unica oblatione perfectos nos effecit in perpetuum^^ das ist: „Durch ain ainichs opfer hat er uns ewig volkomen gemacht^', und also redt Petrus darvon: „Christus ist ain mal gestorben für unsere sund". Voigt daraus, er stirbt hinfur nymer für unsere sund, dann er ist durch sein aigen blut eingangen in die hailigkait der hailigen und liat ein ewige crlösung erfunden; ad Hebreos 9: „In disem hohen priester haben uffgehört alle priesterschaft'' ; er ist wie gesagt ist, der hoch priester und das opfer selbs in ewigkait.
Aus solichem allem ist dar, das priesterschaft, wie bißher, und auch die mess (welichs verdolmetst ain opfer haist) vor gott nichtz gilt. Was aber Christus, der war priester und unser selig- macher, zu tun befohlen hat, findt man Luce am 24. Daselbst stet: „Christus must leyden, auf das in seinem namen gepredigt wurd büß und verzeyhung der sund allem volk''. Dise ding zu predigen in seinem namen hat er befolhen Mathei 28 : „Gehet hin, lernt das volk, was ich euch sag, und tawft sie im namen des
vatters, sons und hailigen gaists'^ Hier im Luca ist clar, waruinb Christus gelitten l)at und gestorben ist, in Mathe, was das ampt der apostel ist, nit messen oder opfern, sonder lernen, was sie von Christo gehört haben und nicht von den menschen, das ist predigen und tawfen ; predigen ist das evaugelium verkünden allen creaturen, (Marci ultimo) die frölich Bottschaft von Christo, wer das glaubt, der werd getauft im namen des vaters, sons und haiigen gaist^. Daraus abermalen erkennt mag werden, das nit mer prie- ster sollen sein, allain apostel, das sind mundbotten, die den Ite- felh gottes durch sein wort muntlichen und [24] öffentlich predigen sollen, und söliche apostel sollen erweit werden von der christlichen gemain, wie Christus seine jungern auch erwelet (Luce' 6) und derer ist das Joannis am 15 „Ir habt mich nit erweit, sonder ich hab encb erweit, auf das ir hingeend und pringent frucht mit mei- nem wort". Was man aber für person erwelu soll, weyst uns Pe- trus (1 Petri 5): alte gaistliche gottsförchtige menner, die selbst- willig, onbenötigt, auch nit umb des schentlichen lonsuchts willen, die ancb nit herrscher über die hert gottes sind, sonder furbild mit guten exempeln etc. Also besteet abermals, das nyemand ain sonderlicher priester genant soll werden, dann alle Christen sind Priester, wie Petrus sagt (1 Petri 2) : „Ir seyt das auserwelt volk, das konigklich priestertumb , ain hailig volk, ain volk des aigen- tnmbs, uff das ir verkündet sein macht des, der euch berufen hat zu einem wunderparlichen liecht."
Zum dritten antreffend die fawlen und mussigen tag, welichs die verlorn zeyt, aus den dann vil ubels entstanden, wie geschriben steet Ecclesiastica am 33: „Das mussiggeen hat vil ubels gelert", daramb der weis mann in Proverbiis am 12 sagt: „Es ist die gröst torbait anhangen dem mussiggeen"; Proverborum am 28 sagt er: „Wer anhanget dem massig geen, der wurd erfüllt mit lästern". Darumb weret er am 32 capitel, das nyemand das brot soll essen mit mussig geen. Der proplict Ezechiel am Iß klagt, was verur- sacht hab die ubcl und laster Sodoma und Gomorra: die gnugsam- kait des brots und mussig geen. Darumb der herr im evangelio Mathei 20 zu denen, die an dem markt stunden, sagt : „Was steend ir mussig hie, geet hin in meinen Weingarten, und was recht ist, will ich euch geben". Summa summarum: mussig geen ist ain groß laster, von gott verbotten. Arbaiten ist aber von gott ge-
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botten yederniann am ersten buch der gescböpf am 3 capitel; Job am 20 bekennt und sagt: „Du bast deinem volk zu arbaiteu ge- lassen"; 120 psalm: „Das brot, das du issest, soll die arbait dei- ner bend sein, selig bistu und wol wurd dir sein"; item ad Eplie- sios 4: „Was arbaiten mag, soll arbaiten und den dürftigen, als kranken, alten, die nit arbaiten mögen, mittailen, also das kain bcttler bey uns erfunden werd" (Deuteronomion 15). So schilt auch Paulus, die also unordenlicb \Nandeln, 2 Thessal. 3: „Mir börn, das etlich nnder eucb unordenlicb wandeln und arbaiten nicht, sonder treyben furwitz mit form und weys zu leben, solieben aber gebieten mir und ermanen sie durch Jbesum Christum, nnsern her- ren, das sie mit stillem wesen arbaiten und ir aigen brot essen'', und verrer sagt er 2 Thessal. 3: „Wer nit will arbaiten, der soll auch nit essen, wie sich die gaben des gaists in ainem yegklithen crzaigen zu dem gemainen nutz"; 1 Coriuth. 12. „Also soll ainer dem andern zu nutz leben mit arbaiten". Also hat Paulus gear- bait, wie man list Actorum 17, 20, und er selbs auch sagt (1 Co- rinth. 4): „Damit icii nye[25]mand beschwerlich sey, hau ich mit hendcn gearbait, dann nyemand dem andern beschwerlich soll lebeus sonder ainer dem andern sein bürden helfen tragen" (ad Galatas 6). Aus disen oberzelten, gegrnndten und bewerten spruchen der hailigen schrift, gunstigen, lieben berren, werden mir aus erinnerung und ermanung des gaists gottes, von dem wir teglich darzu ge- triben und beruft, zum höchsten verursacht, nit ainer, nit zwen, sonder mer unsern angefangen orden, dieweyl er, wie gnugsamlich gegrundt und angezaigt, an der sei vcrfurisch und verdamblicb, denselben zu verlassen und lenger darinnen nit zu verharren, wie dann der weys Ecclesiasta an dem 5 underricht: „Sawm dich nit In der bekerung zu gott, ziegs nit auf von tag zu tag!" Auch Christus im evangelio Matbei 8 sprach zu dem junger: „Laß die todten ire todten begraben, volg du mir nach !" Bey Christo findet man die wort des lebens (Joannis G), in soll man hörn (Matbei 17), seine wort sein wort des gaists und des lebens , wie oben in Jo- hanne stat. Aber bißher haben wir mit andern den gaist Christi und das wort des lebens nit erkennt, noch gclert, sonder den wi- derchrist gehört, wie Luce am 11 steet: „Wer nit mit mir ist, der ist wider mich". Wer aber wider Christum ist, der ist offempar kunt- lich und wissentlich der mensch der sunden und das kynd der ver-
derbung, der da ist ain widcrwertiger und sich überhebt über alles, das gott oder gottesdienst haist, also das er sich setzt in den tem- pel gottes als a!n gott und gibt sich für, er sei gott (2 Thessal. 2). Seinem gebaiß nach und unserer vetter regel und statuta als sei- nen gliden haben wir geharsam getan aus anraitzung irer 1er aus- wendigs Scheins, auch aus anraitzung unserer eitern und freunden, damit sie nur auch pnester betten in irem geschlecht, unangesehen gott oder unser seien hail, derhalben wie ain blinder den andern fürt, sein wir nachgestolpert und unser zeyt mit frembden werken vertriben in der lernung für band werk mussig goen, für arbait faulbait. Yetzund müssen wir und wollen mit der hilf gottes ar- baiten lernen, wie uns und allen menschen von gott gebottcn und in der dritten underweysung angezaigt.
Darumb, christliche, weys, gottliebhabend, beherzend gott und ^ sein wort, besteen ernstlich darinn, wie Joannes, der tcwfer, be- rompt ist von Christo (Mathei 11). Hierumb vernembt unser die- mothig supplicirn, flehen und bitt; dann uns nit furwitz, noch mut- will oder leichtvertigkait darzu verursacht. Als war gott lebt, reden wir mit gutem gewissen, das uns die tag rewen, die mir so gott- los in Sunden dises gleißnerischen lebens also unnutzlich verzert haben, darumb mir bitten ewer ersame, fursichtige weyshait, ain ersamen rat umb ain gnedig, frey Urlaub, [26] uns zulassen nach dem wort gottes im frid handwerk zu lernen. Wir bitten auch zu soHchem lernen umb ain zimliche, erliche hilf und aussteur von dem ansern, so man wol hat und ündt bey monstranzen und kel- chcD, da man weder holz, noch höf, noch guter darf verkaufen. Auch bitten wir, wie oben, durch gott und seins wort^ willen, uns nusere eingeprachte bot und anderes gerettig mit lassen zu volgen, das wir uns genzlich, getrewlich, onabschlegig zu ewer weyshait als zu den gottliebhabenden verhoffen und vertrawen. Wir erpieten uns dargegen gott und ainem ersamen rat bey dem wort gottes in aller geharsam allzeyt willig und undertenig. In sölicher undertenig- kait erpieten wir uns zu quitiern und alles das zu tun, das sich ^a der notturft aincs erbern rats, der ircn und unserthalb erliaischt and gehurt. Bitten deshalb gunstige, unabschlegige antwurt.
Ewer erber weyshait undertenige
etliche arme christliche brudor alliie zu Rotenburg im Franciscer closter.
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Aber ain sapplication etlicher monch alhie.
Erbern, ersainen, fursichtigen, weysen, günstigen, lieben lierreu ! Nachdem ewer erberkait und gunst unser furnemen, geinuet und willen durch unser übergeben suppliehation kurz verschiner tagen vernomen, daruflf uns aber noch der zeyt nit endhch antwurt ge- fallen ist, sonder uns furgehalten, das wir unser namen, weliche alsdann die jhenigen sein, so aus dem orden begern, zu undemchten bestimmen und anzaigen sollen, als dann werd ain erber rat irs gemuts und willens mit der zeyt antwurt nicht verhalten, demnach, gunstigen, lieben herren, erscheinen wir abermals vor ewer erber- kait, hieunden benannt, schriftlich und mit unsern aigen pei*sonen als die jhenigen, die sich hievor in übergeben supplication dahin bewilligt haben, Inhalt dei*selbigen dem allen volg und statt zu tun. Bitten ewer erberkait und gunsten hiemit nochmals umb gotts willen, uns an unsern furnemen, dieweyl es unser seien hail antrifft, auch uyemands uff erden in diser weit an leyb, seien, ern oder guten verletzlich, noch beschwerlich ist, daran nicht zu verhyndern, sonder darinn gnedige begunstigung zu tun und uns mit geburlichcr, zimb- licher abfertigung dem closter oder ander, so es mit betreffen wurde, on geverlichen schaden [27] und nachtail ersprießlich zu sein, uns zu statten zu kommen, damit wir andern unsern nechsten cristen- menschen desto weniger beschwerlich sein, auch in ander weg und föllen, menigklichem hilf (damit wir auch dester pas erhalten werden mögen) bekomen und erlangen mögen. Das wollen wir mit der zeyt umb ewer gunst und erberkaiten lang leben gegen gott zu bitten nymmer vergessen und bitten unverzogen, gunstige antwurt.
Joß Nata, Johannes Bernhaimer, Symon Pfeyfer.
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[29] 1 Hernach folgt, wie sich die bewrisch uffrur umb dise stat Rotenburg, in derselben landwer und gebiet, auch dameben und mit alsbald hie in der stat nachgemelts jars angefangen, und wie oder was darnnder ergangen und gehandelt worden ist.
Anno domiui tawscnd fünfhundert und im funfundzwainzigsten jare an dinstag nach dem sonntag Oculi, der da was der dreyund- zwainzigst tag des monats Marty *, haben Symon Nusser und Wendel Ilaira, bede dorfmaister zu Orempach *, ainer gemaind daselbst in aira schein etlichs vertrunken gclts halben zusamen lassen lewten, und als sie zusamen komcn sein, hat ain gemaind bed vorgemelt bawrenmaister herein gein Rotenburg in die statt in Hanns Cunrats haws geschickt, ime etlich gelt zu pringen. Mit denen sein gangen Jorig Yckelshaimer, Hans Geyssendorfer, Lutz Dicrolf, Mathis Geyssen- dorfer, Balthazer Geyssendorfer und sunst vil ander, an der zal bey den drcissigen, sein all samentlich mit pfeyfen und trumelschlagen hie zu Rotenburg in der statt umb, auf und nider und darbey in Hanns Cunrats egemelt, auch Hannsen Kretzers, Lorenzen Knoblachs, Kilian Ettschlichs, des tuchscherers , und andern hewser aus und eingangen, haben sich daneben wider ainen erbern rat und ander erber, habhaft burgerschaft hie zu Rotenburg uffi-uriger handlungen und cmpöningen hörn und vernemen lassen, darzu sie dann von Barthel Albrechten, dem metzler, burger alhie zu Rotenburg, Jörig Weydnern von Gcbsattel, genanntem Kilian Ettschlich und andern mer burgern alhie, so in benannts Hans Cunrats haws bey den bawm warn, von und zu inen giengcn, getrost und gesterkt worden. Solichs langte an burgermaister und rat alhie, die betten dess merk- lichen mißfallen und verdrieß, verordneten Jörgen Hörnern, der zeyt Stattrichter hie zu Rotenburg, zu inen, inen zu sagen und zu ge-
1 Der rcst von blait 27 ist nnbcRchricbcn ; irrig läßt Zweifel auf ria»- selbe sofort blatt 29 folgen. 2 In Wahrheit der 21. 3 Ohrenbach.
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pieten, von solicbcni uffrurigcm practicirn, trumclschlagcn und spaciern in der statt abzusteen und sich von stunden aus der statt zu niaclicn, wie dann gemelter Stattrichter tet und inen mit ernst sagte, sich alsbald aus der statt und weg zu tun. Dem warn sie etwas mit ungeschickten und ungestuemen Worten begegnet, dermassen das sie nahend mit ainander zu schlahen komen warn, doch darufif alspahl mit pfeyfen und trumelschlagen durch die statt hinaus, trutzig und honisch weg und wider gein Orempach anhaims gangen.
Und als sie haira komen sein, da haben sie sich mitsampt den bemelten dorfmaistern und andern in der [30] gemaind zu Orembach wider zusamen getan und entschlossen, sich zu empörn, zu rottirn und uff zu sein, auch die umbligenden dorfer und weyler uffzumanen, und liaben also ir etliöh, nemlich Jos Kaisern gein Habeishain und Stainach under Entsec ^, Jorig Yckelshaimern gein Gailshofen, Wendel Stolzen gein Scheckenpach und andere mer.gein Guckelhawsen * und andere flecken geschickt, die bawrschaft darinnen vordem und uff- manen lassen, dieselben geschickten dann also aus der gemaind zu Orempach und für sich selbs in aim yeden flecken sich zu den dorfmaistern getan und inen gesagt, das ain yeder mit seiner ge- maind in hämisch und wern uff sein und Orempach zuziehen und ander auch mit inen uffmanen sollten.
Am mitwoch [22 Miirz] darnach
warn die dorfmaister und gemainden aller dorfer und weyler z wuschen der statt Rotenburg und Orempach, auch daselbst umb gelegen, uff vermelte, geschehen uffmanung mit iren hämisch und wern uff- gewest und Orempach zugezogen, daselbst in Jorig Dyerolfs haws zusamen komen. und hett inen Jörg Yckelshaimer angesagt, wie zu Brethain bey den funfzehenhundert mannen bey ainander versamclt, die auch des gemuets wern, mit inen zu ziehen. Also hotten die versamelten pawrn zu Orempach aus yedem dorf zwen zu raten erweit und also ainen rat und regiment under inen gesetzt und gemacht.
Am donnerstag [23 März] darnach
haben Synion Xussor und Jorig Yckelshaimer als zwen der ver- ordneten rete von achzehen gemaind wegen alspald liUtzen Rewtnorn
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1 riabflpcc, Steinach, Endßcc. 2 GickcUiauPcn.
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von Orenipach und Hanns Rewtnern von Gailzhofen gcin Prethain geschickt, sieb daselbst und bey den von Bretbain zu erkundigen, ob es mit ircr vcrsaniblung geniclter massen gestalt, und was sie gewillt wern, das sollten die von Bretbain inen, der vcrsamlung zu Orempach, durcb zwen, so die Versandung zu Bretbain deslialb zu inen scbicken sollten, zu erkennen geben und ansagen, dcrgleicben wollten sie, die von Orenipacb, auch tun. Als nun die verordneten 2wen der Versandung zu Orempacb gein Bretbain komen, da w^arn die von der gemaind daselbst und ander alda versamelt gewest, die betten ufF der zwayen von Orenipach gesanten anpringen alspald auch zwen, nemlicb Lienbart Metzlern, den wirt, Bayer genannt, und Hans Bebaimen, bede von Bretbain, mit den zwayen oreni- pachiscben dasclbstbin gein Orenipacb geschickt und der versameltcn bavfcrschaft zu Orempacb ansagen lassen, wie sie auch versamelt wern, und das die von Orempacb demnach uff sein und [31] gein Bretbain ziehen sollten, so wollt furter die versamelt bawrscliaft zu Bretbain mit inen ziehen.
Daneben betten die von Bretbaira Micheln Ilofman, damals da- selbst gesessen, an den Tawberrain, Hannsen Flurbaim von Bret- hain gcin Wettringen und uff die Staig ^ geschickt, die bawrscliaft allenthalben in dorfern und weylern uffzumanen und uffzufordern. SolJchs betten also Michel Kurz, Peter Wagner, Hanns Streng, Hanns Munch, Lienbart Metzler, Michel Wagner, der pawrenmaister, der new wirt Sigel Kurz und ander raer zu geschehen verordnet. Die warn auch die ersten riit, anfänger, uflfwidler und angeber der uffmr desselben orts gewest.
Als am donnerstag obvermelt solich der pawrschaft empörung und ernstlich, beschwerlich furnemen und zusammenrottirung beder ort an ain erbern rat alhie gelanget, bat ain erber rat des merk- lichen schrecken, niissfallen und beschwernuss getragen und darumb alspald etwanvil ernstlicher mandat oder gebotbriefe an alle irc dorfer und weyler ausgen lassen, sich solicber uffrurischen vcrsam- lung zu enthalten, merers inhaltz, derselben gebotsbriefe von Worten zu Worten lautende, wie hernach folgt:
Wir burgermaister und rate der statt Rotenburg ufiF der Tawber embieten allen und yeden unsern haubtlewten, schulthaißen, richtern,
1 Gegend um Ober-, Untoröstheim.
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bawruinaistern , hiiidcrsesscn und uiidertaueu, in dorfern , weylerii. höfen und sunst allenthalben gesessen oder wonlmft, wie uns statt- lich und glaublich anlangt, das ir undor euch versamlung und eni- porung zu machen understeen, das dann nlt allain >Yider ewer aid, pflicht und verwandtnuss , damit ir uns und den unsern als iren herrschaften verpflicht und verpunden seyt, sonder auch wider kayser- liche mayestat und des hailigen reichs Ordnung, landfriden ond Satzung ist, das auch kayserlicher mayestat, des hailigen reichs hohen und nidern stenden und uns nit unpillich zu merklichem miss- falleu und beschwernuss raicht, zudem das solichs auch wider gött- liche, evangelische warhait, gebott und 1er ist. Demnach gepietcn wir euch allen und yeden bey ewren aiden, pflichten und verwandt- nusscn, damit ir uns uiid den unsern verpunden seyt, auch bey straf und verlierung ern , leibs und guts , das ir euch solicher em- pörung und versamlungen enthalten, auch den andern unsern und anderer hcrrschaft ungeharsamcn undertanen, so oder wa sich die zu Brethain, Orempach oder anderer end wider ir aid, pflicht und verwandtnuss zusamen getan haben, auch über unser verbott und abforderung, iiien beschehen, [32] noch bey ainander halten oder zusamen tun, nicht zuziehen, noch inen ainich liferung, hilf oder beylegung zu solichem irem bösen, uffrurigem furnemen tun wollen in kainen weg. Des wollen wir uns geuzlich zu euch versehen, dann wa ir solich unser verbott und ewer aid, pflicht und ver- wandtnuss verachten, so werden ii* in ungnad, straf und pen kayser- licher mayestat und des reichs, auch unserer und ewrer oberkait fallen, und wir verursacht, mit solicher straf und anderm ernst gegen euch furzunemen und zu bandeln, das mir lieber vertragen wern. Darnach wist euch zu richten 1
Geben under unser statt secretinsigel am donnerstags nach Oculi [23 März] im funfzehenhundert und funfundzwaiuzigsten jaren.
Söliche gebottsbriefe warden durch bed landknecht Hansen Speltern und Ilannsen Rehgaiß behendigt und befolhen, das ain yeder die in sein refir furn und antwurten sollt. Als aber Hanns Rehgaiß in seiner rifir nit vil pawrn anhaims funden hett, sonder die den merern tail zu Orempach in der versamblung bey ainander gewest, war er den nechsten daselbsthin zu inen geritten, hett der versamblung daselbst der brief ainen behendigt. Dem warn sie mit ungestiemer und unschicklicher autwurt begegnet der mayuung,
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wann söiicbs an aiucr keibcu gcscluiitteu stund, so wisstcu sie es baß zu lesen, betten aueb der brief nit mer, dann ainen und sunst kaiiieu mer anuenien wollen oder gelesen und daruff im verrer mit ganz spitzigen und bessigen Worten begegnet, und bett er inen zusagen müssen, nit ee widerumb anbaims in die statt Rotenburg zu reyten, dann ufif morgen freytags [24 März].
Wes mein gnediger berr, marggrave Casimir zu Bran- de nburg etc. insolicbera an den rat albie werben ließ.
An obgcmeltem donnerstag [23 März] ist Antoni Graber, des durcbleucbtigen, bocbgebornen fursten und berren, berren Casimirs, inarggrafeu zu Brandenburg etc., meins gnedigen berren, secretarius, rat und diencr, mit einer credenz von sein furstlicben gnaden, desbalb an ainen erbern rat abgevertigt, vor aim erbern rat albie, damals uff der drinkstuben bey ainander, erscbinen und bat nacb uberautwurtung der ci*edenz sein Werbung getan der maynung:
Sein gnedigen berren, mai'ggrafen Casimir zu Brandenburg hett stattlicb und glauplicb angelangt, wie sieb ains erbern rats and gemainer statt Rotenburg gepawrn und undersessen merklieb rottiren und empörn sollten, des sein furstlicb gnad, wa dem also wer, alter, berkomner aynung und verstendnuss nacb [33], so seiner farstlicb gnaden vorelter und er mit gemainer statt und sie mit ime betten, nit wenig miUeyden und bescbwernuss mit aim erbern mt trugen, wer aucb sein gnad des gemuts und gnedigen erpietens, zu abstellung und nidertruckung sölicber bösen, mutwilligen und frcvenlicben empörung zu aim erbern rat mit bilf und rettung alles Vermögens zu setzen, aucb seiner gnaden rat und gutbedunken, solicbem bösen, uffrurigem furnemen bey zeyt mit ernst zu be- gegnen, zuvor und ee dann sieb die zu nocb merer und bescbwer- licber erweyterung zuge und uberband neme, dann so man dem zu laug zuseben und es uberband uemen lassen, so wurd solicbem dar- uacb gar bescbwerlicb oder gar nit wol mer zu begegnen sein, daramb wollt sein gnediger berr sieb des biemit gegen aim erbern rat angezaigt und erpotten baben, dann sein gnad aim erbern rat und gemainer statt ye mit allen gnaden genaigt wern.
Daruff hat ain erber rat dem secretari durch £rasmusen von Maßloe als damals burgermaister zu Rotenburg in versamelten rate von rats wegen die antwurt geben, erstlich seiner fürstlichen gna-
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den gnedigcn zubcliickens und crpiuteus zumal undertcnigeu dank gesagt, mit erpietung, sölichs underteuigklieli un.b sein furstlu-k gnaden zu verdienen, und daruff erzelt: Ks wer nit on, sich lictt gleych Stumpfs und onbcwust ains rats ain Versandung und em- pörung durch ire gepawrn uflf dem land an zwayen orten, als zu Orempach und Drethain erhebt, was aber ir furnemen, das wer aim rat unbewust. Aber ain rat gedechtc zu abstellung solichcr cmpörung bey den pawrn gutlich zu handeln, dermassen das sich ain rat versehe, sie on sonder plutvergiessen von irem furnemen abzuwcyscn und wendig zu machen. Wa aber solichs gutlich bey inen nit verfahen wollt, alsdann gedechten sie mit dem ernst gegen inen zu handeln und zu sölichem sich seiner fürstlich gnaden hilf zu geprauchen nyemand befor zu geben, betten auch on das alsdann zu sein fürstlich gnaden ir ratzbottschaft zu schicken im willen gehapt.
Ulf solichs hat der secretarius verrer angezaigt und gcrcdt: Ain rat sollt nur bey zeyt darzu tun und die sach nit verachten, dann die pawrn an Oselberg ^ zu Weylting und daselbst umb betten sich nechst vergangner Vaßnacht [26 — 28 Februar] zu Weyltingcn in gestalt aines wursthofs zusamcn getan, das hett alspald au sein gnedigcn hcrren gelangt, daruff sein fürstlich gnaden alspald ain pfcrd oder sechzigc dahin geschickt, sie überfallen, durch die köpf hawen und also mit inen handeln lassen, das sie niordio, rettio geschrien, sich demnach von aiuander getan und verpflicht betten, sie wollten ir leben lang nymmer mer ufif kain wursthof also zu- samcn komcn. Das zaigt er also aim rat an im pesten zu under- richtung, damit sie [34] bey zeyt zu der sach teten und solichs in kain verharrung oder Verachtung stellten. Das wollt sich sein gnediger herr versehen und in gnaden erkennen. Nahm darniit sein abschied und begert abschrift der ausgangeu ains rats gebotts- briefe. Die ward ime gegeben und zugestellt, und ist er damit wider ab und weg geschieden.
Nach sölichem hat ain rat die sach verrer zu beratschlagen, wie der sach mit der gut und on sonder plutvergiessen, und wa die gut nicht verfachen wollte, mit ernst zu begegnen furgenomen.
Aber nachdem ain rat glauplich und warhaftig anlangt, wie die uflfrürig versamelt bawrschaft ainen verstand und practica mit
1 Ueselbcrg.
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dem nicrer tail ainer gemaind bic zu Roicmburg iii der statt wider aiu i-at gcDiacbt, die den pawru verlröistuiig und zusagen getan haben sollten der niaynung, so die pawrsebaft zusamen kernen, das ain gemaind sie in die statt lassen und inen proviant zuschicken wollt etc., besorgt ain rat, sollten sie ainer gemaind in ainer gehe uff und in ir barnisch und wer gepieten, wider die pawrn zu ziehen uud sie zu schlachen, das inen ain gemaind des nierer tails ab und deu pawrn zufallen und alsdann mitsampt der pawrscbaft in ain erbcm rat und andere ir burgerschaft fallen, sie todt schlagen und ander mißhandlung mit inen begeen wurden, wie dann on zweyfel geschehen wcre. Darurob aus den und andern mer beschwerlichen Ursachen beschloß ain rat, zu morgens uff freytag frnw den ewssern rat zu beschicken und mit ime die ding auch zu beratschlagen und zu beschließen, wie sich in die sach zu schicken oder darinn zu halten wer, und sonderlich ob den ewssern rat mit inen für gut ansehen wurd, ain gemaind wachwcys ^ zu beschicken, Iren willen und genmet auch darinnen zu vernemen, damit man sich alsdann Ycrrcr darnach zu richten wisste.
Indes hct Cunrat Eber hart, der zeit alter bürge r- ma ister zu Kotenburg, nachfolgend Instruction be- griffen, also lawtend:
EM ich artickel uff ains erbern rats verpessern zu mindern und zu mern aim ewssern rat für zutragen
gestellt.
Itero ain inner rat hat euch, meine hcrren und gut freund, als uff hewt zu in erfordern und gepieten lassen [35] umb merk- lich beschwert Sachen und handlung wegen, wie ir vernemen werdt, ond sein das die obligen und beschwerd, so aim Innern rat vorsteen, mit der kurz euch anzuzaigen:
Item ir vom ewssern rat vernembt und hört on zweyfel für euch selbst, das gemainer statt pawrn, auch derselben erbern burger und ander verwandten, gaistlicher und weltlicher, hie in der statt Roten- burg sesshaftig, yetzo in empörung und nffrur sein.
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1 In Rotenburg war die burgerschaft nicht in politisch beroclitigte iQnfte organiaiert, sondern nur aus militärisch-polizeilichen gründen in 6 sg. vtchten eingetheilt.
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Item das dieselben gcmaiiicr statt und irer burger bawrii ^ uff uütwocbeu nccbst vergangen [22 Märzj ir bottschaft und versanjluiig bey und mit ainander an zwaycn orten in der landwer, ncndich zu Brethain und Orempaeb gebapt baben und nocb.
Item und wie>Yol sie sieb ueebst niitwocb zu nacbt wider an- baim getan, so baben sie doch das under inen Lescblossen, uff gestern donnerstags vergangen wider zusamen zu komen, als dann besebeben ist und nocb vor äugen sein sollen.
Item aus dem ain inner rat bedacht hat allerlay merklieber bescbwerd, so nit allain uns, sonder allen unsern umbligenden bcrr- scbaften bocbs und niders Stands daraus erfolgen möcbt, sonderlich in disen lewften, so yetzt allenthalben vor äugen sein.
Item daruif bat sich ain inner rat allenthalben erkundigt und erfarn bey dem hawfen der von Brethain, nicht änderst von den zuziehenden pawrn vernemen könden, dann das sie uff ain kurbcn gein Brethain ziehen und wein trinken wollen.
Item die pawrn, gein Orempaeb hinein zuziehend und uffrurig, haben sich verneinen lassen, das sie ain hochzcyt zu Orempaeb haben, daruff sie frölich wollen sein.
Item aber ainer der unsern bat uns uff dinstag [21 März], ee und die pawrn zusamen komen sein, uns glauplich angezaigt, das ainer, ain leichte person, zu seinem dorfmaister komen sey, hab sie und die ganzen gemain zusamen fordern lassen gein Brethain, da woll man sich underreden, wie sich ain yeder des ewangeliumbs halben halten soll etc.
Item und wiewol wir wissen allenthalben aus der erfarung, au andern orten vor äugen, das solich der unsern furnemen arglistigklich und aus bösem grund wider das hailig ewangelium und göttliche 1er fnrgenomen wurd, haben wir daruff ernstlich gebottsbriefe an baid bawfen und versamlungen und sunst allenthalben in unser landwer, dorfer und weyler ausgeen lassen des entlichen Versehens, das wir daruff die sach und empörung vermainten, genzlich zu' ruw zu stellen oder aber zu dem mindsten ir etlicb und dero \1l als die statt- haftigsten [30] von inen zu ziehen, ir aid, er, leib und gut zu be- trachten; was aber soliche gepotsbrief werken werden, das konden wir noch nit wissen.
1 hs hat sinnstörond: und bawrn.
Item und lawt der botsbriof von wort zu wort also, ut supra [s. 37j.
Item uiu iuiicr rat für cucb zu gemut mit der warhait ein, das sie uff gcmaiuer statt pawrn und der iren kaincrlny new beschwerd geschlagen, noch dieselbigen zu bescblageu bcfor haben änderst dann, was sie vor 10, 20, 30, 40, 50, 60, noch lenger jar allwegen ye and VC gegeben und Ire guter, daruff mit solcher beschwerd an sie kernen, erkawft liaben.
Item und so nun das also die warhait ist, so ist sölich ir cmpöruDg wider das hailig ewangeliuui , göttliche 1er, alt und new testamcDt, darinn gott, der allmechtige, alle empörung hat gestraft, ob joch cmporuug und uffrur uuib gerecht Sachen furgenomen ist Wurden, dann gott will nit richten umb das ewsserlich oder zeytlich, sonderlich umb das innerlich.
Item daruff ist die erst frag, ob nit aim yedern innern und cwssern rats wider und nit lieb ist der pawrn uffrurig sach und empörung, das gemainer statt und iren burgern zu irem verderp- hchen schaden raicht, inen auch sölichs iren pflichten und ver- wandtnuss nach nit gezimbt, noch gepurt hab etc.
Itcni ist zu stymmen, das pillich aim yedeu solich der pawru empörung oder aufrur nit lieb, sonder ganz wider sey, haben in auch irer verwandtnuss und schuldiger pflicht nach nit gezymbt, noch gepurt, in solich uffrur zu begeben.
Item daruff gibt ain inner rat euch vom ewsserii rat mit in zu beratschlagen für, wie sölicher uffrur und empörung zu begegnen were und widerumb zu stillen, so sie uff die botsbriefc und abfordrung, aim yeden wider zu dem seinem zu ziehen, nichtzit geben wollten.
Item daruff hat ain inner rat vorgestern und gesterigs tags bedacht, ye ee man nach beschehner abfordrung und gebottsbriefen, iu aberantwnrt und zugeschickt, zu der sach und handlung tue, die empörung und uffrur zu stillen, ye mit minderm costen und gevere leybs und lebens das geschehen mog, wa mau aber in der sach die leng verziehen, ye beschwerlicher die sach zu stillen, und ir un- zimlich empöru ye mer und mer sich Sterken und mern werd, wie an andern orten beschehen ist.
Item wie aber demselbigen yetz im anfaug und noch in der erst und new zu begegnen, will ain erber rat yetz mit euch das beratschlagen und beschliessen, und ist das die ander frag.
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[37] Item ich will diser einpürung, sovil mir ymmcr muglich und gott die gnad vcrleyhcu will, mit meinen geharsamen burgern, wa die gutlicliait nit statt soll haben, understecn, mit der tat, sovil mir ymmer muglich ist, doch mit verschonung irs lebens und sonder plutvergiessens zu stillen, wie sich gepurt, damit weyter uflfrur ver- miten bleiben.
Item ain rat versiclit sich genzlich zu allen iren burgern, reich und arm, aller geharsam und gnts willens und sunst kainerlay änderst in kain weg etc.
Item aber nachdem sich -die pawrn on grund, sonder mit er- dichten Worten vernemcn lassen, das etlich unser burger, dem wir doch kain glauben geben, uff der pawrn partey und mit in haben sollten etc., item daruff sieht ain erbern rat für gut an, ain wach nach der andern zu beschicken, ir gemuet und maynung zu ver- nemen, mit erzelung, wes sie zu der statt geschworn sein, und dic- weyl dlse empörung und uifrur vor äugen, die gemainer statt zu verdurplichcm und unwiderpringlichem schaden raich, ob man dann ir zu Stillung diser empörung mit dem ernst und der tat ir not- turftig wurd, ob sie nit solichs aus schuldiger pflicht mit irem leyb und gut darzu gern tun wollten, und wicwol sjch ain rat kains andern zu inen versehe, so wollten doch inner und ewsser rete ir verstentlich antwurt von inen vernemen, wiewol sich ain rat ver- sieht, noch dise uffrur in der gut hinzulegen, sovil gott die gnad verleyhen will. Ist das die dritt frag, ob man ain wach nach der
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andern beschicken soll.
* Item ist zu stymmen, man soll aus allerlay vorerzelten Ur- sachen ain wach nach der andern beschicken, sie gutlich, wie be- dacht ist, anreden, ir geharsam gemut und maynung vernemen.
Item ain ynner rat will sich kains wegs, dann aller irer burger zusag zu in versehen, mit irem leyb und gut darzu tun, in massen sie schuldig sein.
Item so das beschicht, wie man die sach angreyfen soll, ist zu bedenken, nach dem sie arm lewt und die unsern sein, das man eylends unser treffenlich bottschaft soll zu in schicken und ordnen mit freuntlicher anredung, nochmalen anhaim zu ziehen, aller uffrur yetz und hernach sich zu enthalten, iren herren und herrschaften tun, was sie mit alter her tun betten, man begert nichtz news, und 80 das beschehe, so wollt sie ain rat das alles nichtz entgelten
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lassen, wa sie das aber gutlich nit tan wollten, so hetten sie hievor diiivb anser offen brief und sigel in dem gebott, so in von uns zu- kamen were, geliort, das wir das nit erleyden konten, es were auch ir furnemen zuforderst wider kayserlich mayestat, unsern allergnedigsten licrren, des bailigen reichs Ordnung [38], landfriden und alle oberkait, wie sie selbst das alles zu bedenken hetten.
Item darnacli zu fragen, ob man solich botschaft und Werbung an sie tun solle.
Ist zu stymmen, das man sölichs umb pruderlicher lieb willen mit allem fleyß tun soll, und ob man gleich gaistlich darzu bitten sollt, sie durch göttliche, warhaftige schrift und christenlicher 1er zu bewegen etc. helfen.
Item so aber das alles nit statt bey inen haben wollt, das dem- nach gepurt, mit der tat gegen in zu handeln, wie man das an- greyfen wollte.
Item daruff hat ain inner rat uff ewer beschliessen und mit- stymmen bedacht, das man zu roß und fuß mit zimlichem feld- geschotz mer dann die zwen drittail der statt burger und verwandten darzQ mästen haben, und zu besorgen, das dannocht an den zwayen drittail zu wenig sein möcht, disem unpillichen uffrnrigem wesen zu begegnen.
Item man must auch von stund an umbschlagen, welicher hand- werksknecht sich bestellen wollt lassen, das man dem ain monat ain wartgeld geben wollt, nemlich alle wochen ain ort, und wann man in hinaus schickt, ain wochen ain guldin reinisch, belib er dann ain, zwen oder mer tag heraussen, so sollt ime am guldin nichtz abgcen.
Item darnach zu fragen: Ist zu stymmen, das solichs die not- turft erfordern werd, dann vil gehör zu aim krieg, wer pesser allweg Med, wa es sein möcht?
Item nnd nachdem unser gnediger herr, marggraf Casimir gester des tags e3;1ends sein secretarium, rat und lieben, getrewen Antoni Graber zu uns verordnet hat mit dem befelh, uff ain crcdenz, so ^ein forstlich gnad ime geben, mit uns zu handeln, sein Werbung darauf getan hat, dns sein gnediger herr gester des tags ganz spat durch sein amptlewt zu Crelshaim ^ und Uffenhaim bericht sey worden,
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1 Kraibbeiin.
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das unser bawrn in unser landwer uffrurig sein sollen ; nun sey sein fürstlich gnad und seiner gnaden voreitern uns also gnedigklich lange jar zugetan, und wir und unser vorfarn herwiderumb seiner gnaden gewcst, das er uns in nöten nit kond verlassen ; bedenk sein gnad, ye ee man sich understee, solich sach zu stillen, ye pesser das sey, und mit niinderm costen und schaden es beschehen mög ; erpiet sich daruff mein gncdiger herr, mit seinen raisigen und zu fuß in allen seinen ampten uffzupieten und dise emporung stillen zu helfen, wie sich gepurt, dann solich unser pawrn emporung belange, wa man [39] nit darzu tun, zuvorderst kayserlich mayestat, sein und sunst alle oberkait, und hab ime sein gnad befolhen, uns seiner gnaden hilf uif das allerpest anzuzeigen, und das er unser gnediger hcrr sein wöll.
Item daruff haben wir sein gnaden des tröstlich zuentpictens undertenigklich dank sagen lassen mit entdeckung der sach und handlung, wie die als gester gestanden ist, und das wir selbst des Torhabens gewesen sein , an sein fürstlich gnad zu schicken , mit seiner fürstlich gnaden rat und hilf hierinnen zu handeln ; wir haben aber etlich gebotsbrief an die unsern ausgeen lassen, so die bey in wurken wurden, als wir zu gott verhoffen, das sie wider anhaim ziehen und rechte geharsam laisten, so habs sein weg, es schick sich die sach, in welichen weg es wöll, so wöll wir unser ratsbotschaft in dreyen tagen bey sein fürstlich gnad haben, nach aller gepurnuß in diser sach mit sein gnaden handeln zu lassen.
Item darnach zu fragen: Ist zu stymmen, das man pillich ain pottsrhaft in angezaigter zeyt zu im schicken soll.
Item und ob sich die sach zutrug, das uns allain handlung zn stillen zu schwer, dann wir in solichen dingen die unsern nit so gar geschickt wissen, als seiner gnaden lewt sein, ob sich nit mit meinem gnedigen herren zu underreden sey, wie den dingen seiner fürstlich gnad bevorhaben were zu begegnen, und wie sein gnad und wir zu hawf komen möchten, und was gut erstlich und nachmalen für ain ernst gepraucht sollt werden.
Darzwuschen am selben donnerstag [23 März] zu aubends,
als die obgemelten zwen gesanten von Brethain gein Orempach komen sein und der versamclten pawrschaft daselbst ir ansng, \vie obsteet, getan, haben sich die pawrn, so zu Orempach versamelt gewcst, als-
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palil in drey oder vier stunden darnach in der nacht mit iren hämisch and wcrn, auch aincm raißwagen und etwanvil hacken- bachsen, die sie uff den landturnen ^ gonomen hetten, zu roß und fuß erhebt und sein in irer ordnnng mit uffgerichtem fetzen oder fenlin gein Brcthain (dahin sie darvor, wie oblawt, ir bottschaft, und hinwiderumb die versamelten bawrschaft zu Brethain ir bot- schaft gein Orempach ainander zugeschickt hetten) gezogen [zu] dem hawfen der versamelten bawrschaft zu Brethain, und sein in disem zog biß gein Brethain erstlich iiauptle\\t und furer gewest nemlich Fritz Mölkner von Nortenberg und Jacob Vogler von Hartertzhofen *, die bettln den hawfen von Orempach gein Brethain gefurt, und war Pauls Yckelshaimer von Orempach ir fenderich gewest, hetten sich also bed hawfen zusamen getan und daselbst gelegert.
[40] Wes Hanns Spelter, der landknecht, damals aim
rat herein geschriben hat.
Den fursichtigen, erbern und weysen burgermais ter und rate zu Rotenburg uff der Tawber, mein gun- stigen, lieben herren.
Fursichtigen, erbern und weysen, gunstigen, lieben herren! Ewer fursichtig weyshait fug ich zu wissen, das mir kuutschaft ist zakomen durch den München, ain hecken zu Brethaim, der ist vom hawfen geschickt worden und von den von Gamesfelt ' ain wissen haben, kurz ab, wo sie nit mit in anligcn, wollen sie in leyb und gut nemen und sein stark yetzo 8 hundert, und zcwgt noch stets ZQ. Der Klug hat müssen entweychen gein Gamesfeld kawm zu fuß. Solichs bab ich uff das fnrderlichst ewer erber, fursichtigen» weys- hait Dil wollen verhalten.
Datum mein handschnft in eyl etc.
Ewer weyshait diener Hanns Spelter.
Damff schrib ain rat eylends dem versamelten hawfen zu Bret- haui, wie hernach folgt:
1 Den thflrmeii, welche in der bcfcntigten grenze dos Rotenbiirger gchicteii, der ng. landwchr stehen. 2 Ober, Unternordenberg, Ilartershofen. 3 Oammesfdd.
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An unsere undertanen und pflichtver>YandteQ, bawren- maistcr und alle ander die unsern zu ßrethain und
andern orten.
Burgermaister und rate zu Roteinburg uff der Tawber. Wisst, hawreninaister und all ander die unsern zu Brethaim und anderer ende, naclidem uns glauplich angelangt bat, und wir aucb ain wissen tragen, wie ir eucb gesterigs tags in Verachtung ewrer pfliebt und verwandtnuß ain nnzimlich emporung und versamblung on unser wissen gehabt und villeicht noch, aucb etlich unser diener gefangen haben, deß wir uns in betracUt gemelter ewer pflicht und vor- wandtnuß zu euch gar nit versehen betten, darumben gepieten wir euch bey ewern pflichten und verwandtnussen, damit ir'uns zugetan seyt, auch bey verlierung und straf leyb, ern und guts, das ir von stund an abziehen und euch hinfur sölicher unzimlicher versamblung und emporung enthalten wollend, dann wa ir sölichs verachten, werden wir verursacht -mit straf und ernst gegen euch furzunemen und zu handeln, deß wir lieber vertragen wem. Darnach wisst euch zu richten!
Datum donnerstag nach Oculi [23 März], anno etc. 25.
Dergleichen mutatis mutandis ward den von Orempach auch ge- schriben, docli mit herauslassung der clausel „unser diener gefangen."
[41] Und wiewol die von Gamesfeld, Oberstetten und vil ander dorfer und weyler in der landwer ire bawrenmaister herein für ain rat schickten und anzaigen liessen, wie sie vom hawfen uffgemant wem, mit anrufen, inen hilf zu tun, so war doch kain hilf da, sonder denselben gesandten muntlich befoliien und daneben iren ge- mainden geschriben lawt uachgemelter sciiriften:
An unser undertanen, schulthaiß, gericht und ge- rn ain de zu Oberstetten.
Burgermaister und rat zu Rotenburg uff der Tawber. Scbult- liaiß, geriebt und gemaiud! Uff ewer ansuchen, durch ewer ge- schickten an hewt an uns gelangt, geben und tun wir euch disen befelh, das ir euch zusamen in ewer gewer tun und bey ainander lialten, ewer sach in acht haben, auch unseren schriftlichen gebott, gestern an ander die unsern ausgangen, der wir euch auch ains hiemit zuschicken, als geharsam undertanen nachkomcn, euch halten
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als fromm undertanen und euch der andern unserer und anderer licrrschaft ungeharsameu undertanen, die ir ufiFrurig furncnien wider gütt und ir aid, pflicht, verwandtnuß und anders tun, nit irren Oller verfurn lassen. Deß wollen wir uns genzlich zu euch ver- sehen, dann wir gedenken, gegen den ungeharsameu zu handeln, als sich gepurt.
Datum freytags nach Oculi [24 März] anno etc. 25.
An unser undertanen, dorfmaister und gemaind zu
G am es fei d.
Burgerraaister und rat zu Rotenburg uff der Tawber. Unsern gros zuvor. Nachdem ir nechthin bey unserm burgermaister der vor aagen wesenden uffrur halben ansuchen umb underrichtung ge- tan etc. und daruff von unserm burgermaister antwurt empfangen habt, das ir euch in ewerm kirchof zusamen tun, ewer sach in acht haben wollend, auch gestrigem unserm schreyben volg tun, das. wollen wir euch hierait auch befolhen haben und versehen uns, ir werdcnt demselben und auch gestrigem unserm schreyben und ge- bott, an euch bcschehen, als geharsam undertanen getrewlich nach- kernen und euch der andern unser und anderer herrschaft unge- harsamen bawrn uffrurigs furnemens, das sie wider gott, ir aid, pflicht und verwandtnuß und anders tun, nit irren oder verfurn lassen, dann wir gedenken, gegen denselben unsern ungeharsameu ZQ handeln, als sich gepurt.
Datum freytags, am aubend Unser frawen verkundung [24 März] anno etc. 25.
[42] Wie inner und ewssere rate zusamen kamen und
handelten.
Also des andern tags, am egemelten freytag fruw umb ain
ur uff den tag * sein bed inner und ewsser rate hie zu Rotenburg
«
1 Nach unserer tageseintheilung um 7 uhr morgens. In Rotenburg lag 1525 die mittelalterliche stundenzählung, die von Sonnenuntergang bis Sonnenuntergang den tag reichen lässt, mit der unserigen, die den tag mit mittcrnacht beginnt, noch im kämpfe. Im ganzen aber herrschte 1525 die alte zAhlungs weise in Kotenbnrg noch vor, weshalb Zweifel dieselbe öfters als „Rotenburger, unsere uhr'^ anführt; seltener nennt er sie auch „kleine uhr''. In sehr vielen fällen ist es deshalb unmöglich zu sagen, ob Zweifels akten nach alter oder neuer uhr die stunde berechnen.
Baoonkri^ 4
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zusamen körnen, haben sich erstlich entsclilossen und veraint, ir leyb und gut in diser sach ob ainandcr zu lassen, daruff auch als- pald Cunrat Eberharten, alten burgermaister , Jeronimus Haseln, des innern rats, Cliristoffel Kressen und Gabriel Langenbergern, des ewssern rats, hinaus gein Brctliain zu dem hawfen der ver- samelten bawrschaften zu reyten und mit inen gutlich zu abstel- lung irer uffrur und empörung zu handeln etc. verordnet, desgley- chen alspald beschlossen, nach essens ^ die gemaind wachweys nach ainander zu beschicken und auch mit inen zu handeln. So sind die verordneten alspald hinaus zu der versamelten bawrschaft gein Brethain geritten.
Nach sölichem und in abwesen gemelter ratsbottschaften haben bed inner und ewsser rät gemelts freytags [24 März] nach essens die wachen der gemaind alhie, ye aine nach der andern uff das rathaws zu kommen beschickt und erstlich die wach am Viehmarkt, die alspald uff das rathaws kam, und für bed retc in die grossen ratstuben gefordert. Alda ward inen das bös, gewaltsam fur- nemen der versamelten, uffrurigeu bawrschaft furgehalten und ge- clagt, darbey auch inen zu erkennen geben, das bed inner und ewsser rät ir treffenlich ratbottschaft von beden raten zu der ver- samelten bawrschaft verordnet und geschickt, mit inen gutlich zu handeln, von sölichem irem uffrurigen furnemen abzusteen, anhaims zu ziehen, ir aid und pflicht zu bedenken und iren herrschaften geharsam zu laisten, in massen sie schuldig und pflichtig wern, versehe sich ain rat, sie wurden dem volg tun; wa aber solichs bey der bawrschaft nit verfahen wurd, als sie sich dann gleychwol auch besorgten, alsdann gedechten sie mit dem ernst gegen in zu handeln, und [haben] daruff der gemaind alspald beder rät may- nung in Schriften verlesen lassen, also lawtend:
Bede inner und ewsser rate alhie zu Rotenburg sind mit ain- ander rätig und ainig worden, wider die uffrurigen empörung der pawrn, so sie wider gott, er, ir aid und pflicht, wider evangelische Satzung, kayserlicher mayestat, unsers allergnedigsten herren, und des [43] hailigen reichs Ordnung und landfriden furnemen, ainan- der hilf und beystand zu tun und zu Stillung diser bösen empörung
1 T^ngcfillir nm 9 uhr morgens; vgl. über diese nngefHlirc Zeitrechnung dcR niitlclaltcrs Grotcfcnd, hnndbucli der historischen clironologic s. 43 bis 45.
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gatlicli, oder wa die gutlichait uit statt haben wollte, furderlich mit der tat und dem ernst dargegen zu handeln, das die notturft orfordert, und sind demnach bed inner und ewsser rate der Zuver- sicht zu euch als gemainer statt globten und geschwornen burgern, andertanen und inwonern, ir werdent auch kains andern willens and gemnts sein, dann euch in solichem als geharsam bnrger, in- woner, nndertanen und verwandten innerm und ewsserm rat mit lülf and beystand angespart ewer leyb und guts zu halten und zu beweysen, and wiewol sich bed rete deß und kains andern zu euch versehen, so wollen sie doch deß ewer verstendig antwurt von euch hora and vernemen, damit sie wissen, was sie sich zu euch ver- sehen sollen.
Wie sich die gemaind in diser wach daruff gehalten hat.
Nach Verlesung obgemelter schriftlicher furhaltung warn bey den 25 personen von erbern und andern burgern uff ains rats seyten getretten der maynnng, bey aim rat zu steen und zu be- leyben. Under denselben war auch Lieuhart Stock, der ferber, der ward aber bald darnach von inen abfellig, wie dann bald hernach begriffen wart etc. Aber die andern barger all in derselben wach vorden von Stephan von Menzingen (der sich, über das er seins burgerrechtens und andrer derselben anhangender Sachen halb, wider sein bürgerlich aid und pflicht geübt, mit aim erbern rat vor Iren gefreiten richtern in ainer schwern rechtvertigung stund und ye kain borger mer zu sein vermaint, noch sein oder tun wollte, das sein bargerlich aid und pflicht auswisen und vermochten, und des- halben im glait der gefrejrten richter hie lag etc. \ in diser ge- verlichen uffi*ar anerfordert selbs aus aigner bewegnaß zu der ge- maind and diser uffrurigen sach schlag and uff das rathaws mit gemelter wach, darinnen er gleychwol saß, auch in gemelte rat- stuben far bed ret käme) angeschrien und angcraizt, sagend und schreyende zu inen, der gemaind derselben wach, sie sollten aus- tretten and ain bedacht nemen, und sie dardurch bewegt, das sie Solichs teten, traten aus, namen ain bedacht, antwui-t za geben, und schrie Menzinger hynder inen umberdar: „Aashin, ausbin*', biß sie aas der staben kamen.
1 Vgl. darftber Bensen, a. a. o. 93.
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Lienhart Stock
trat darufF von aim rat widerumb ab und aus der ratstuben, sagt, er were aiu alter, kranker, tawber mann, konnte niclitz zu den Sachen, bat ime zu erlauben. Das beschach und ward ime erlaupt. Damit [44] schied er ab, und alspald er hinaus für die ratstuben uff das rathaws kam, trat er auch zu dem ausgetretten hawfeu der gemaind in vermelter wache und zu Stcffan von Menzingen, stund inen bey, ward auch, wie hernach folgt, von inen in den ausschuß erweit, darein er sich setzen und gepra neben, ime auch die sacb vor andern anligen ließ.
Und also wartet ain rat lang, wann die ausgetrettne wach kerne und ir antwurt geben, und stunden diewcyl die personen, die zu ainem rat getretten warn, in der ratstuben bey beden Innern und ewssern raten. Aber die gemaind derselben wach, noch audi ir vorgener Steffan von Menzingen kamen nit mer herwider in die ratstuben zu gemelten beden raten, ir antwurt zu geben, sonder hielten ainem rate dieselben vor, bliben gar aus, teten sich uff dem rathaws im ring, darinnen man pfligt gericht zu halten, in ainen bawfen zusamen, beratschlagten sich mit ainander, wie sie die sach fnrnemen, angreyfen und handeln wollten.
Zu sölichem prediget und sagte inen Steffan von Menzingen vor, wie sie sich in disem furnemen halten sollten, dem und sol icher seiner 1er und underweysuug sie auch volgten und im anhiengen biß zu end diser uffrurigen handlung. Und also ward derselbig hawf uff das mal aus angeben und beratschlagung Steffan von Menzingens rätig und schickten Kilian Ettschlich, den tuchscherer obgemelt, selbvierd aus inen hinumb in die grossen ratstuben zu beden reten in rat, Hessen sie bitten, inen die vermelt schrift, die inen vorgelesen was worden, zuzestellen, die wollten sie überlesen und sich darinnen ersehen. Daruff ward inen dieselbig schrift be- hendigt, die betten dieselben vier genanten Steffan von Menzingen und dem gemainen hawfen beuielter ausgetrettner wach pracbt und Steffan von Menzingen inen die vorgelesen und daruff gesagt, sie wollten ob der schrift sitzen und sich wol darob bedenken, das sie dann also teten und mit diser schrift die sach so lang be- dachten und antwurt ainem erbern rat uff das geschehen furbalteu zugeben Verzügen, biß die ganz gemaind diser statt von allen andern
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waclicu auch uff das ratliavvs kamen. Als aber ctlicli under inen vernielter Verzug und die berurt schrift mittler zcyt bcy in zu be- lialteu uit gut bedewehte, haben sie dieselb schriftlich verzaichnuß alspald abgeschribeu und aineni erberu rat ir schrift >Yider zugestellt und behendigt.
Und als indes die andern wachen der gemaind auch uff das rathaws kamen und für bed rete gefordert, warden sie alle, ee sie in die ratstuben giengen, von Steffan von Menzingen und seinen anhengcrn angeraizt und angericht, das sie auch bedacht nemen und austretten sollten, wie sie dann teten [45]. Demnach dieselbigen andern wachen all, je aine nach der andern all, als sie für bed ret kamen, und inen gemeltes schriftlich furhalten vorgelesen ward, darnff austraten und bedacht namcn, antwurt zu geben, und was aus denselben andern wachen allen gar nyemand zu aini rat getretten, gab auch kain wach ir antwurt, sonder verweylet sich ir aller bedacht so lang, biß alle wachen uff dem rathaws und alda also die ganze gemaind diser statt zusamen uff ain hawfen in ain bedacht kamen. Alda stund Stefan von Menzigen under inen uff, predigt und sagt ineu vor, wie sie ime tun und ainen ausschuß under und aus inen machen sollten, derselbig ausschuß furter zusamen geen und von alucr gemaind wegen iibcr die sach sitzen, die beratschlagen, handeln und Ordnung bescliliessen sollten, wie ir notturft erforder, auch ain- audcr derbalben pflicht tun sollten, was die vom ausschuß handelten, das sie sölichs in gehaimbd halten, verschwygen und nit offenparen, auch ain yegklichs handwerk aus inen etliche personen zu solichem ausscbuß geben und verordnen und ober ainandcr gctrewlich halten und stcen sollten, so wollt er Stephan von Menzingen auch ob inen lialten, bey inen steen, sein leyb und gut bey inen lassen, mit vil andern und mer werten und maynungen, von ime Verla wt, daruff dann ain gemaind mitsampt Menzingern alspald furnamen, Ordnung zu machen und ainen ausschuß zu setzen.
Darzwuschen, zuvor und ee dann ain gemaind den ausschuß ganz verordnet und gemacht betten, tete der durchleuchtig, hochge- l)orn fürst und herr, herr Casimir, marggrave zu Brandenburg etc., mein gnediger herr, ain ernstliche, dapfere schrift bey seiner fürstlich gnaden reytenden boten, der Ritsch genannt, eylends hieher, weliche schrift lawtet von werten zu werten, wie her-
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Den crsamen, wcysen, unsern liebeu, besoudern, bur- gormaister und rate zu Rotenburg uff der Tawber,
cito, cito, cito.
Casimir, von gottes gnaden marggraf zu Brandemburg etc. Unser gunstlichen grus zuvor. Ersamen und wcysen, lieben, be- sondere ! Wiewol wir euch gestern durch unsern secretarien, rat und lieben, getrewcn Antoni Grabern gnedigklich anzaigen lassen haben, wie an uns gelangt, das durch die pawrschaft in ewer landwer eine mutwillige empörung und vcrsamiung vor äugen, das auch unser gemut und maynung sey, euch solichs helfen zu wem und abzu- stellen, so ist uns doch uff solich unser gnedig anzaigung und er- pieten bißher kain antwurt zukomen [46] und hewt dato abermals stattlich und glauplich an uns gelangt, das sich uit allain ewer pawrn wider euch als ir oberkait frevenlicher und streflicher wej's cmpörn, sonder sich auch understeen, unser undertanen in mer denn ainem unsern ampten zu inen zu ziehen und also auch in uffmr und empörung zu bewegen, das wir kains wegs leyden konden, noch wollen. Und dieweyl dann gemelt der ewern unpillich uffnir, versamlung und rottirung nit allain wider euch, sonder auch wider römisch kayserlich mayestat, unsern allergnedigsten herrcn, und alle oberkait furgenomen wurd, derhalben uns auch von pottschafteo, hauptlewten und raten des kaiserlichen punds zu Schwaben inson- dcrhait geschriben und befelh getan, uff soliche und dergleichen uffrurisch bawrn unser fieyßig achtung zu haben und dieselben kains wegs zu gedulden, sonder mit ernst und der tat dargegen handeln, darzu wir dann von inen mit hilf und beystand nit ver- lassen werden sollen, so begern und ermanen wir euch hiemit noch- malen, das ir on Verzug gegen sölichen ewern uffrurischen, uuge- harsamen pawrn und undersassen mit ernst handeln wollet, und erpieten uns nach, wie vor, euch zu demselben gnedigklichen zu helfen. Wa ir aber solichs nit tun wurdent, dess wir uns doch der erberkait und pillichait nach nit versehen, so müssen wir ge- mainer stende des kaiserlichen punds zu Schwaben schreyben und befelh nach als ain gehorsamer fürst des hailigen reichs und ge- trewer pundsverwandter mit gemelter pundsstende hilf und beystand selbs uff weg gedenken, wir sölich mutwillig, böse handlang und taten mit ernst abgestellt und verkomen, das auch dieselben leicht-
vertigeD, erloseu buben und ire anheng irem verschulden nach ge- sti*aft [werden]. Und wiewol wir aus kains andern zu euch ver- sehen, dan das ir euch in sölichcm obgenicltem unserm erbern, pilliclien ansuchen genieß halten und erzaigen werdet, so begern wir doch hieruff ewer schriftlich, unverzogenlich antwurt bey disem boten.
Datum Onoltzpach freytags nach Oculi [24 März] unib sechs urn vor mittag anno etc. 25.
Sobald aber Steffan von Menzingen und die von der gemaind des Ritsch hotten, den sie kannten, und der schrift gewar wurden, bat sie ain groß gemurbel uff dem ratliaws under inen erhaben, daim Stephau von Menzingen hett inen, der gemaind, gesagt, wie aiu rat sein bottschaft zu dem marggrafen geschickt hett, der kemc und wollt die statt einuemen, und was die red, der marggraf kerne mit hundert pferdon, und die obgenanten Conrat Eberhart, Christoffel Kreß, Jheronimus Hasel und Gabriel Langenberger wern darumb als ain ratsbotschaft zu dem marggrafen geschickt worden. Derhalb betten Kilian Lutz, Jacob Vahman, genant Ilan, und Kilian Ettsclilich, der taebscherer, geschrien, man sollt den torn zulaufen, die einnemen, [47] zuschlagen, besetzen und die schlussel zu den torn nemcn und uff das rathaws dem ausschuß pringen.
Uff solichs warn vil von der gemaind vom rathaws hinab und allen toren zngcloffen, betten die tor eingenomen, zugeschlagen und mit lewten besetzt, darneben auch die torschlussel von den tor- schliessern zu iren banden genomen, uff das rathaws pracht und die alle Ilanns Kretzern, dem wirt, zu behalten und zu verwarn gegeben. Dann Stephan von Menzingen und ain gemaind vorchten sich und hielten nit änderst darfur, dann ain rat hett, wie gemelt, die obge- dachten ir bottschaft, so 'Sie zu den pawrn gein Prethain geschickt hatten, gein Onoltzpach zu dem marggrafen verordnet, umb hilf anzurufen und den marggrafen uffzupringen, und mainten die von der gemaind, man zug gleich daher, deshalben ain groß gedumel und geschray under der gemaind was, wie dann gemelter Ritsch, ineins gncdigen herren bott, selbs gesehen und gehört hat.
Daruff Hessen bed inner und ewsser rät die gemaind uff dem rathaws durch Ernfrid Kumpfen, alten burgermaister, und Georgen Bermetern, des Innern rats, die deshalb zu inen geschickt warn, zosamen berufen. Die blanden uff aim bank und teten uff befelhe
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ains rats ainer gemaind nach der long von newcm mantlich erzelen und anzaigen der pawrn frevenlich, mutwillig, bös furnemen und darbey, das ain rat nit genaigt were, solich uffrur der pawrn mit plutvergiessen zu stillen, sonder allain allen fleyß in der gut furzu- wenden, sie von sölidiera uffrurigem furnemen abzuwenden, wa aber die gute nit statt hett, alsdann selbs mit irer, der burger, hilf ernst- lich darzu zu tun, damit soliche ufFrur ye nidergetruckt und fur- komen wurd, dann wa das nit beschehe, so wurd solichs kayserlicher mayestat, churfursten und fui*sten, auch andern stenden des loblichen puuds zu Schwaben und andern mer stenden des balligen reichs nit zu erleyden steen, sonder wurden sie alsdann selbs darzutun und mit aim sölichen gewalt und schaden dargegen handeln, das es nit allain der versamelten bawrschaft, sonder auch inen von der gemaind als die, so auch ufFrurig wem und ains erbern rats pillich vorhaben verhinderten, dcshalben sich der pewrischen uffrur und irer Verhand- lung tailhaftig und anhengig machten, zu schwer sein wurde. Wie inen dann Ernfrid Kumpf solichs alles nach der leng vorredet, er- zelt und sagte, inen auch dar uff alspald hochgedachts meins gnedigen herren, marggrafen Casimirs schrift selbs öffentlich verläse und [48] dabey verrer redte, das ain erber rat nyemand zu meinem gnedigen herren, dem marggraven gescliickt, sonder der fürst soliche schrift aus aigner bewegnuß und gutem, fürstlichen gemut getan hett. Das sagt mau inen bcy warhait und glauben zu, bat sie daruff, sie sollten sich furdcrlich bedenken, aim erbern rat uff das beschehen furhalten furderlich antwurt geben und inen die nit verziehen. Es redet auch gemelter Ernfrid Kumpf darbey verrer zu der gemaind, sie sollten sich an den man, den Menzinger, nichtzit kern, dann er wurd sie verfurn, und sagten ir etlich von der gemaind darnach, wa Ernfrid Kumpf damals mit sölichen reden und handeln nit gewcst, es wern bed rate tod geschlagen worden etc.
Also traten Steffan von Menzingen und ain gemaind uff aiu ort, und sagt Menzinger zu der gemaind, es wer nichtz, sonder ejrtel narrenwerk und erdicht ding mit sölicher schrift, sie sollten es nit glauben. Jedoch schickten sie daruff zum rat und liesscn bitten, inen soliche schrift zu behendigen, wollten sie die besichti- gen und noch ainmal hörn lesen. Das beschach. Also namen sie die schrift in ring, besichtigten und verlasen die, fanden sie gerecht und stallten die furter aim erbern rat wider zu. Indeß hett ain
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X uff sülichc Schrift aiii antwurt stellen lassen, die ward in der maind auch öffentlich verlesen, also das aiu rat mit ireni wissen ni furston schriftlich antwurt gab, und vermainteu, mit dem und derer gütiger erzaigang sie zu erweichen und von ircm furnemen pringen, und lawtet soliche schriftliche antwurt, wie hernach folgt:
sni durchleichtigen, hochgehornen fursten und herren, srreu Casimir, marggrafen zu Brandenburg, zu Stet- n, Pommern, der Cassuben und Wenden herzogen, irggraven zu Nürnberg und fursten zu Rügen etc.,
unserm gnedigcn herren.
Durchleichtiger, hochgeborner fürst, gncdiger herr! Ewern i*stlich gnaden sein unser undcrtenig, willig dienst mit fleyß zu- r bereit. Gnediger herr ! Ewer fürstlich gnaden gnedigs schreyben id erpieten, uns yetzt der uffrurigen unser bawrn halb getan, ben wir undertenigklich empfangen und verlesen, sagen ewern rstlich gnaden dis alles zumal undcrtenigen dank mit erpietung, ib ewer fürstlich gnaden in undertenigkait ganz willig und berait in zu verdienen. Wir versehen uns auch, ewer fürstlich gnaden y nnn mer unser antwurt, so wir gestrigs tags ewer fürstlich laden secretarien und rat Antonio Grabern uff sein Werbung munt- ch gegeben haben, zukomen. So sein wir yetzt in diser stund il unserm ewssern rat und der gcmaind versamelt der maynung, IS mit ainandcr zu verainen und zu cntscblicsscn, sölichem uff- rigem furnemen der pa\sTn zu begegnen oder dasselbig abzustellen. ^as wir nun uns in sölichem [49] entschliessen zu tun oder zu ssen, wollen wir ewer fürstlich gnaden tags oder nachtz eylends t verhalten. Tun uns damit ewer fürstlich gnaden undertenigk- :hen befelhen, dann ewern fürstlich gnaden undertenig, willig dienst I erzaigen sein wir willig und berait.
Datum freytags nach Oculi [24 Mürz] in der dritten stund )r nachtz, anno etc. 25.
ßurgermaister und rat zu Rotenburg.
Solich obgemelt Schriften und handlang sampt dem bedacht IT gemaind haben sich gleichwol in die nacht verzogen. Indess it die gemaind ain ausschuß verordnet und gemacht, darein sie ?y zwu und vierzig personen setzten, wie die hernach geschriben id verzaichnet steen:
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Der verordnet ausschuG der gemaiud:
Stephan von Menzlngcu, Hanns Kretzer, wirt, Kiliac Ettsclilicli, tuchscherer, Jörg Spelt, der alt, Lorenz Knoblach, wirt, Wilhelm Beßmayer, alter schulmaister, Michel Stroluntz, wirt, Lienhart Beck, gerber, Lutz Beck, kremer, Sebold Stöcklin, metzler, Valtin Yckels- haimer, tCNvtscher schulmaister, Cunz Kern, buchtrucker, Lienhart Stawd, metzler, Fritz Dalk, metzler, Albrecht Nadipur, kursner, Lienhart Stock, der gewandschneyder obgeuannt, Fridelhanns, verber, Apelhanns, beck, Michel Redliu, wagner, Endris Bopp, bawr, Michel Strebel, bawr, Michel Haylman, der sailer, Kilian Lutz, Schuster, Burkhart Weydner, huter, Claus Mayer, schuster, Jos Schad, Jörg Pfluger, gerber, Hanns Ellwanger, putner Lorenz Prundel, Symon Muller, beck, [50] Peter Mark, Michel Weinprenner, Hanns Begen, Paul Zurl, gerber, Jörig Keller, beck, Hanns Lewpolt, beck, Fritz Kranz, Hanns Ziegler, sayler, Martin Hufnagel, hi»fner, Jos Hofman, schneyder.
Georg Spelt, der alt,
gepraucht sich aber ainer sondern, bchendlistigen gcschicklichait, kam des andern tags für ain rat, zaigt und prachte an, wie er von dem ausschuj beschickt und erfordert were, auch als ainer des ausschuß bey inen zu sitzen und helfen zu raten und zu bcsch Hessen, was not were. Nachdem er aber der handlung selbs ain groß be- schwernuss und missfallen hettc, und sonderlich inie solich wider- wertigkait, ains erbern rats beschwcrnuss und bckuiuniernuss gc- trewlich laid und wider were, hett er sich des gc widert, darfur gebetten, aber sie wollten in des kains wcgs erlassen. Nun hett er darfur, wa er bey inen seß oder were, und sie ine das ye nit erlassen wollten, er wollte in sacheu nit unschiedlich und aim er- bern rat bey inen mer nutz, dan schcdlich sein, dann wes er nit gut machen könt, wollt er nit ergern und sich doch on wissen und erlauptnuss ains erbern rats zu inen nit begeben, bat derhaib unib autwurt, was aim rat darinn gelegen were oder nit, mit mer Worten etc. Daruff bewog ain rat die sach und getrösten sich sein in be- tracht seiner gcschicklichait nit wenig, vermainten, er wurd den andern vom ausschuß allen einhalten und vil irs frevenlichen fur- nemens furkomen, erlaupteu ime demnach, bedachten auch verrer
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darbey, wa sie iuie gleycli nit crlaupten, das er dannocbt darein komcn, und solichs darzu aim erbern rat gegen dein gemain aus- scbuG noch grossem and merern haß und veindscbaft gepern ward. Aber wie Jörg Spelt nochmals ain erbern rat ains alten handeis Qüd erhaltner nppellationsach vor dem ausschuß verclagt und nmb hilf angerufen hat, wurd sich hernach bey den artickeln der hand- werker angemassten beschwerden erfinden.
Nun die obgemelten personen des erweltcn und gesetzten aus- schuß der gemaind glopten und schwurn [51] all von stund an zu- samen, das sie alles das, das sie handelten und macbten under inen, ir leben lang bis in gruben vcrschweygen und nymmer offem- parn sollten und wollten, und nam Stephan von Menzingen die aid und pflicht von inen an, und das beschach auch des obgemelten freytags.
Wie die bawrn weyter gezogen sein.
Dis freytags [24 März] zu morgens haben sich bed liawfen der versamelten pa^TSchaffc zu Prethain erhept, sind gein Insingen, Diepach, Ostbain * und Wettringen und von Wettringen wider gein lusiugen gezogen, haben darzwuschen den pfarrern zu Betwer ^ und Ostbain etlichen wein uff der Strassen genomen, angestochen, im leger von Insingen ausgemessen und verpewt und sonderlich zu Wettringen den scliulthaißen Michel Pranden, dieweyl er derselben zeyt nit auhaims, sonder hie zu Rotemburg bey sein herren, aim rate, war und den der pawrn uffrur und furnemen angezaigt, aus- geplündert, ime ob hundert guldin parschaft und sunst vil guter stuck von hawsrat und farender habe aus der kirchen und sein, des schulthaißcn , haws genomen, uff wegen getragen und geladen, weg gefurt und verpewd, darunder Cunz Lullig von YUeshaim ^, Fritz Mölkner von Nortemberg und Hanns Metzler von Brethain bauptlewt und Jos Wacker von Osthain (der mit uffprechen der truchen in der kirchen und austragen der hab und anderm ser ge- scheftig, hilflich und unmussig in solichem plündern gewest war). So betten Hanns Kraws zu Wettringen und andere die parschaft and farnuss, wie und wa die in der kirchen gelegen, verraten und angezaigt. Und wiewol Michel Prand, der schultl^iß, dazumal, als
1 Ober, UDterostheim. 2 Bettwar. 3 lllesboim.
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so mit dem seinen gehandelt, wie obsteot, abwesculicli bie zu Roten- burg war und die saeb, wie die pawrn ainander uflfmanten, gein Pretbain zusamen zugen und rottirten, unwissend, was ime mittlere zeyt anbainis Schadens bcscbacb, aini burgermaister und etlichen raten bie zeytlicb anpracbt und anzaigt bat, so ist doch solicbs veracbt und nyemanden zu herzen gangen, und indem der hawf von Wettringen wider gein Insingen zu den andern, die daselbst im ersten leger ligend blibcn warn, komen, haben hcraussen uflf der wisen von newem bauptlewt, rüt und ander amptlewt gemacht, nemlicb :
Hauptlcwt, rät und ander amptlewt, zu Insing gemacht.
Fritz Mülkner von Nortenberg, Endris Windshaimer von Pret- bain, [52] Hanns Pfister, genannt Metzler, von Pretbain, Cunz Lul- ligen von Yllesbaim , Peter Kernern von Guckelbawseu , Lienhart Grossen von Scbwarzenpronn, Symon Nussern von Orempacb, Lien- hart NVeyscn von Orempacb, Hanns Clinglcrn von Bettenfeld, Lutz Kutterolfen von Wildentierpacb , Martin Becken von Plumweyler ', Sebastian Stainmetzen von Gebsattel, Erasmus Langen von Insingeu, Peter Wegnern von Pretbain, Michel Waltraan von Stainsfeld, Hanns Herman von Wettringen, Hanns Herman von Onspacb 2, Bernhart Yckelsbaimern , der ersten uffwidler fenderich, Jacob Voglern von Hartertzhofen , Hanns Scbmidlin von Nortemberg, Jörg Tawber- schmiden von Wettringen, der die pawrn des orts am maisten uff- pracht bat, Hanns Becken von Wettringen, der erstlich gein Bret- haiu zogen zu Hanns Mctzlcrn und in diser sacb erstmals in an- fang diser empörung sein waibel ist worden, her Lienhart Dennern, pfarrverweser zu Lewzonpronn, der der versamelten pawrschaft prc- diger, schreyber, ratgeber, vorgeener, heber, leger und der vor- derst im spil gewest ist, item her Hanns Hollenpacb, frumesser zu Lewzenpronn, gleichwie her Lienhart Denner und sunst ain grosser bub, uffwidler und sollicitirer der uffrur.
Darzwuschen und an obgemeltem freytag [24 März], nachdem als die gemaind die tor sambt den schlüsseln alle eingenomen, irs gefallens gesetzt und verwart und also ain rat irer administration des orts entset/t fetten, kam die obgemelt des inneru und ewssern
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1 Blumweilcr. 2 Kleinansbacb.
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'ats bottschaft von der versamelten bawrscliafl. Die warden mit iiuw wider in die statt gelassen ganz spät, taten alspald beden Uten ir relation ungeverlich der maynung:
Relation gemelter ratsbotschaften.
Als sie an bcwt uff befelh beder rate hinaas zu der bawr- :haft geritten wern und sich gegen Brethain zu inen genehert, ctten sie zu der pawrschaft hinein gein [53] Bretiiain umb sicher- ait und glait geschickt. Aber der gewaltig hawf der versamelten awTscbaft zu Brethain, so etwas uff tawsend stark, wem hinweg ewest und uff Insingen und Diepach zugezogen, sich diso nacht aselbsten zu legem, und noch ungeferlich bey den hundert pawni m vier gemainden, als Prethain, Hiltgartzhawsen , Dierpach und ewpach * daselbst zu Brethain gelegen. Hetten die von Prethain :lich heraus zu den ratsbotschaften geschickt, sich verantwurten tid entschuldigen lassen der maynung, das sie von solicher em- ärung nichtz gewist, sonder die von Orempach und ander wern in erklicher zal gerust zu inen gezogen, hetten sich dahin gelegert, )er sie von Brethain nit gewist, was ir furnemen were, begerten eh als getrew undertanen geharsamlich zu halten. (Das war von enselben bawren erlogen.) Desgleichen wern ctlich von Dierpach omen, hetten inen, den ratsbotschaften, anzaigt, inen wer von ains ats wegen gebotten worden, uff Lewzendorf zu ziehen, als sie aber ahin komen wern, hetten sie ain andere maynung vernomen, wern och gleich vollend zum hawfen gezogen, zu hörn, was sie doch uiinten oder vor hetten, dann der hawf der versamelten bawrschaft ett sie und ander, wa sie inen nit zuzugen, merklich betrohet. jölicber betrohung hetten sich die von Hiltgartzhawsen und Rew- i^acb, die zu inen komen wern, auch heclagt und dabey angezaigt, das sie allain ir leyb und gut zu behalten daher zogen wern und gar nit der maynung, sich wider ain rat zu setzen oder yemand zu beschedigen. Aber es hat sich hernach auch änderst erfunden und beschaint.
Antwurt des ausschuß an den rat. Soliche relation, auch das ander, so die gemalnd und der aus-
1 IlilgarfshauBcn, Dicbach, Renbach.
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Schuß darneben ander inen und mit ainander handelten, machten und ordneten, Verzug sich biß in die nacht, biß nacli dem aus- schlagen \ da schickten sie etlich aus dem ausschuß, nemlich Steffan von Menzingen und andere, die ich nit gemerkt, zu beden raten, Hessen durch gcmelteu Menzinger reden und furpringen: Nachdem ain erber rat ain gemaind beschickt und inen ir vorhaben wider die pawrn entdeckt, auch daruff begert betten, sie irs willens auch zu verstendigen etc., also hett ain gemaind ainen ausschuß verord- net, der von iren wegen red und antwurt geben sollt. Derselbig ausschuß von' wegen der gemaind hett ine, Menzingern, und die andern sein mitverordneten zu aim erbern rat geschickt und Hessen in ansagen, das ain gemaind oder der ausschuß von irentwegen [54] aim erbern rat uff sein begern noch kain entlich antwurt geben könnten, dann sie, die vom ausschuß, wollten zuvor yemand aas dem ausschuß zu den pawrn hinaus in ir leger schicken und sie hörn, warumb sie dise empörung teten, oder was ir clag und be- gern were, ob ir furnemen wider das evangeHum were oder nit. So das beschehe und sie dann in sölichem vernemen, das ir fur- nemen wider das evangeHum were, als dann wollten sie entlich und dermassen antwurt geben, das ain rat darab nit missfaUen empfahen sollt. Baten sölichs nit arger maynung zu vermerken, und wollt ain rat yemand aus inen neben den verordneten des ausschuß auch zu den bawrn verorden, das mochten sie tun.
Verrer zaigten sie an, wie sie aus dem ausschuß verordnet betten, die tor und die wach zu versehen, desgleichen möcht der richter mit sein knechten auch umbgeen, und ain rat yemand za besetzung der wach aus inen auch verordnen.
Desgleichen begerten sie, ob der ausschuß ainer gemaind not- turftig sein wurd, ain gemaind zusamen zu fordern, das ain erber rat in vergönnen wollt, drew zaichen mit der grossen glocken za lewten, als dann sollt ain gemaind on wer ufT dem Judeukirchof zusamen komen, sich alda irer notturft nach mit inen zu under- reden und zu handeln.
Sölichs alles must inen ain rat nach gestalt der Sachen aus betrangter not, wiewol sie des gar kain gefallen, sonder merklichen
1 Der Avcinariaglockc, die um Sonnenuntergang gclHutet wurde.
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schrecken und beschwernuss trugen, zulassen, dann sie sahen yetzt Tor äugen der gemaind und irs verordneten aussei) uß ge verlieh, gewaltsam, hessig und ernstlich vorhahen, damit sie ain erbern rat irs regiments und gewalts, aller administration mit entwendung der lorschlussel, besetzung der tor, hut, wach und anderm allgerait ent- setzt hetten und verrer sie zu entsetzen, zu betrangen, noten und mit inen zu handeln irs gefallens im willen warn, alles aim erbern rat, iren erbern und andern burgern und gcmainer statt Rotenburg zn merklichem verderben, schaden, nachtail, schimpf und spott, des- balben ain rat nicht mer «änderst tun oder lassen kondt noch mochte, iaun wie und was ain gemaind und ir ausschuß wollt.
Neben dem trug ain rat daunocht sonderlich beschwernuss, das 1er ausschuß, der ufF der pawrn seyten was, die schlussel zu allen :oren hetten, besorgten, wa ain rat uit irs willens und gefallens :ete, sie wurden die pawrschaft, wie sich dann ir etlich hörn und rememen Hessen, herein in die statt lassen und durch die orden, Klöster und hewser laufen, zu dem das on das kainer vom rat und irbern [55], auch den gaistlichen vor der gemaind alhie selbs nit ner sicher in iren hewsern warn, sonder in allen farn und sorgen Ter lejb und guter stunden. Demnach begert ain erber rat an den ausschuß, sie sollten dem innern burgermaister die schlussel m den torn halb uberantwurten und zustellen, damit yeder tail die scblossel zu yedem tor halb bette, und das man auch on den in- nern burgemiaister und on sein wissen ainich tor weder auf oder ZQ scbliesseu sollte. Das bewilligt der ausschnß uff das mal und dieselbig nacht, und warden darufT die tor von beden tailen und sonderlich vom ausschuß also verwart und fursehen, das nyemand weder aus oder einkomen möcht, noch gelassen ward, dann mit irer beder tail wissen und willen und irer verordneten.
Der ausschuß beschied daruff ain rat uff morgen sambstags [25 März] fruw umb zwu ur nach der predig widerumb uff das rathaws, alsda dan die jhenen aus inen zu der pawrschaft zu reyten Qnd sie zu hörn verordnet werden sollten. Es wollte auch der ausschuß ain schriftliche verzaichnuss oder Instruction begreyfen, ^ie oder uff was maynung die pawrn anzusprechen oder mit inen zu handeln were.
So ließ ain rate ain schrift zn bericht der sach an mein gne- ^'gen herren, marggraf Casimirn ausgeen, wie hernach folgt:
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An herren Casimir, marggrafen zu Brandenburg etc.
Gnediger herr! Nachdem sich etlich unser ungehorsam bawrn on unser wissen wider ir aid, er, pflicht und verwandtnuss , auch kaiserlicher mayestat, unsers allcrgnedigsten herreu, /und des hai- ligen reichs Ordnung, landfriden, recht und alle Satzungen empört und versamelt, die wir durch ernstlich verbott und handlung bißher haben dahin nit pringen mögen, das sie abzogen wem und sich als geharsam undertanen gebalten betten, sonder sich noch bey ainander halten, haben wir furgenomen zu gedenken, wie solichem der unge- harsamen unser bawrschaft mit dem ernst zu begegnen. Dieweyl uns aber dabey glauplich angelangt hat, das sich etlich derselben pawrn vernemen lassen, als ob sie ain verstand mit unserer ge- maind betten, hau wir sampt unserm ewssern rat aus den [56] und andern beweglichen Ursachen gestrigs tags unser gemaind, ain wach nach der andern, beschickt, inen der pawrn bös, ungeharsani, uff- rurig versamlung anzaigt, und das wir dan, so sie mit der gut nit abzuweysen, aus der notturft mit dem ernst zu begegnen furgenomen betten, versehen uns deshalben zu inen als unscrn geharsanicn, ge- lobten und geschwornen burgern, sie wurden sich in solichem mit hilf und beystand bey uns halten als die geharsamen und ir leyb und gut bey uns lassen, als auch wir bey inen, und dess ir autwurt von inen begert. Aber die erst und auch hernach die ander wachen liaben solicher autwurt ains bedachts begert und damit solang ver- zogen, das all wachen und also ain gemaind ganz zusammen komen sind. Mitler zeyt ist das ander ewer fürstlich gnad schreyben uns zukomen. Als aber ain gemaind des hotten gewar worden, haben sie den torn zugeeylt und dieselben eingenomen, zugeschlagen und besetzt und noch, nachfolgend ain ausschuß gemacht, der sieb ent- schliessen soll, uns antwurt zu geben, ob sie uns geharsam soin, hilf oder beystand tun wollen oder nit, und daruif uns anzaigt, wie sie sich entschlossen haben, zu den pawrn zu schicken und sie in irem furnemen zu hörn, und wir sollten oder möchten yemand zu inen verordnen, die sie mit inen verhörten, alsdann wollten sie uns verrer antwurt geben. Also haben wir inen etlich aus unserm Innern und ewssern rat zugeordnet, die an hewt die pawrn sollen helfen hörn, und [soll] uns alsdann antwurt gefallen. Nun achten wir angelangten dingen nach, die pawrn werden etlich artickcl irer
beschwerden als ciain zehenden, cloenstewr, hauptrecht, handlon und dergleichen anzaigen and hegern, desselbig abzustellen. Wa nan die pawm der maynang sein, achten wir angelangten dingen nach, nnser gemaind wenden in solichem wider die pawrschaft nichtzit tun, deshalben wir auch nit allain verhindert worden, gegen den pawrn zu abstellung irer rottierung ichtzit furzunemen, sonder irem begern statt zu tun gedrungen. So haben ewer fürst- lich gnaden auch zu ermessen, wes uns von unser gemaind mit articnlierter antwurt daneben begegnet werden mag. Das aber durch ewer fürstlich gnaden oder jemand andern gegen unser un- geharsamen bawrschaft mit ernst ichtzit furgenomen werden sollt, haben ewer fürstlich gnaden zu ermessen, zu was beschwemuss [57] uns solichs raichen möcht. Darum ist an ewer fürstlich gnad unser gar undertenig bit, ewer fürstlich gnaden wollen solichs gnedigklichen und wol bedenken und uns in gnedigem befelh haben. Das begern wir umb ewer fürstlich gnaden in undertenigkait ganz willig nnd berait sein zu verdienen.
Datum am tag Annunciationis Marie [26 MärzJ anno etc. 25. Burgermaister und rate zu Rotemburg uff der Tawber.
Als nun uff obgemelten samstag (was unser frawen tag An- miDciationis) zu morgens fruw zu obgemelter ur bede inner und ewsMr rate in der grossen ratstuben und der ausschuß in der pfend- staben zusamen kamen, trugen Stephan von Menzingen (der dann bandler, redner, heber und leger in diser sach was), auch andere des ansschuü verordnete ir instruction, die Menzinger in ain Schriften an die bawm gestellt bette, für bed rate, begerten, die zu verlesen. Das beschach. Daruff zaigten sie verrer an, das sie die iren zu den pawm verordnet betten, Inhalt sölicher instruction mit den pawm zn handeln, dergleichen mOchte ain rat auch tun. Aber die in- straction ist aim rat oder mir, dem stattschreyber, nit wider zu handen worden.
SOliche instraction des ausschuß gefiel ainem rat nicht, bewag snch die für ganz beschwerlich, dann die dahin under anderm ge- stellt was, die bawrschaft als cristlich bruder freuntlich anzusprechen, furter an sie zu begern, inen, dem ausschuß, anzuzaigen, was ir beschwemuss, dag oder anfordrung wider ain rat were, das wollten sie hörn nnd alsdann daruff zwuschen aim rat und inen handeln, M derselben mit ainander gutlich zu entschaiden und zu vertragen,
Baaerakrtog 5
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daraus nichtzit anders zn vermuten, und zu warten, auch allgerait Tor äugen was, dann durch ditz handlung ain rat irer antwurt zu verziehen, uffzuhalten und umbzufurn, biß sich mittler zeyt die pawrn nur bass Sterken und zusampt der gemaind anderer mer herrschaft undertanen uffwegig machen und zu inen pringen wurden, dermassen das inen und irem bösen furnemen stattlich nit mer zu begegnen were. Und ließ ain rat demnach auch ain sondere Instruction, we- licher massen mit der pawrschaft zu handeln, sie auch für gut an- sehe, stellen und begreyfen der maynung, das ains erbem rats und des ausschuß botschaften die versamelt bawrschaft ersuchen sollten, von solichem irem ufTrurigen [58] und emporigen furnemen abzu- steen, sich von ainander ain jeder wider anhaims zu den seinen tun und sich gegen irer oberkait geharsamlich verhalten sollten, so were ain rat des erpietens, sölicher irer yetzigen uffrur und em- pörung mit ainicher straf, noch sunst in kainem argem oder un- gutem nit mer zu gedenken, und was sie dann clag, vorderung oder beschwemuss gegen aim rat betten, darumb wollt inen ein erber rat vor dem kaiserlichen regiment oder camergericht entlichs und un- gewaigerts rechtens pflegen, und sollt yeder tail sein clag und ant- wurt nur in ain schrift stellen und übergeben, und was daiiiff er- kannt und gesprochen wurd, darbey sollt es beleyben, und solichs in ainem monat vollendt und nit verzogen werden, mit mer andern puncten ungeverlich der maynung gemeß; weliche Instruction auch nit zu diser handlung komen, sonder verzogen worden ist, ward auch vom ausschuß nit angenomen oder bewilligt, dann als soliche ains rats Instruction den verordneten des ausschuß vorgelesen ward, begerten sie inen die zu behendigen, dem ausschuß verlesen zu lassen, sich daruff auch haben zu underreden. Also ward inen die In- struction behendigt und durch die verordneten in ausschuß getragen, nachmals dieselbig aim rat durch verordneten des ausschuß wider gcantwurt, und ließ der ausschuß daruff dem rat zu erkennen geben: Ain gemaind hett sich mit dem ausschuß, desselben ausschuß ge- stellten instniction, die ain rat gebort hett, gemeß mit der bawr- schaft zu handeln, verainigt und entschlossen, Inhalte derselben ge- dechten sie mit der versamelten bawrschaft zu handeln, dann es sollt inen nit gepurn, on ainer gemaind wissen daraus zu geen, und uberantwurten also aim rat sein gestellte instruction wider. Das muste nun ain rat also geschehen lassen und tun, wie und was
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der aosscbuß nnd die geniaind wollten, und nit wie oder was aim rat für nutz und gut ansähe oder wollte, dann das spil ward aas irer band in der gemaind und irs ausschnß hand komen, die karten und machten es nach irem gefallen.
Von den botschaften, die zu der bawrschaft geschickt
warden vom rat und ansschuß.
Damff wurden die botschaften, nemlich Jheronimus Hasel nnd Jorig Bermeter vom Innern, Karel Wernitzer und Gabriel Langen- berger vom ewssem rat, Hanns Eretzer, der wirt, Lntz Beck, Fritz Dalk and [59] Sebolt Stock, bede metzler, und ander mer vom aoasdioG verordnet zu der versamelten bawrschaft zu reyten und, wie oblawt, zu handeln. Aber Georg Bermeter war im hinaus- re^ten vor dem Spitaltor vom pferd uff den köpf herabgefallen und gestürzt, dermassen das man ine wider herein in das spital hat müssen tragen und in darnach zu nachtz in sein haws herein ge- fort, alda er etwavil tag legerhaftig und schwach lag, das er nit m rat gienge, also das er mit den andern verordneten nit zu der pawrschaft käme. Aber die andern botschaften warn fürten zu der bawrschaft gein Gebsattel, alda sie lagen, geritten; und als sie, die gesandten, gein Gebsattel komen, wäre die versamelt bawrschaft eben in ihrer Ordnung daselbst eingezogen, betten sich alda gele- gert Zu denen beten die gesandten Hanns Kretzern, den wirt, der mit den pawm wol ains und bekant, auch der hauptmenner ainer im hawfen, der groß Lienhart genannt, sein schwebr was, zu den pawrn umb frid und glait geschickt. Die betten inen durch ire hanptlewt, nemlich Fritz Molknern von Nortemberg, Peter Eer- nern von Guckelhawsen , Hanns Metzlern, den wirt, zu Bretbain hinder aim rat sesshaft, und Lutz Kutterolfen von Dierpach ant- wnrt geben: ja, doch das man inen auch frid und glait gebe. Das betten sie ainander bewilligt. Damff warn die gesandten beder r&te und des ausschnß zu den hauptlewten und der pawrschaft ge- riten, und hett erstmals JheroDimus Hasel von beder inner und ewsser ret wegen derselben beder rete instruction gemeß mit be- melten haubtlewten der pawrschaft muntlich geredt und gehandelt der mayunng: Sie betten ain beschwerlicli furnemen ainer empörung uid versamblung on wissen und willen ains erbern rats furgenomen, dess 8idi ain rat merklush und nit unpillich beschwert; nachdem
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aber ain rat besorgt, sie möchten sich damit hoch verdiefen, mid die sach in ain solicbe weytemng komen, das solicbs zo merk- liebem plntvergiessen raicben möcbt, welichs alles dann aim erbem rat getrewlich laid nnd nit lieb were, demnacb betten bed inner nnd ewsser rate, auch der ausschnß der gemaind sie, die gesandten, zu inen geschickt, und Hessen ins werden unser rate inen erstmals sagen, sie sollten ir er, aid, pflicht und verwandtnuß, auch den grossen nacbtail und plntvergiessen, der aus diser bandlung, uffrur und empörung volgen möcbt, betrachten und widerumb abziehen, sieb ain yeder zu dem seinen tun nnd sich [60] als gebarsam undertanen halten, so sollt solich ir ufFruiig furnemen gütlich be- geben und nachgelassen sein, mit verrerm erpieten Inhalt beder rate Instruction etc. Daruff betten die bauptlewt durch Fritz Mölknem gefragt, ob ain rat nnd gemaind ain ding, nnd solicbs ir aller maynung were, bett ainer under ains rats geschickten geantwurt: „Ja", daruff Fritz Molkner gesagt: „So ist es ain fuchs".
Uff solicbs betten die gesandten vom ausschnß obgeschribene ir Instruction, die dem allem, so ains rats geschickten gehandelt betten, entgegen was, den bauptlewten der bawrscbaft uberantwurt und inen darbey anzaigt, sie betten vom ausschnß befelh, der may- nung gemeß lawt derselben Instruction mit inen zu handeln. Die- selbig Instruction were den bauptlewten der versamelten pawrschaft alspald verlesen worden. Nach Verlesung solicher Instruction be- geilen die bauptlewt, inen dieselben instrnction zu behendigen, ab- schreyben zu lassen, das dann auch beschach, daruff die bauptlewt der versamelten bawrscbaft dise antwurt geben:
Sie betten ir anpringen und begem gehört, und were nit on, sie betten ain versamlung, aber nit der maynung, wider aim erben rat, gemainer statt oder nyemand ainichen schaden zu tun oder zu nacbtail zu handeln, begerten auch kainer andern berrschaft, dann ains erbern rats und sich in irer gebarsam zu halten. Allain sie betten etlicb beschwernussen , die wollten sie aim erbern rat und der gemaind anzaigen, aber zuvorderst bäten sie ain rat und gemaind, sie sollten inen glait geben bewt den tag, die nacht und morgen biß zum Sonnenschein, so wollten sie sieb [nit] verrücken, nnd so inen solich glait zukeme noch in ainer halben stund, so wollten sie morgen zu fruwsten ir antwurt und anligen rat und gemaind zu Rotemburg in Schriften zustellen, wa aber kain glait
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geben ward, so konnten sie da nit verharren, sondern musten in iren vortail ziehen, dann sie besorgten ain raisigen zewg, und must man alsdann inen noch wejter umb die antwnrt nachziehen.
Zam andern betten sie ainen abgevertigt mit befelh, ain aimer weins oder ?ier in der statt zu kawfen und inen znzefaru, bäten sölichs inen zu vergönnen, mit dem erpieten, das sie rat und gemaind in solichem fall auch nit verlassen [61], sonder inen ir speys und gctrank, was in not were, soverr sie es betten, mit- tailen sollten.
Damit sein die gesandten beder tau von der bawrscbaft haupt- lewten abgeschieden. Doch als die verordneten beder rate and des aosschaß von der pawrschaft hauptlewten abritten, warn underwegen die verordneten des ausschaß von der rate gesandten wider liinder- sich zu den haaptlewten der vcrsamelteu pawrschaft geritten, betten allererst ain lang gesprech bey inen gehalten, auch ein trank mit inen getan, aber was sie mit inen gehandelt, das betten die ge- sandten beder rete, die lang (wol fünf stund) ^ uff^ainem ort ge- halten und des ausschuß gesauter gewartet betten, bis sie hernach komeu wern, kain Wissens gehapt oder von in empfahen mögen.
Und sind also beder rete und des ausschuß gesanten wider in die statt anhaims komen, und ir yedes tails gesandter handlung and relation nach der leng alspald, nemlich durch Jheronimum Haseln vor beden reten und durch des ausschuß gesaudteu vor demselben irem aosschuß, der damals in der pfendstuben zu rat sasse, fargetragen worden.
Aber uff der rate verordneter relation haben bed inner und ewsser rate sich beratschlagt und entschlossen, dicweyl sie mit den pawm der aufrur und versamlung zu Gebsattel in underhandlung gestanden, das bed inner und ewsser rate sampt aiuer ganzen ge- maind inen glait zuschreyben sollten diso naclit und morgens drey stand uff den tag, dess dann alspald ain copey begriffen und dem aasschaß der gemaind auch furgehaltcn ward, also lawtend:
Glayt.
Wir burgermaister, inner und ewsser rate und auch die ganze gemaind za Rotemburg uff der Tawber bekennen, das wir der
1 Wol fünf stund] ist von Zweifel apttter beigefügt.
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pawrscliaft, so yetz in der versamblang und empörung zu Gebsattel sein oder ligeu, unser glait und sicherliait, dieweyl wir yetzt mit inen in ainer handlang gestanden, dise künftige nacht und morgen biß drey stund uff den tag geben haben mit urkund ditz briefs, der mit unser statt secretinsigel versigelt und geben ist uff samstag Unser lieben frawentag Annunciationis nach Christi, unsers lieben herren, geburt funfzehenhundert und im funfundzwainzigsten jaren.
[62] Des begerten weins halben
haben bed inner und ewsser rate bewogen, das es nit zymblich sey, inen in sölichem zu wilfarn, dann sie geben dardurch hilf und ursach zu irem bösem furnemen. Zum andern so were es .wider kayserlich mayestat und des hailigen reichs Ordnung und landfriden, die da verputen, in sölichen bösen, uffrurigen, tetlichen furneroen nyemand kain hilf, furschub oder beystand zu tun, und mocht sich also ain rat dardurch tailhaftig machen ires freyenlichen , bösen furnemens und der straf, so daruff volgen wurd, und konnten sö- lichs, so es für kayserlich mayestat, auch churfursten, fursten und ander stende des hailigen reichs und loblichen punds zu Schwaben kerne, mit nichten verantwurten. Und dieweyl aber der ausschuß an bed rete nit begert, sie zu verstendigen, wes sich ain rat in sölichem entschlossen hetten, ist sölichs inen anzuzaigen underlassen beliben.
Daruff ward das gemelt glait durch den ausschuß in bedacht geuomen, besichtigt und zugelassen, auch verfertigt und der bawr- schaft boten, der dammb hynnen in der statt lag, daruff wartet, überantwurt und damit gleych spat hinausgelassen.
Kurzlich nach dem ausschlagen obgemelts sambstags,
nachdem der bawrschaft bot mit dem glait hinweg komen was, kam ein marggrefischer bott für das Rödortor, ließ sich dem burger- maister Erasmusen von Mußloe ansagen und darbey, er hett brief von seinem gnedigen herren und befelhe, nyemand dieselben zu uberantwurten , dann dem burgermaister , mit beger, ine hereinzu- lassen. Demnach hat gemelter burgermaister mit wissen und rate der alten burgermaister bed inner und ewsser rate ander das rat- haws versamelt. Die hetten beschlossen, den hotten hereinzulassen, doch mit wissen des ausschuß, aber doch das der burgermaister
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ßolichs dem ausschuß samenlicb nit, sonder allain irem vorgeuern Stephan von Menzingen anzaigen sollt, wie dann beschacb. Der bett aber sölicbs on seinen ausschuü nit bewilUgeu wollen, aus ver- mainten ursacben, die er desbalben anzaigt bette, ander andern nemlich die, das von beden reten und dem ausscbuü bescblossen worden were, kainen boten one beder rete und des [63] ausscbuß der gemaind wissen und willen aus oder einzulassen, das aber von aim rat nit bescbebe, sonder darüber vil boten von Boxperg, Mer- gethaim, Nurmberg und andern enden aus und eingelassen worden wern on wissen des ausscbuß.
Uff sölicbs ward durch bed rat beratschlagt, das nit gut were, den boten dismals einzulassen aus den Ursachen, dicweyl die pawrn so nahend bey der statt, als zu Gebsattel lagen, und Hessen dem- nach den hotten in ain mul bescbaiden biß uff morgen fruw, sollt er wider für das tor komen, das dann bescbach.
Am sontag Lsetare.
Zn morgens fruw desselben sonntags [26 Mürz], was der necbst tag nach Annunciatiouis Marie, kamen bed inner und ewsscr rät abermaleu zusameu, desgleychen der ausscbuß der gemaind, yeder tail in vorgemelten rat und pfendstuben, und ward die necbtig hand- lang dorch den burgermaister in beden raten anzaigt. So bett sich d&r ausscbuß entschlossen, dass diejbenen, so von beden raten und dem ausscbuß zum auf und zuschliessen der tor verordnet waru, sampt dem burgermaister die brief vom hotten ander dem tor an- nemen und alspald alda in ir aller beywesen uffbrechen und ver- lesen sollten, und sollt der bot globen, das er sunst kain andern brief bette, dann den, den er uberantwurt, und wa er soliche pflicht tct, so sollt er herein in die statt gelassen werden^ wa nit, so sollt man ine nit hereiu, sonder dawß lassen, desgleychen sollt es auch mit allen andern hotten, so aus und einluffen, auch gehalten wer- den; mau sollt auch sunst nyemand hinauslassen, es wer man oder weyb, dann die firembden; so sollt man auch alle brief, so aus und eingetragen wurden, besichtigen und verlesen, damit nyemand gegen dem andern kain gefar geprauchen möchte. Solichs ward alles durch bed inner und ewsser rete (aber doch mit Unwillen, aus vorcht and betrangknuß) bewilligt und zugelassen, aber dannoch von beder rete wegen darzu geredet, das sie nit gut deweht, den
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margrafischen als ains fursten boten mit ainem aid zn beladen und dermassen mit im zu handeln , dann sölichs wordo dem fursten zu hohem verwies komen, nnd daruff von rats wegen an den aosschnG begert, dass den hotten zu erlassen.
Also warden daruff von beden raten, nemlich der burger- maister Erasmus von Mußloe, Sebalt Loffelholz nnd Lorenz Denner vom innern rat [64] und etwavil personen, so nit gemerkt worden sind, vom ewssern rat, auch ich Thomas Zweifel, stattschrejber, mit inen, aber von dem ausschnß ain grosse zal, nemlich Steffan von Menzingen, Eilian Lutz, Albrecht Nachpur, Hanns Ellwanger und sunst vil ander, die nit zu merken warn, für das Clingentor zu eroffnung desselben geordnet und durch sie oder in ir aller beywesen dasselbig tor (darvor inwendig nnd auswendig vil lewt mit wägen und karren zu ross und fuß hielten schier biß uff den mittentag) mit grosser gewarsam geöffnet, und zwuschen sant Wolf- gangs capellen und dem innern torn die brief von dem margrafischen reytenden potten, item dabey ain brief ainer schriftlichen verzaich- nuss oder clag der versamelten bawrschaft irer angemasten, ver- mainten beschwerden von Hanns Clingern von Bettenfeld als aim hauptman der pawrn, der den pracht und uberantwurt, nnd dann ain brief von den von Dinkelspuhel, die besatzung des ampts Eirch- berg betreffend, von Hennslin von Feuchtwang, der von Diukels- puhel knecht, empfangen, alspald des orts zwuschen den torn und sant Wolfgangs cappellen in gegenwnrtigkait der verordneten des ausschuß geöffnet und durch mich, den stattschreyber, öffentlich verlesen, furter dem bnrgermaister behendigt, und alspald vom aus- schuß begert, inen abschrift der ersten zwayer Schriften zu machen und zuzestellen. Darbey erforderten Stephan von Menzingen nnd ander sein mitverordnete des ausschuß der gemaind von dem marg- grefischen hotten, dem Kitschen, ain pflicht, inen zugelotten, das er nit mer, dann die brief hette. Aber der hott hett bots marter ge- schworn und sölichs nit tun wollen. Also warden die hotten da- zumal und auch die lewt dazumal aus und eingelassen, und nach- dem ctlich hotten mit briefen, an mein gnedigen herren, den tewtschen maister und herwiderumb vom dewtschen maister an andere ort lawtende, zu ross nnd fuß under dem tor hielten, ans und einge- lassen wurden, [wurden] inen die brief durch Stephan von Menzingen und andern vom ansschuß genomen, nnd begert alspald Stephan
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)n Menzingen, noch bey dem tor stende, an den borgermaister rmsmosen yon Moßloe, auch Sebolt Loffelholzen nud den statt- threyber, sie sollten dieselben des ordens brief eröffnen und Ver- sen, damit man wisst, was man darinn schrib, inmassen dann >n beden tauen beschlossen und verlassen worden were. Aber »Hielte burgermaister [65], auch Sebolt Loffelholz und stattschreyber iben Steffan von Menzingen antwurt, sie betten dess von aim rat ÜB befelh, wnrd sich ain solichs zu tun nit gezymen. Das aber uff en ainen brief das wort cito (welichs der Menzinger ser anfacht) nnde, ward ime gesagt, das solichs der tewtschen herren geprawch ere, gemainlich uff all ir brief, so sie den gepietigem zuschickten, 18 wort dto zu schreyben. Darwider redet Menzinger, es wer och also beschlossen und verlassen, darumb so wurden sie vom osschnß die brief offen und verlesen. Antwnrten gemelte drey itrverordnete, das Hessen sie geschehen, was sie, die vom aus- :liaß, teten, soverr das sie, die ratsverordneten, solichs nit tun, och gewilligt haben wollten, stund inen nit zu. Damff trug Stephan on Menzingen der tewtschen herren brief mit ime hinweg in aus- dioß. So pracht der burgermaister meins gnedigen herren, des isrggrafen, auch der pawm und der von Dinkclspuhel Schriften in «d rete. Alda warden sie auch verlesen, und lawtet der marg- ^refiseh brief, wie hernach folgt:
)en ersamen, weysen, unser lieben, besondern, bur- ermaister, innerm und ewsserm rate zu Botemburg
uff der Tawber.
Casimir, von gots gnaden marggraf zu Brandenburg etc. Un- em gnnstlichen grus zuvor. Ersamen, weysen, lieben, besondere! Lls wir euch gestern aus gnedigem willen, damit wir gemainer statt lotemborg genaigt, und in betracht, wie unser eitern und wir mit iQch and ewem vor£Eu:n lang ze3rt in verschriben aynungen gewesen ind noch sein, der aufrnrigen pawm halben geschriben und uns ^edigklich erpotten, wie wir auch darvor durch unsem secretarien /kntonien Gräbern muntlich getan haben, das wir euch zu abwen- dnng sölicher uffrur gnedigklich hilfiich sein wollen, ist uns hewt dato von euch ain schriftlich antwurt zukomen, das ir uff dato desselben ewers schreybens (welichs an gestern in der dritten stund Yor nachts steet) mit rat und gemaind versamelt gewesen seyt der
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maynung, euch mit einauder zu vcrainen und zu cntschliessen , sö- lichem uffrurigem furnemen der pawrn zu begegnen oder dasselbig abzustellen, und was ir eucli nun in solichem entschliesset zu tou [66] oder zu lassen, das wollt ir uns tags und nachts uit verhalten, inmassen uns gedachter unser secretarius, so nechtiu wider zu uns hicher komeu, auch angezaigt hat, darob wir ain gut gefallen haben empfangen. Aber gleich in diser stund sind wir stattlich und glauplich bericht, das sich uechtin nach abfertigung unsers hotten zwuschen euch und der geniaind ain widerwill und aufiawf begeben hab. Deß betten wir uns kains wegs versehen, uns ist auch sö- lichs alles als gemainer statt Rotemburg gnedigem herren getrewlich layd, und dieweyl wir aus oberzelten Ursachen nichts liebers woll- ten, dann das es gemainer statt Rotenburg und allen derselben inr woneru glucklich und wol zustund, so sind wir aus demselben gnedigen willen genzlich genaigt und hiemit urputig, uns (soverr es euch von beden tailn gefeilt) in die Sachen zu gnediger und gutiger underhandlung zu schlsdien und, was wir also in berurten irruugeu allenthalben den Sachen zu gut handeln kamen, desselbig gncdigklich und getrewlich zu tun, damit gemaine statt Rotemburg als ain erliche, löbliche commun des balligen reichs gegen kayser- licher mayestat und des balligen reichs stenden nit zu weytenn schaden oder naclitail gedeyhe. Und wiewol wir uns kains andern zu euch von allen tailen versehen, dann das ir uns also gutlicher handlung gestattet und euch mit den uffrurigcn bawrn in nichten begeben, sondern euch als fromm, erber lewt fridlich bey und gegen ainander halten werdet, so begern wir doch hieruff ewer schrift- lichen uuverzogeulichen antwurt bey disem unserm reytenden botten.
Datum Onoltzpach am tag Annunciationis Marie [25 M&rz] zwusclien zwayen und dreyen hörn, anno etc. 25.
Solicher obverleypter Schriften begeret der ausschuß abschrift, die must man ihm geben. Daruff ließ der ausschuß ain vermaiute verantwurtung und glimpf Schriften irer bösen handlung an mein gnedigen herren, marggrafen Casimir stellen, bed inner und ewsser rät die zuvor lesen, vor inen versigeln und ausgeen, aber beden raten davon kain copi gegeben oder gelassen.
So teten bed inner und ewsser rate ain denkschrift an mein gnedigen herren mit wissen des ausschuß, dem die auch vorgelesen und in irer gegenwertigkait versigelt ward, die lawtet also:
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[67] An marggraf Casimirn zu Brandenbarg etc.
Gnediger lierr! Ewer farstlich gnaden guedig schreybeu und erpieien zu hinlegnng etlicher geprechen, so sich zwnschen unser gemaind und uns halten sollten etc., bey disem ewer fürstlich gnaden reytenden hotten getan, haben wir alles inhaltz nndertenigklich empfangen und verlesen, sagen daruff ewer fürstlich gnaden sölichs gnedigen erpietens zumal undertenigen dank mit erbietung, sölichs umb ewer fürstlich gnaden underteniglich zu verdienen. Geben damff ewern fürstlich gnaden nndertenigklich zu erkennen, das wir noch zur zeyt von kaiuer sondern Irrung oder spennung zwaschen unserer gemaind und uns wissen, dann das wir gleichwol in denen tagen fnrgenomen betten, bey unser bawrschaft, so sich embörct und zusamen getan haben, sölich emporung oder rottierung mit der gut, oder so die gut nit verfengklich gewest, etlicher mass mit aim ernst abzustellen vorgehapt und aus den und andern Ursachen unser gemaind für uns erfordert der maynung, sich mit uns zu solicheni zu vcrgleychen. Das hat gleych bißher nit statt funden, änderst dann das wir gestrigs tags etlich gesandten aus dem ausschuß der gemaind und uns verordnet, zu gemelter pawrschaft in ir leger ge- schickt, sie in iren anligenden und beschwerdcn zu hörn. Die haben uff hewt gemeltem ausschaß der gemaind und uns vil be- schwerden, der stewr, cloenstewr, zehenden, zoll, leybaigenschaft, haoptrecht, handlon, bodengelt ^, ungelt und anderer Sachen halben in Schriften verzaichnet, uberantwurt, aber unser gemaind und wir noch zur zeyt uns daruff, was der versamelten bawrschaft für ant- wart zu geben, noch wes gutlichs oder erustlichs zu handeln, nicht entschlossen. Wa sich aber ainicherlay irrung zwnschen unser ge- maind und uns, davon wir noch nichtzit wissen, ereugnen wurden, sein wir der hoffnnng, durch die göttlich gnad dasselbig uuder uns selbst mit ainander gutlich und freuntlich zu verrioliten dermassen, das ewer fürstlich gnaden oder yemand andern darunder zu be- mawen nit not sein soll, wa nit, dess wir uns doch zu gott nit ge- trösten, mögen wir alsdann kayserlicher mayestat Statthalter und regiment, auch ewer farstlich gnaden, aucM alle frey und reichsstett za andertedingem mit beder taile wissen zu unserm tail wol leyden,
1 BodeDgelt war eine im Kotenburgischen 1524 eingeführte trank- •teuer, s. Bensen a. a. o. 99.
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ewor fürstlich gnaden undertenigklich bittend, solichs aus unser not- turft gnedigklich im pesten zu vermerken. Das begern wir mnb ewer fürstlich gnaden undertenigklich zu verdienen, dann cwern fürstlich gnaden sind wir zu undertenigen , willigen diensten ganz willig und berait.
Datum sontags Letarc [26 März] ain halbe stund vor nacbtz, anno etc. 25.
Bnrgermaister, inner und ewsser rate zu Rotemburg uff der Tawber.
[68] Und als bed taile, rat und ausschuß am sonntag Letare vorgemelt zu nachtz umb das ausschlagen meines gnedigen herren marggrafen rejtendeu hotten, den Kitschen, der ain ganzen tag und ain ganze nacht uffgehalten worden was, mit den briefen durch die verordneten beder rete und des ausschuß hinaus lassen sollt, die nacht dahin zu reyten , hett Stefan von Menzingen als der ver- ordneten ainer und der furnembst im ausschuß dem botten ainen sondern briefe neben des ausschuß glimpüschriften zuschlaichen wollen. Das hette Sebolt Loffelholz als der verordneten ainer vom rat ersehen, sölichs beredt und nit gestatten wollen, warn deshalbeu mit merklichen unworten an ainander gewachsen, und sonderlich Menzinger mit so unzimlichen, zenkischen werten ganz hart an Loffelholzen gewachsen, das das tor uff das mal verrer zublib und nit geöffnet, auch der bott nit hinausgelassen ward, sonder must mit den briefen noch lenger alhie beleyben biß am roontag darnach [27 März] zu morgens fruw, ward er allererst hinausgelassen.
Der bawrschaft clagschrift irer vermainten beschwer- den halb an den ausschuß gestellt nnd von dem aus- schuß aim rat uberantwurtet etc. ^
Lieben bruder und nachburn! Es ist euch wissend, das yetz- under, gott hab lob, allenthalben scheint und von tag zu tag nach göttlichem willen ye lenger, ye mer ausbricht das war, ewig wort gottes, befinden wir in demselben, das wir an vilen stucken hoch- lich beschwert sein, weuche auch stracks wider gott, sein cwigs wort, auch die liebe des nechsten sind, derhalben wir uns zusamen
1 Bereits gedruckt bei Benaen 520 bis 521.
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Igt, und seytaiiunal ir als brnder und liebbaber der gerechtig- t ewer mitverwandteo zn uns geschickt, euch za wissen tan, was er prechen und anllgen, auch maynnng sey, wollen wir euch selbig Vns brüderlicher lieb nicht verhalten.
So Temembt kürzlich nnser anllgen, nemlich das wir hodi be- en sein mit haaptrecht und handlon, als ein yegklicher selbs in lem gewissen ermessen mag.
Weyter mit der stewr sein wir auch nbermassen beladen.
Mer mit einem anerdachten and seltzamen affi$atz, mit dem engelt, so es ye ain jemerlich ding ist, das kainer in der ganzen dwer kain aigne kn haben soll.
Weyter das bodengelt und [69] ungelt, welichs aach ain iderer uffsatz ist und clar wider das wort gots and die liebe des rfasten.
Aach nachdem mir all (als ich hoff) zn ainem ewigen, warn ;t^aben ains tawfs getawft sein, ain ainigs, ewigs, zokunftigs «o hoffen, hat der tewfel durch sein tawsendfundige list einge- t Ein grossen grewel in die christenhait , das ainer des andern ;en sein soll, so wir doch all ain corper christlicher gemaind sein, lidier haupt ist Christus Jhesus, unser erlöser.
Weyter sein wir beschwert sovil gaistlicher anderswa bey uns «othalben einnemcn, groß und ciain zehend und sie doch gar ilti darumb tun, auch damit ire caplon verursachen, das sie uns ^icb schinden und schaben mit iren lugen und menschentand, Uen wir hinfor den, so bey uns die muw tragen, belonung tun, an ain taglöner ist wirdig seins taglons, wer aber nit arbait, der eß auch nichts.
Mer sollen abgetan werden all unpillich zoll, auch sein in- iderhait etlich gemaind und nemlich Brethain newlich beschwerdt rden, den von Rotemburg jerlich zu raichen von der gemaind it gnldin und den Chorherren drei guldin, welichs auch ain grosse wernng ist
Weyter befrembdt euch uff uns, so euch unrecht angezaigt, cb mir mit nicht gesteen, das mir die marggrefischen, auch hinder der herrschaft sitzend uns zuzuziehen benötigen und fordern, dann r versamelt sein, der gerecbtigkait beystand zu tun, komen etlich uns oder bey uns wer, die mir nicht wissen, treyben wir kain g, notigen auch kain zu uns.
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Aoch, lieben bnider ond nachbnrn, sehet ir yetz nnd fuelt die höchsten beschwerd, weliche dar wider gott, sein ewigs, wars wort und die liebe des nechsten sein. Über das hat ain erber rat in allen flecken geschickt nnd angeschlagen, nns all maynaidig 'scheltend, welichs mir nicht gesteen, dann mir gelobt haben, alles gepnrlichs, nnd das wider gott nit sey, zn halten globt; nnser aber anligen ist alles, als ir sehet in den artickeln obvermelt, [nit] ungepnrlich wider gott nnd die liebe des nechsten, derhalben uns maynaidig zu schelten geschieht nns anrecht.
Nun, lieben brnder, wist ir nnser anligen, nnd ob etlich a^ tickel der cyl halben nns noch nnbedacht wern, wollen wir vorbe- halten mit der zeyt euch anznzaigen, und ob ir etwas nngebnrlichs in nnserm schreyben oder artickeln befnndt, wollen wir bruderlidie nnderweysung ufTnemen, als weyt die gerechtigkait raicht. Bitten euch, uffis knrzst ewer maynnng uns kund zu tun.
Datum 1525 sambstags nach Oculi [25 März].
Die hauptlewt, auch aller ganzer heller hawf.
[70] Wes der ausschuß uff soliche der bawrschaft schrei- ben bey beden r&ten anpracht und sunst gehandelt
haben.
Uff soliche der uffrurigen bawrschaft Schriften (dero herr Lien- bart Denner, Lorenz Denners, des innern rats alhie, sone, vicarier in der alten Unser lieben frawen cappellen und pfarrverweser za Lewzenbronn, ain canzler oder schreyber und darzu in dem und andern mitsampt herr Hanns Hollenpachen , frumesser zu Lewzen- pronn und her Endris Nufer, sunst R9sch genannt, damals pfarrer zu TawberzBll, der pawrschaft prediger, vorgener und verfurer zn solichem übel warn) hat der ußschuß durch sein verordnete Stephan von Menzingen und andere an bed inner und ewsser rete uff ver- melter bawrschaft schriftlich anpringen furgetragen die maynung, das der ausschuß genaigt wäre, wa sie das bei aim rat erheben konten, zwuschen inen, dem rate, und der versamelten irer bawr- schaft zu hinlegung gemelter geprechen und beschwerden gütlich zu handeln mit beger, so sie, die vom rate, in soliche gütliche handlang bewilligen wollten, das sie inen dess ir lawter, verstendig antwnrt geben sollten.
Bed inner und ewsser rate
sein damff aber die sach gesessen, haben solichen farschlag des aos- sdiuß fiir ganz beschwerlich nnd dabey bewegen und eqpessen, sollten sie icbtzit gegen der versamelten bawrschaft in diser nffrur und betrangter not begeben and nachlassen, so bcschche sölichs aas ainer gewaltsam, and were nyemand sölichs schuldig zu halten, und entschlussen sich bed rate, solichen farschlag des ausschuß ans bemelten and andern mer Ursachen abzulainen und darbey den fur- schlag za tun, die versamelten bawern sollten widerumb ab and anhaimisch zu dem iren ziehen, sich solicher uffrur und empörung hinfaro enthalten, daruff sollt sie ein rat all aus far und sorgen lassen and sölichs in argem nymmer mer gedenken, betten sie dann der angezognen, vermainten beschwerden halben ichtzit zu clageu, so wollten sie mit inen derhalben zu gutlichem, entlichem rechten uff kajserlicher mayestat regiment im reich oder des kajrserlich cammergerlcht komen etc. der maynung gemeß, wie erstlich in irer' instraction an die bawrschaft zu Gebsattel gepracht worden, gaben [71] sölichs Steffian Ton Menzingen und andern sein mitverordneten also far antwurt, die schieden damit von beden reten ab.
Wie der ausschuß ainer gemaind den ewssern rat
vom Innern rat abgetrungen hat.
Darnach uff den aubend desselben sonntags [26 März] kamen Steffan Ton Menzingen und ander verordneten vom ausschuß der ge- maind and forderten, inen etliche vom ewssern rat zuzeordnen. Das beschach, und wardcn in also etlich vom ewssern rat zugeschickt. Denen haben die verordneten des ausschuß anzaigt: Ayn gemaind trag nit daine beschwemuss, das der ewsser rat, der anstatt ainer gemaind da were oder sesse, wer von ainer gemaind zum Innern rat getretten und sessen da bey inen im rat, da sie doch billich bey aim ausschuß oder der gemaind sitzen oder sein sollten. Be- werten daruff an den ewssern rat und ermaneten sie auch bey iren pflichten, damit sie ainer gemaind verwandt wem, das sie vom Innern rat abweychen und zu ainer gemaind tretten wollten, inen in iren anligenden geprechcn und beschwerden das pest helfen zu handeln nnd zu bedenken, haben daruff mit ernst dcss ir antwurt be^. Daruff hat der ewsser rat zu antwurten ains bedachts be-
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gcrt biß tff morgen, montag nach Letare [27 März] nmb drej nr. Der Avard inen vom ansschuß zugelassen.
Und als aber bed reto neben sölichem uff die antwnrt, die bed rete dem ansschuß uff sein anpringen und furbalten, der pawr- Bcbaft vermainter bescbwerd halben, gegeben betten, yerrer anregen teten der maynung, das inen, den reten, uff des ansschuß genomen bedacht von dem ansschuß noch nit antwurt gefallen were, ob sie aim rat wider der pawm uffrur geharsam, hilflich und beystendig sein wollten, sonder bed r&te sehen und hörten, das sie sich dess enthielten und vemcmen Hessen, wie sie in etlichen stucken be- schwert sein sollten, demnach ain rat für gut ansehe und umb fnrdemng willen der sach bette, das ain gemaind solich ir be- schwerden zuvorderst anzaigten, und also ain rat und gemaind sich derhalben zuvor mit ainander verainten und verglichen, damit sie wisten, wie sie neben und bey ainander sessen, und so rat und gemaind irer sachen und geprechen zuvorderst mit ainander ver- tragen wem, alsdann so sehe ain rat für gut an, darnach mit der bawrschaft auch zu handeln, was not und gut were. Uff das hat der ansschuß durch Steffan von Menzingen und ander ir ver- ordnete beden raten anzaigt, sie [72] betten sich uff disen puncten entschlossen, das sie uff morgen montag umb zwu ur uff den tag ainer gemaind uff den Judenkirchof zusamen lewten lassen und inen solichen ains rats furschlag furzehalten, wollten sie daruff in iren anligen und beschwerden auch hörn. Das ward durch ain rat be- willigt und zugebissen.
Uff montag nach Letare fruw umb zwu ur
hat der ansschuß mit der grossen glocken drew zaichen und dar durch ainer ganzen gemaind uff den judenkirchof zusamen lewten und versameln lassen, die also alspald daselbst zusamen komen sind, und haben alda ansschuß und gemaind verrern verstand und beschaid mit ainander gemacht, auch ain gemaind dem ausschnß pflicht getan, mit handgebenden trewen an aids stat globt, wcs der ausschuß machen und handeln wnrd, das sie darbey beleiben, freven- lieber taten, handlung und reden mussig steen, kain frevenlich band an nyemand legen, sonder friedsam und ruhig sein wollten. Hetten auch etlich, als nemlich Jacob Yahman, Lienhart Bogner, der beck, nnd ander, so für das frawencloster auch etlicher priester bewser,
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ins spital und andere ort komcn warn, sie ninb etlichen wein ge- schätzt und das alles über und wider ir vorgetan pflicht geübt betten, für sich erfordert und darumb übel angcredt, dermassen das sich der ansschnß versehe, sie sollten deß liinfuro mnssig steen, daneben sich auch ansschuß und gemaind mit ainander endlich ent- schlossen, den ewssern rat von dem innern rat abzufordern.
Desgiejchen hat sich der ewsser rat diß morgens fruw umb ain or uff nechtigen genomen bedacht uff das rathhaws znsamen in die grossen ratstuben getan, haben den vertrag und die Ord- nung des alten auflawfs \ im gcsetzbuch begriffen, desgiejchen die aid, wie und wes der ewsser rat und die burger schwern, verlesen lassen, sich darinnen ersehen und lawtcr funden, das sie aim in- nern rat, und wes der inner rat oder der mcrcr tail des rats zu rat werden, setzen^ gepieten oder verpieten, imc soliclis helfen zu volstrccken schuldig globt und geschworen wem, und demnach die ewssern rät ir antwurt, in Schriften mit inserirung derselben aid and ai-tickcl gestellt, dem ansschuß uberantwurten und furpringen lassen und den ansschuß für solich ir handlung und furnemen ge- betten, weliche schrift also lawtet, wie hernach folgt:
[73] Ewssern rats antwurt.
Günstig, lieb herrcn und freund! Nachdem der ansschuß ainer erbem gemaind gestern an den ewssern rat alhie gesonnen und begert und sie bey iren aiden und pflichten, so sie ainer gemaind getan oder in damit verwandt sein sollen, ermant haben, das sie von dem innern rat abtretteu und zu ainer gemaind steen sollten, dess sie dann bedacht genomen, nun betten sie sich in dem aid, den sie als ewsser rate geschworen haben, desgleichen in dem burgeraide ersehen und funden darinnen die artickel, nemlich in des ewssern rats aid also:
Artickel aus des ewssern rats aide.
Des ersten, das sie der statt er sollen furdern und beholfen sein mit Worten und mit werken on allerschlacht gcverde und auch geharsam und beholfen sollen sein, wes der rate mit der mcrern menge zu rat werden, und auch geharsam sollen sein, wes der rat
« 1 Im iMre 1455 n. Densen a. a. o. 92. Bvaernkrfes ^
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zu rat werden oder gcsetzen, and in aach darzu beholfen sollen sein mit leyb und mit gut on geverde und soll auch das nit gc- verlieh widersprechen an dhainer statt.
Ain artickei aus dem burgeraid.
Zum dritten, das du wollest aim rat in allen iren zirotichen gebotten und verpotten geharsam sein, auch was sich der mcrer taile des rats uberaint und zu rat werden, dasselbig helfen strecken und volpringen, soverr dir leyb und gut raicht.
Gunstig, lieb herren und freund! Aus solichen beden artickeln des ewssern rats aid und des burgeraids vernembt ir, das der ewsser rat dem inner» rat, wes sie oder der merer taile ordnen, machen, gepieten oder verpieten, geharsam, hilflich und bejstendig zu sein globt und geschworn sein. Aus dem erscheint clerlich, das sie ain gemaind bey kainen aiden oder pflichten zu manen oder zu fordern haben, sonder ain ewsser rat schuldig und pflichtig ist, aim Innern rat in iren Satzungen, gebotten und verpotten geharsam zu sein, und das sie demnach uff des Innern rats erfordern und begern zu irem vorhaben wider der ungeharsamen pawrn uflfrar und empörung aus scliuldiger pflicht billich zu ainem innern rat gestanden sein und bey inen steen und bleiben sollen, das auch dem ewssern rat er halben nit gepurt, wider ir aid von dem innern rat derroassen zu trotten oder zu weychen und zu ainer gemaind zu steen [74]. Darumb bat der ewsser rat ain erbere gemaind oder iren ausschuß mit dienstlichem und allem freuntlichen fleyß, sie wollten den ewssern rat darbey beleyben und bey aim innern rat sitzen lassen, wollen sie dannocht neben und bey aim innern rat uff der gemaind furtrag irer beschwerden das best und nutz- lichst, soverr sie ymmer könden und gesein mag, helfen handeln, bedenken und beschliessen als wol, als so sie bey ainer ge- maind wem.
Daruff hat der ausschuß, der damals noch in der pfendstuben saß und darinn sein regiment bette, in ganzer versamblung des ausschuß söliche schriftliche antwurt, die in allen vorgelesen ward, von den verordneten des ewssern rats empfangen, daruff ain be- dacht genomen und darnach durch ir verordnete Stephan von Men- zingen und andere dem ewssern rat muntlich furpringen lassen die maynung: Sie hetten iren fnrtrag und begem in Schriften gehört,
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geben ine daruff za erkennen, ^as der ansschuß ain ganze gemaind boy ainander gehapt, die hetten mit inen beschlossen, und ain ge- maind dem ansschnß ain sölichen ernstlichen befelh geben and aach darbey den ausschnß nmb das, das sie inen nechten deshalben ain bedacht geben hetten, ganz schan^^ und ernstlich angehalten und daruff den ernstlichen beschluß getan, der ^Yöllte dem ansschuß zu endem, noch daraus zu geen gar nit gepurn. Darurob wer noch- mals des ausschuß begern und majnung, das sie von aim Innern rat abweychen und zu ainer gemaind tretten wollten; wa sie aber uff irer maynung und beger ye beharren wollten , dess sich doch ain ausschuß von ainer gemaind wegen ye nit versehe, als dann wer ains ausschuß bitte und begern, das sie von aim rat abweychen und liaim in irc hewser geen, anhaims bleyben und sich geruwigk- lich halten wollten, solang biß dise sach hingelegt und vertragen wurd.
Demnach hat sich der ewsser rat umb solichs verrer undcr inen bei-atschlagt und zu bekommerten herzen und gemut gefurt der gemaind so ernstliclie, gewaltsame handlung und bewegen, das sie derselben nach der weg ainen, wie inen durch den ausschuß furgcschlagen wer, geen oder merklichs, grossen Überfalls, far und sorg an leyb und gut von der gemaind gewarten musten, aintweder zu ainer gemaind tretten oder anhaims in ire hewser geen [75] und also von aim rat abweychen, welichs iiren aber wider ire aid und pflicht gar nit gepurte, es sagte sie dann ain inner rat der- selben irer aid und pflicht ledig oder erlaupt inen solichs, und so auch geschehe, das sie von aim rat ab und in ire hewser giengen und bey kainem tail steen wollten, so ward inen ain gemaind hessig und widerwertig werden und sagen, sie wern von inen, der gemaind, auch abgewichen., möcht inen allererst geverlibher nach- theil und beschwernuß von ainer gemaind daraus entsteen. Darumb wer irs erachtens nach ledigung sölicher aidspflicht dem ewssern rat der erlichst, glimpfigst und der Sachen nutzlichst und frucht- parst weg, das der ewsser rat zu ainer gemaind tretten und zu den Sachen das pest und nutzlichst helfen reden und handeln, das mer für ain rat, dann wider sie. Doch so möchten sie zuvorderst den ausschuß noch ainest, soverr es ain i*at erleyden könt, ersuchen, sie beder weg zu erlassen und sie als mittelpersonen zwuschen beden tailcn zugutlichcn underhandlern zu gedulden, wollten sie
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kain fleyß oder muw sparn, damit söliclie irrung und beschwerimss under inen selbs in der gut vertragen und hingelegt, und nit frembd herrschaften darzwuschen gefurt und eingelassen wurden, die ge- inainer statt Sachen, gelegenhait und gehaimbd erkundigen. So so- lichs bed taile willigten, wollten sie allen fleyß furwenden, sie mit hilf gottes in zwayen oder dreyen tagen gutlich mit ainander zu verainen und zu vertragen. Das hat also der ewsser rat nach der leng an den innern rat pringen und begcrn lassen.
Der inner rat
liat daruff nach gnugsamer beratschlagung mit bekommertem, tru- rigem gemut bewegeu, wie sie und der ewsser rat, von der ge- maind und irem ausschuß in der statt versperrt, gefangen, schwer- lich und hoch betrangt wem, auch tun mustcn, was sie wollten, es wer gleich gut oder bös, geried wol oder übel, das auch der ewssere rat gemelter zwayer weg ainen geen muste, haben daruff aus betrangter not mit grosser beschwerd den ewssern rat, damit die Personen desselben rats irer ern nit verletzt und angedast wurden, im naroen gots erlaupt, sie irer pflicht in dem fall ledig gesagt, also das sie den ainen weg, zu ainer gemaind zu tretten, annemen und den andern, von der gemaind sich zu enthalten und haim in Ire hewser zu geen, undcrlassen sollen, merern nachtail, der inen und aim rat daraus entsteen möcht, zu furkomen; doch sollen sie zuvor, wie sie selbst bedacht betten, den ausschuß er- suchen [76], inen als mittelpersonen gütlicher nnderhandlung zwa- schen aim rat und der gemaind zu gestatten.
Der ewsser rat
hat daruff durch ire verordnet zuvorderst an den ausschuß verrer gesonnen und begert, sie beder furgehaltencn weg nochmals zu er- lassen und als mittelpersonen zu gutlicher nnderhandlung zu ge- dulden, aus den Ursachen, wie sie oben bewegen und aim innern rat auch angezaigt hotten.
Stephan von Mcnzingen und andere vom ausschuß
teten sölichs ansynnen an iren ausschuß gelangen zu lassen und nachmaln daruff dem ewssern rat widerumb diso antwurt vom aus- schuß pringen t der ausschuß bedankt sich des ewssern rats erpietens
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ZU gütlicher underbandlung, aber der ausschuß kondt sie zu mittel- pcrsoncn oder guüicheu auderhaiidlcm nit gedulden, sonder wer nochmals ir bcgcrn und maynung, das sie von aim i*at zu ainer gemaind steen oder aber haiin in ir hewser geeu sollten, wie inen vor furgehalten worden wer, dan solichs wer also mit der gemaind beschlossen worden, und gepnret inen nit dauß zu geen.
Demnach ist der ewsser rat von dem Innern rat uff obgemelt sein crlauptnuß und ledigzelung ircr pflicht ab und zu der gemaind getrctten, und hat daruff der ausscimß etlich personen aus dem cwssern rat, nemlich Jherouimum Öfnern, Cunz Ofncrn, Crist- hainzen, Hanns Hubnern, Claus Freyen und ander mer in den ausschuß genomen und gesetzt.
Der ausschuß
hat darnach wcyter an ain rat gesonnen: Nachdem die tor ver- sperret und von beden tailen verwart, desgleychen die wach ver- schen wnrd, daraus allerlay nachred und verdächtlicbait entstund, als ob kain tail dem andern trawte und also in mißtrawen gegen ainander stunden, so wollten dann etlich auch irer arbait ausserhalb der statt gewarten mit irem viehe und anderm dem iren aus und ein Webern. Damit nun sölicher mißtraw abgeschnitten, und ain ycder zu seiner arbait und gewerb unverhyndert gelassen wnrd, sehe den ausschuß für not und gut an, das sich der ausschuß von iren und der gemaind wegen zu aim innern burgermaistcr und rat und herwiderumb inner burgcrmaister und rate zu dem ausschuß verpunden, globten und pflicht [77j teten, das sie ober ainander trawen und glauben halten, kain tail von dem andern ainicher ge- waltsam, far oder sorg gewarten sollten oder wollten, und daruff die tor geöffnet und mit torwarten vei-sehen wurden, also das yedermann mit seinem vielie und anderm frey aus und ein komen möchte. Das ward also von aim rat angenomen und bewilligt, auch dess zwen gleychlawtend versigelt brief verfertigt, die lawten, wie hernach folgt:
Verschrcybung.
Die erbern, fursichtigcn und weysen, burgermaistcr und rate bie zu Rotenburg haben sich gegen dem erbern ausschuß ainer gauzen erbern gemaind daselbst und herwiderumb der ausschuß
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aiiier ganzen gemaiud daselbst gegen denselben burgermaister und rat bewilligt, das etliche tor geöffnet, und yederniann geruwigklicheii mit dem seinen aas und ein webcrn sollen und mögen, und doch die tor sunst besetzt und verwart werden sollen. Und damit kain taile gegen dem andern derhalben ain icher mißtrawen oder gevar gewarten oder besorgen dorf, hat ain burgermaister anstatt ains rats daruff alspald dem ausschuß und herwiderumb der ausschuß für sich und ain ganze gemaind gcmeltem burgermaister und rato globt mit handgebenden trewen an aids statt, das sie in diser zwi- trechtigen Sachen, solang die unvcrtragen ist, aiuauder trawen und glauben halten und beweysen, und hain taile von dem andern ainicher far, gewaltz oder mißtrawens gewarten sollen und wollen in ganz kain weg. Und ob ainem tail gegen dem andern in söliclier Verpflichtung lenger zu steen nit gelegen oder vermaint sein wollte, der mag des dem andern taile uffsagen, und als dann ain burger- maister und rate gemeltes ausschuß und ganzer gemaind halben unverhindert und herwiderumb der ausschuß und ganze gemaiud ains rats halben unverhindert acht tag die nechsten nach sölichem uffsagen in aller sicherhait, on far und sorg steen biß in ains jeden gewarsam. Zu urkund istf gemainer statt secret insigel in disem brief getruckt, so haben Hanns Jagsthaimer der alt, Cunrat Eberhart und Ernfrid Kumpf ir aigen insigel auch hierein getruckt, desgleychen so haben Stephan von Menzingen, Jheronimus und Cnnz die Ofner, gevettern, als anstatt des ausschuß von iren und ainer ganzen gemaind wegen ir aigen insigel, der sich der ganz aus- schuß von ainer gemaind wegen mit gepraucht, in disen brief tun trucken.
Actum uff montag nach dem sonntag Letare [27 März] nacb Christi, unsers lieben herren, gepurt fanfzeheuhuudert und im funf- undzwainzigsten jaren.
[78] Der ausschuß
ließ nachfolgends uff solichs verrcr durch irc verordnete Stephan von Menzingen, Jörig Spelten, den alten, Christhainzen und vil ander an ain erbern rat pringcn und begern : Nachdem ain uß- schuß der gemaiud sich verfangen bette, zwuschen aim rat und der gemaind der geprechen und beschwernuß halb, so ain gemaind hettc, gütlich zu handeln^ und aber ain rat begert hette, das ainer ge-
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maiud alhic beschwert vorgeen sollen, und sich aber aus solhcm (wie der ausschuß bedechte) der bawrnsachcn verwcjicn und in j^rösser weyteruug ziehen möchte, wollte demnach der ausschuß den pawrn glait Inhalt aincr copey, so sie gestellt hctten und ain rat verlesen Hessen, für sich und sunst für kain andere hcrrschaft geben biß uff nechsten samstag [l April] und bcgerten, ain rat sollt der pawrschaft auch glait biß uff denselben samstag geben. Das hat ain rat zo tun bewilligt, und lawt ains rats glait, als her* nach Voigt:
Glait.
Wir burgerwaister, rate und ganz gemaind zu Rotemburg uff der Tawber bekennen, das wir allen unsern bawrn, die in diser emporung versamelt bey aiuauder sein, biß uff samstag nechst künftig unser sichcrhait und glait für uns, die unsern, und der wir UDgevorlich mcchtig sind, und sunst fui' nyemand gegeben haben.
Mit urkuud ditz briefs mit unser statt secret insigel versigelt und geben uff montag nach dem sonntag Letare [27 März] nach Christi gepurt funfzehenhundert und im fuufuudzwainzigsten jareu.
Der ausschuß
hat dainiff durch seine verordnete aim rat zu erkennen geben, das sie uff morgen zu ainer gemaind sachen und beschwerdc« greyfcn und dieselben zu liandeln das erst sein lassen wollten. Sind damit bcd taile dis abends abgeschieden.
Die versamelt bawrschaft
ist an disem montag nach Letare zum Reychartzrodt und zu Orem-
pacli, auch anderer end daselbst umb, dahin sie gestern sonntags
[2(5 Milrz] von Gebsattel gezogen warn, gelegen, bey vierdhalb-
tawsend stark, haben zum Rodt ^ den Uennsercomentur ^, lierr
Caspar vom Stain, angriffen, im ain merkliche [79] summa getraids,
vieh und anders genomen, gcpewt, vcrfutert und ains tails umb
brot geben und sunst mit cysen ausprechen und andere Verwüstung
im haws zum Rodt grossen schaden und unlust gefugt, und sind
in solichem pewtmaister gewest Uanns Haym zu Gailtzhofen ' und
1 Ucjchertsroth. 2 Ucnnscr] JobannitQr, 3 Gailshofen.
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Hanns Han, der new schmid zu Orempach, die hetten die bab uud sonderlicb das vicb ausgcpcwt und verkawft, das gelt darumb ein- geuomen und betten von dem erlösten gelt aiu fenlin lassen macben, Wirt uud bottenlon bezalt.
Her Zeysolf von Rosenbergs zu Halraerstettcn *, riters, bawrscbaft und anderer berrscbaft undertanen
sind damals mit uffgericbtem fenlin in irer Ordnung in die roten- burgiscb landwer zu der rotemburgiscben bawrscbaft, zu vorgemeltcm Rodt ligende, gezogen, sie in ir bruderscbaft zu ncmen angesucht und begert, die von den obgeuannten bauptlewten und raten der rotenburgischen bawrscbaft angenomen worden sind mit zusagung, inen hilf wider ir beri*schaft, herren Zaysolfen, zu tun. Daruff haben dieselben roscnbergischen bawrn ain erbern rat und geniaine statt Rotenburg mit den rotenburgischen bawrschaften helfen über- ziehen und beschcdigen, und ist des cnds von anderer bcrrschaft undertanen ain groß ab und zuziehen gewest der jhcnen, die von den pawrscliaften darunder und für geschickt worden sein, sich der sach zu erkondigen.
Profosen, hauptlewt uud rate zum Rod gemacht.
Daselbst zum Reychartzrodt sein Fritz Mölkncr von Norterabcrg zu aim profosen uud Jorig Tewfel von Sclionach zu aiin hauptman und rotmaister geordnet worden, demnach sich Jörg Tewfel der sach underfangen, mit der pawrschaft ain Schlachtordnung gemacht, und hat die bawi*schaft daselbst sunst etlich mer, nemlich Hanns Kern von Rimpach ^, Hainz Nageln zu Scheckenpacli au dei Tawber, Fritz Nageln, amptman zu Tawberzell, Michel Vögten z« Lewzendorf, Kilian Bracken von Schmernpach * und andere zu haupt Icwten, raten und fenderichen gemacht. Kilian Brack war bc- schliesser und verwarer der proviand worden und ain weyl fen derich gewest.
1 Das städtchon Niederstcttcn hieß nach dem über ihm liegendei schlösse Haldonbcrgstettcn früher, ja noch bis 1807 Haldenbergstettcn Haltmarstetten , Haldormanstetten u. s. w. 2 Oberrimpach. 3 Schmer bach.
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Zu Wyndshaiin ^
war diser zeyl auch ain grosse cmpörung und uffrur in der gemaiud, die iren rat ticngeu, alle tor iunanieu, vcrsperteu und verwarten sampt auderm.
[80] Wie der ausschuß verrer bandelte.
UfF obgemcltem moutag [27 März] fruw hat der ausschuß aioer gemaind an den burgerniaister Erasinusen von Mußioe begcrt, dem ausschuß die grossen ratstuben einzugeben. Das hat inen der bargerioaister zugelassen und darbey gesagt, sie liaben es on das alles in irem gewalt. Sind auch daruff alspald bcd obgemelt siehe- mngsbriefe von bcden tailen vcrsigclt worden, und hat ufif sölichs yeder tail dem andern, nenilich der ganz ausschuß in ains burgiT- maisters band und ain ganzer rat in Jheronimus Ofners band (der die pflicht anstatt des ausschuß vom rat eiuname) globt inhalt der briefe, so alspald zwusclieu bedcn tailen verlesen und übergeben worden sind. So ward dem ausschuß daneben von der versarnelten bawrschaft geschriben, weliche schritt der ausschuß aim rat behen- digt zu verlesen, die lawtet also :
Der bawrscbaft schrift.
Lieben bruder und nachpurn! Nachdem wir gestern euch zu- i?escfalckt unser artickel ains tails, naclidem ir dann bruderlich be- gert hapt, wollt ir uns als hewt antwurt gebeil bey zaiger ditz brieis. Wollen wir nun weyter euch als bruder niclitz verhalten, so wist, das uns alle stund an allen flecken zuzeucht ungemant und genöt, auch wider unser maynung, begern bruderlich, ine aus brü- derlicher liebe der gercchtigkait beyzusteeu, können wir inen solichs, als vor euch anzaigt, nichtz abschlagen. Darumb bitten mir, wollt tiff das freuntlicbst, auch uffs schierst handeln. Bitten auch weyter, nachdem mir als bruder und nachpurn bey euch gern zu handeln, wollt uns zulassen geen umb unser gelt pulvcr, stain und spieß, so ir derselbigen empem möcht. Haben mir euch solichs aus brudcr- Her lieb nichtz verhalten.
Datum etc. montags nach Oculi [27 März] 1525.
Hanptlewt und rät des hellen hawfens.
1 Windsheim.
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I)er aussthuü begcrt, aiii ral sollt der bawru Le- scliwcM'd halb uff ine, den ausschuß, zu eutlichcu
aussprucb komcn eto.
Nach Verlesung obgemeltcr schrift hat der ausschuß aim erbcm rat verrcr anpriugeii getan: Wiewol sie nechten von aini erbern rat abgeschieden wem, an hewt zu der gemaind beschwerdcn zu greyfen [81], dess auch ganz willens gewest wern, so hett doch der ausschuß betracht und bewegen, das die pawern etwas stark, wie sie anlangt und wisten, bey ainander in irer vcrsamblung legeu, und aiu merklicher zuzug von anderer herrschaft gepawrn wcre, dermassen das zu besorgen und zu vermuten, wa sich die sach verweylen, sich gemainer statt Rotenburg und der iren gepawrn mit anderer herrschaft pawrn, so inen stetigs zuzugen, also merk- lich Sterken, mit ainander verprudern und verpinden, auch so mecbtig werden, das sie nachmalen von ireni furnemen zu bringen, nocb ainiche gutliche handlung zwuschen ainem rat und inen statt zo haben oder ichtzit zu verfahen, auch der von Rotenburg pawrn von anderer herrschaft bawrn zu pringen, noch sie zu ertrennen nit mer wol müglich sein wurde. Darumb so were des ausschuß maynung, zu der pawrn sach zum ersten und fordersten zu greyfen und zu gutlicher hinlegung derselben zu handeln, und begerten demnach, ain erber rat sollt es solicher der pawrn beschwerd halben uff ain ausschuß der gemaind zu entlichem aussprucb der sachen komcn und bewilligen, so wollten sie zu der versamelten pawrschaft schicken und mit inen handeln, das sie sölichs auch zu inen entlich stellten, dai*uff ain rat und die pawrn entlich entschaiden und vertragen werden sollten, dermassen das es beden tailen leydlich und treglich sein, und sollt die versamelt bawrschaft daruff abziehen und sich zu dem irem tun, begerten dess ains erbern rats antwurt.
Ain rat
hat daruff die sach bewegen und ermessen, das inen solicher des ausschuß furschlag merklich beschwerlich, nachtailig und unerleidUch were aus Ursachen, das sölichs etliche leben und etlichen im rat sein lehenspflicht antreffe, darzu andern auswendigen herrschaften zu entgang und nachtail raichen, dann sich die iren dess auch zu bebelfen understeeu, und derselben herrschs^ften sich darumb an ge«
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mainc statt Rotembarg und die iren henken wui'den. und aus den aud andern nrsacben an den ausscliuß begern lassen, das sie noch- xials deu necbtigen abschied für band ncmeu und zu der gemaiud i>e»ch werden zum ersten groyfen wollten, dieselben zuvor forzn- .iringen und za yertrag derselben zu handeln, desgleychcn das sie n der pawrn Sachen und geprechen mit ains erbern rats vorwisseu iiaudelu wollten etc.
[82] Der ausschuß
bat daruff aim rat für antwurt geben, das ain rat hievor in vilen Sachen als in Mewters Kilian prudersons, Jörg vom Ranis und andern vehden allwegen zu gar hart gewest sey, dcrmassen das daraas gemainer statt Rotenburg merklicher nncosten, schaden nnd naehtail ir nnd der iren entstanden were, da allwegen die sachen, wa man bey zeyt darzu getan hett, mit vil geringerm nnd leichterm sergangen und abtragen, nnd gemaine statt und die iren vor vil nacbtuls nnd Schadens verhutt bliben wem. Darumb könnten, noch wollten sie ains rats vorhaben und begern nit stat tun, noch zn- Tor in der gemaind sachen handeln, ee dann sie die pawrschaft vertragen hetten, wollten denselben handel vorgeen lassen und disen zunickstellen.
Demnach in ansehung des ausschuß ernstlichs, gewaltigs fur- nemen, und das ain gemaind sich an die pawrn und herwiderumb die pawrn sich an ain gemaind, wie aus solicher des ausschuß hand- lang za vermerken was, zu vertragen ain ungczwoyfelten verstand mit ainander hetten, hat ain rat, wiewol mit ganz beschwertem und missfelligem gemut, aus betrangter not die sach der pawrn ange- masster beschwerd halben, inmassen sie die, wie oblawt, in Schriften uberschickt hatten, dem ausschuß entlich nnd mechtigklich aus der band za gütlichem ausspruch nnd entschied ergel}en des Versehens, sie wnrden ain rat und sich selbs bedenken, darinnen sich halten,
bandeln und machen, das sie gegen kayserlich mayestat und menigk-
lichem za yerantwnrten wisten.
Der ausschuß
bt das also angenomen und aim erbern rat solicher gntwilligkait rnmal freantlichen dank gesagt und redten darbey, sie wollten als- pald zu der vw9ftmclten pawrsQlmft schicken, mit mn bandeln, sie
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derinaäscn gegen aim rat uff den ausbcliuß zu verfasseu. llabea sich damit also ain erber rat und der ausschuß mit ainander ent- scldusscu, die pawrn, so Lieber in die statt zu wcbern und zq bandeln betten, und andere aus und einzulassen, docb nycmand mit kainer were, sonder das sie die nnder den toren lassen sollten, es wern geraainer statt oder frembder berrscbaft pawrn oder Untertanen.
[83] Doctor Andras Bodenstain von Karlstat ward durch Ernfrid Kumpfen geoffenbart.
Dazw'uscben bat sich der obgenannt doctor Andras Bodenstain von Kareistat in diser uffrur dis tags geoffenpart. Ernfrid Kampf [bat denselben] uff das ratiiaws pracht und aim erbern rat ange- zaigt, es were ain man vorbanden, den acht er zum friden gtr dienstlich und furderlicb sein, bett darfur, es wer gluck und hail bey ime, bat ain rat, man wollt ine hörn. Als aber ain rat damfl fragt, wer er were, antwurt P^rnfrid Kumpf daruff und sagt, es were doctor Kareistat, der stund dawß uff dem haws etc. Das was aim erbern rat ain seltzams zu hörn, nam sie wunder on^ fragten in, wie er doch daher kerne über das edict und verbot! bievor wider in ausgangen. Daruff antwurt Ernfrid Kumpf im rat das der Kareistat seyder des edicts aus der statt nye komen, son der allwegen hie zu Rotemburg gewest und baimlicb enthalten wor den were durch ine und ander christlich bruder, und er wollte dt nit lawgcn, wann es vor dem kaiser were, und der benker binde im stunde, dann er hctt an ime als an aim armen, eilenden, ver jagten menschen das werk der barmberzigkait umb gottes willei geübt, wer in solichem gott und nit dem menschen schuldig gehu sam zu sein, wiewol er sich boy aim erbern rat in aller gebarsai und sein pflicht zu halten sich schuldig erkennte, auch dasselbi zu tun willig und berait were, aber in dem fall, da es das got wort autreff, da wollt er aim rat oder nyemand, sonder gott ge harsam sein, als weyt im Icyb und gut raicbte, das sollt im got zu helfen, wie er dann vor mermals auch im rat gesagt hette Des name im ain rat nit ain claine beschwerd, sagten, sie liessei sich bedanken, sie wern auch Christen als wol, als er und wolltet als wenig wider das evangelium und gots wort sein, als er ode] andere. Aber dabey muste es ain rat beleyben lassen, dann naqli'
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diin yetz ain gcmaind hcrr \Yas und rcgirtcn durch ircii ausscliuG, vie and was sie wollten, könnten sie darwider nichtz handeln, son- der mosten es geschehen lassen, stunden dazumal uff und giengen ab.
Der ausschuß
bat desselben tags nach essens aus inen Cnnz Ofnern, Valentin Yckclshaimem und andre hinaus zu der versameltcn bavvrschaft zu reyten [84] und inen, was der ausschuß uff ir, der bawrschaft, schreyben hewt bey aim rat gehandelt und erlangt betten, diis ain lat der bawrschaft beschwernuss halb uff ine, den ausschuß zu ent- liebem ausspruch und entschaid bewilligt bette, anzuzaigen und damff an die versamelt bawrschaft zu begern, dermassen auch uff in zu bewilligen etc. verordnet. Also sein gemelte verordneten zu der versamelten bawrschaft, die eben dis tags zum Reychartzrod Bffprochen warn und herein gegen der statt zugen, geritten. Und als die versamelt bawrschaft, also in irer Ordnung mit dreyen uff- gcrichten fenlin ziehende und zu beden seyteu mit den rais- und andern wegen, damff sie die hackeupuchsen und ander geschutz, das sie uff den land und kirchturnen, auch snnst genomen, ligeu iietten, farende und reytende, biß zum Lindlinssee ' komen, sein iie verordneten vom ausschuß in sölichem uff der straß bey dem iffonnen gegen dem Lindlinsee den hauptlewten, desgleychen die laoptlewt inen begegnet. Daselbst betten die gesandten des aus- cliaß mit den hauptlewten der pawrschaft Inhalt irs befelhs ge- andelt, und die bawrschaft mittlerweyl in irer Ordnung gehalten. ach volendung der Werbung und handlung war der hawf in seiner ndnang wider fürt geruckt und über den pruel awsserhalb dem ilsgericht alhie hin und Newseß ' zu gezogen, allda sie sich des- ilben aubends und die nacht gelcgcrt betten, und warn die ver- rdnetcn des ausschuß alspald widcrumb in die statt geritten.
Damach haben die gesandten des ausschuß irem ausschuß ge- andelter Sachen und empfangner antwurt relatiou getan, und nach- >1geQd8 Stephan von Menzingen mitsampt gemeltem gesandten und Odern verordneten vom ausschuß solichs dem innern rat auch fur- ietragen der maynung: Der ausschuß hett uff hewt dem jüngsten ibsdiied nach, von den pawrn genomen, ire gesandten bey der ver-
1 Lindlionsoe vor Rothenburg. 2 NouBitz.
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sameltcn pawrschaft gehabt, inen durch ain schriftliche verzaichnoss furtragen lassen, was mit aim erbern rat gehandelt, und das ain rat die sachen uff sie, den ausschuß, zu gutlichem and entlichem ausspruch gestellt betten, daruff von den pawrn begern lassen, sölichs an sie auch derniassen entlich zu stellen, wie dann ain rat getan liett. Und betten daruff die pawrn die antwurt gehen [85], sie bcgerten auch nichtz, dann gutlicher handluug und sich gütlich ent- schaiden zu lassen, doch also, sovil der ausschuß lewte zu solichem entliehen ausspruch und entschaid geben wurden, sovil wollten sie auch ans inen darzu geben und setzen, die mit den verordneteB des ausschuß solichen ausspruch tun sollten. Nun hctt die pawr- schaft daneben dem ausschuß ain darvor ausgangen Schriften uber antwurt, also lawtend:
Lieben bruder und nachpurn! Nachdem ir uns als liebhaber der gerechtigkait nechsten tags bruderlich zugeschickt, unser anb'gen, maynung und furnemen euch anzuzaigen, als wir dann tun haben, ist uns von euch kain antwurt worden, wie wir vememen, knn halben, ersuchen wir euch bruderlich, wollt uns schriftlich zu fe^ steen geben handlung sölicher euch zugeschriben artickel, so mir dann wüsten bruderlich zu handeln etc.
Geben am sonntag Letare [26 März] etc. 1525.
Söliche vorgemelte schrift hett der ausschuß aim rat nit wollen verhalten und zaigten darbey verrer an, wie die pawrschaft inen, dem ausschuß, durch ire geschickten, so ine die brief pracht, hett sagen lassen, sie wollten sich bedenken und uff morgen etlich ans inen herein zu dem ausschuß schicken und verordnen, die ioen verrer ir gemut anzaigen und zu erkennen geben sollten, und be* gerten deshalben, dieselben ire geschickten herein in die statt und wider hinaus zu verglaiten.
Solich glait
ward durch ain rat bewilligt und gegeben, wie hernach folgt:
Wir burgermaister und rat zu Rotemburg uff der Tawber, dieweyl der ausschuß unserer gemaind hie zu Rotemburg zwuschcn uns, auch unser und der unsern bawrschaft, so yetz in empörung versamelt sein, gutlicher handlung zu pflegen furgenomen haben, bekennen, das wir derselben ganzen unser gepawrschaft unser sicher- halt und glait geben haben für uns, die unsern, der wir nngeverlich
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;htig sind, aber sonst wollen wir inen far nyemand kain sicher- :, glait oder Vertröstung hierinn getan haben.
Mit urkand dis briefs, der mit unser statt zu ruck ufFgetrucktem retinsigel versigelt und geben ist uff montag nach Letare [27 März] h Christi unsers lieben herren gepurt funfzehenhundert und im jaren.
[86] Am dinstag und mittwoch nach Letare
die versamelt bawrschaft zu Newseß, und was der ansschuß I inen uflf iren furschlag antwurt gcwertig. Am mitwochcn ob« nelt [29 März] zu morgens hat die versamelt bawrschaft herein die statt zu dem ausschuß geschickt Hanns Clinglern von Bet- feld und Lutz Kutterolfen vqn Dierpach ^ und durch sie der frschaft maynung und gemut dem ausschuß uff sein jungst an- ngen und begem furpringen lassen uuder anderm sölicher' ge- lt, das der liaft der pawrschaft halben atlain daran lige, die- jrl der Zeysolfs von Rosenberg bawrscliaft auch bey inen im vfen wern, die doch ire hauptlewt liinder dem hawfen und on > hawfen wissen angenommen betten, die musten sie hierinnen ;h bedenken, dann inen wurd nit gepnrn, sie alsp zu verlassen I on sie zu verrichten oder vertragen zu lassen, baten umb rat, t sie sieb in solichem sollten verhalten, dann ob sie mit aim rat tragen wurden, so begerten sie an ausschuß, er sollt alsdann
Zeysolfs lewt auch einsetzen etc.
Aber der ausschuß hat inen solhes abgelaint der maynung,
konnten sich herr Zeysolfs lewt nit annemen, noch sich der- len mochtigeu. Es wurd gemainer statt und in allen zu merk- ein, verdurplichem schaden komen, dann herr Zeysolf wer den iten anhengig und verdient, könnt allwegen vil pferd uffpringcn 1 grossen schaden tun, wer des ausschuß maynung und rat, der rf sollte, wa er sie nit angenommen bette, oder [sie] on ir wissen lenomen worden wern, sich ir eutschlagen und nit annemen, der sie auf die hauptlewt , die sie uffgenomen betten , weysen, a dieselben haissen handhaben und einsetzen.
Indes and gieych zu mittemtag kamen uff obgeschriben glait •ein in die statt geritten her Lienhart Denner, Fritz Mölkner, ter Kemer und vil der obgeschriben hauptlewt und rate der
I Dicbach.
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versaiiielteu pawrschaft, üb oder bey den dicyssigcn, bandelten ky dem ausscbuß der gcmaiiid, dermasscu das der ausschuß vermerkt und verstund, das der bawf oder ire geschickten des jüngsten an- pringens und handlung, von wegen des ausschnß durch ire ge- sandten an sie, die hauptlewt und rate, beschehen, nit recht ver- merkt oder verstanden betten, und hat uff sölichs der ansscliol! furgcnomen , den gescliickten der pawrschaft hewt nit antwurt zi geben, nachdem sie yetz etwas weinig und ungeschickt waren, bil uff morgen fruw, so sie geschickter sein wurden, wollten sie inei des ausscbuß nechste mnynung baß erclern und erzelen etc.
[87] Von aim raisigen zewg ober Newses.
Gleych under solicbem nmb acht ur des tags kam ain gc schray herein in die statt, wie ain raisiger zewg sich auf d« Wachsenberg sehen lassen hott. Derbalben ward ain gi-oß geschra und murbelung in der gemaind, man wollt die pawru schlahei luffen etlich uff die inawrn und sunst znsamen. Deshalb ließ de ausscbuß ainer genin ind mit der grossen glocken zusamen lewtc und inen furbalten, wie die rachtung an aim rat nit crwund dann ain rat hett die snch dem ausscbuß übergeben oder zu iiK gestellt, aber die pawrschaft hett es noch bißher nit zu inen stelle wollen, konnten derbalben kain antwurt von den pawru pringei sonder wern nochmals antwurt von inen gewertig; darumb wer 4 mangel an inen und nit an aim rat, und wa nun den pawrn ab solichs etwas begegnet, so wern sie selbs schuldig daran, hetti daruff ain gemaind gepettcn, sieb der pawrn in solicbem nit anzuncme
Es haben sich auch uff sölichs der ausscbuß mit aim rat n hinwiderumb ain rat mit dem ausscbuß, doch uff des aussdn ernstlichs anhalten und begern verainigt, das yeder tail ain bot Schaft hinaus zu dem raisigen zewg schicken und sie bitten solle der pawrn nicht zu scblahen, sonder mit inen zu handeln, das ! sich uff gnad ergeben, ire wer von in legten und sich alspald ht in ire hewser oder zu dem iren tun sollten, dann es stand xn sehen aim rat und den pawrn in gutlicher bandlang dermassc das sich ain rat versehe, es keme zu guten dingen aad za ai vertrag etc. Sein daruff aus dem rat verordnet worden Com Eberhart und Jberonimus Hasel und vom ausscbuß Hanns Hubn und Valentin Yckelshaimcr. nnd sein alle tor zugeschlagen werde
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Die von Nuhnberg haben indess beden, innern und ewssern Täten nnd der gemaind geschriben, wie hernach folgt:
Den ersamen nnd weysen, bnrgermaister, inner und
ewsserm rate sampt der ganzen gemaind za Kotemburg
off der Tawber, unsern besondern, guten freunden.
Unser frenntlich, willig dienst zuvor. Ersamen und we3rsen, besonder lieben freund i Uns langet glauplich an, das sich ^wuschen ewer beder sejts allerlay widerwertiger beschwerungen zutragen sollen, welichs wir aber ewern halben, denen wir bißher, [88] mit son- dern), freuntlichen, genachpurten willen verwand und zugetan gewest sejen, nit gern und mit aim getrewen mitleyden vernomen haben, ; xweyfeln auch nit, ir kunt bedenken, zu was beschwerlichem ende [ die nffirnrn und zertrennungen der oberkaiten und undertanen l jedesmals geraicht, und das nach den Worten unsers seligmachers •Qe regiemngen, die in inen selbs zertailt und unainig seyen, zer- r stört nnd wuest beleyben müssen, das auch aus ainigkait claine, i' geringe ding hohe gewachsen, aus unainigkait und zwitracht aber die grössten und höchsten in kurz ganz zu abuemen und verderben komen und vergangen sein, in welichem uns die alten, vergangen geschiebten, darzu die teglichen zufäll, so sich bey unsern gezeyten bißher erewgt haben, unwidersprechliche zewgknnß und anzaigung ; gehen mögen. Ewer lieb haben sich auch dess nit schwer zu er- ^ iimern, das bißher etwavil jar der erbern frey und reichsstetten, sonderlich aber denen, die vor andern ander den wolfen gelegen Qd der waid gesessen sein, etwas hoch und mit merklichem nach- ttil zugesetzt worden ist, darinn sie aber der allmechtig wunder- barlich erbalten, und hat zu solichem sonders zweyfel nit wenig mach geben, das dieselben communen under inen selbst ainig ge- vest, getrewlich zusamen gesetzt und ir zugestanden ungefcU under ainander in bürgerlichem mitleyden übertragen haben, welichs aber dvch unainigkait und widerwertige haudlung, wie ain yeder ge- ringer Vernunft ermessen mag, beschwerlich hat beschehen mögen. Achten es auch darfur, der tewfel als ain sonder feind und ver- Uger fridens und ainigkait, weyl der das liecht des evangeliumbs, <o ffiser zeyt an allen orten, zuvor aber in den stetten beginnt zu steinen, nit erleyden kau, feyert nit durch seine listige anschleg,
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dergleychen widerwillige zertrennnng anzurichten, ob er damit dester
eher den glänz gOttlichs worts undertrucken oder zma wenj^rtn
verhindern möcht. Dieweyl wir uns dann nit allein als christen-
lewt aus bruderlicher, christenlicher verpflichtnng, sonder auch ab
ein common des hailigen reichs schuldig erkennen, ewer lieb wol-
fart und ^ aufneinen zu furdern, herwiderumb alles das, so d^iselben
widerwertig und entgegen sein mag, sovil uns ymmer möglich, helfen
zo fm-komen und abzustricken, inmassen unsere vordtem jedeBnuüs
auch getan haben, so ist an ewer lieb unser freuntlidi bitt, die
wollen gelegenhait jetziger lewfte, auch was aus diser zertrenimni
ewem halben für unwiderpringlichs Schadens und nachtails erfelga
mag, zu herzen füren und sich demnach gegen ainander zu wejtor
verdiefung nit einlassen. So sein wir hiemit urputig [89], wis
wir für uns selbst oder neben andern stetten ewer lieb gefieUig
zwuschen euch beder seyts mit ewer beder tail gutem willen wit
guts handeln, die schwebenden irrungen beylegen und vertragen
mögen, das wir solichs mit dem pesten, getrewlichsten und solichem
fleiß tun wollen, als ob es unser selbst sacheh belanget. Ewer
lieb wollen hierinnen ir er, nutz, wolfart und gedeyen im pestoi
bedenken, dann wir sind ye genaigt, ewer lieb samentlich und son*
derlich allen guten und freuntlichen willen zu erzaigen.
Datum eritag, den 28 Martii anno etc. 25.
Burgermaister und rate zu Nurmberg. Der ausschuß hat sich daruff an statt der gemaind für siA selbst den von Nurmperg antwurt zu geben entschlossen, sölidiB auch aim innern rat und darbey angezaigt, ob ain rat den vm Nurmberg auch ain schriftlich antwurt geben wollte, das mochten sie auch tun, und ließ es ain ausschuß geschrien. Auf das liel sich ain rat gegen dem ausschuß vememen, das sie den von Nonn- berg uff ir schreyben auch antwurt geben wollten, und veraintei sich bed tail, ir Schriften ainander hörn und lesen zu lassen and die mit ir yedes wissen abzufertigen.
So sein die verordneten des rats und ausschaß vorgemelt in« dessen hinaus uff den Wachsenberg geritten, haben sich daselbst nach dem raisigen zewg umbges^en und erkundigt) and als sie unden am berg zwen kerner, zu den sie kernen, gefragt, ob sie nicht reyter gesehen, betten sie geantwurt, sie hetten fiinf rewter gesehen und aigentlichs Wissens, das gestern bey sibenhondert za
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fa& ni Kitzing ^ ausgezogen wern, aber wahin, das wissen sie nicht. Sölichs betten bed k^mer inen mit pflichten und handgelnpten an aids stat bedewrt. Aber als sie, die gesandten, nff den Wachsen- berg komen wem, betten sie ain getrett und gestuef von raisigem zewg uff dem Wadisenberg gleich fomen am Luginsland fanden und gespart, anch an aim bawm, der inen nffgestossen was and den zewg ges^en hett, derhalben erkondigt, beriebt von ime empfangen, das es mäns gnedigen herren marggrafen baaptman Wolfstainer mit fnnfeig pferden gewest were. Der hett sich mit solicbem zewg Seen lassen und herfar nff den Knock getan, villeicbt den bawfen